Verschiedene Welten?

Als unsere Testwagen BMW X1 und Range Rover Evoque zum ersten Mal nebeneinander auf dem Parkplatz stehen, denken wir unwillkürlich sofort: Fehler. Wir haben zwei Autos aus ganz verschiedenen Klassen für den Vergleichstest bestellt. Denn neben dem massigen Evoque sieht der X1 fast wie ein Spielzeugauto aus. Aber stammen die zwei SUVs wirklich aus so verschiedenen Welten? Wir haben es bei unserem Test herausgefunden.

Wirklich dieselbe Klasse?
Wie verschieden sind die beiden Karosserien? Ein Blick in die Datenblätter zeigt: Was die Länge angeht, ist der X1 sogar ein paar Zentimeter größer als der Evoque. Doch der Range Rover ist rund zehn Zentimeter höher und über 15 Zentimeter breiter als der BMW – das ist wohl der Grund für unseren ersten optischen Eindruck. Sitzt man dann drin, verstärkt sich diese Wahrnehmung: Man sitzt deutlich höher im Evoque. Doch das Briten-SUV ist deshalb nicht unbedingt übersichtlicher. Beim Blick nach rechts ist schwer zu erkennen, wo die Karosserie aufhört. In engen Straßen ist deshalb der X1 der wesentlich angenehmere Genosse. Auch in puncto Preis liegt der BMW günstiger: Den X1 gibt es ab 27.600 Euro, den Range Rover erst ab 33.100 Euro. Ein deutlicher Unterschied, aber Welten sind es nicht. Also haben wir doch alles richtig gemacht beim Testwagen-Bestellen.

MOTOR / GETRIEBE
Die Preisdifferenz zwischen den beiden Modellen verschwindet fast vollständig, wenn man die von uns gewählten Motorisierungen vergleicht: Der X1 xDrive 23d Automatic kostet 39.930 Euro, der Evoque SD4 Automatik 40.030 Euro – der Unterschied macht also gerade mal einen Hunderter aus. Wie die Beinamen schon aussagen, wählten wir statt der serienmäßigen Schaltvarianten die Automatikversionen. Beide Fahrzeuge besitzen eine Sechsgang-Automatik. Schaltwippen und Multifunktionstasten am Lenkrad sind bei der Evoque-Automatikversion Serie, bei BMW zahlt man für beides zusammen 370 Euro.

Zweimal Allradantrieb
Sowohl beim X1 wie beim Evoque gibt es Allrad- und Zweiradantrieb, wobei BMW bei Letzterem auf Hinterrad-, Range Rover aber auf Vorderradantrieb setzt. Die von uns gefahrenen Varianten besitzen beide einen Vierradantrieb. Das Allradsystem des Evoque lässt sich vom Fahrer einstellen. So kann man per Knopfdruck die Untergründe Asphalt, Gras/Schotter/Schnee, Schlamm/Spurrillen oder Sand auswählen. Dieses benutzerfreundliche System heißt Terrain Response. Es basiert auf einer Haldexkupplung mit elektronischer Steuerung, die je nach Situation und Einstellung die Kraft den einzelnen Achsen zuteilt. Beim X1 gibt es keine vergleichbare Feinjustage. Dieses System beruht auf einer elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung, die für die Aufteilung der Antriebskraft sorgt.

Doppelturbo oder einzelner Lader
Auch die Antriebe passen zueinander. Beide Fahrzeuge haben Dieselmotoren unter der Haube, die recht kultiviert und ohne störende Rauheit laufen. Beide Hersteller verwenden die besonders fein dosiert einspritzenden Piezo-Injektoren. Unser X1 besitzt einen Zweiliter-Diesel mit 204 PS, Range Rover holt 190 PS aus 2,2 Liter Hubraum. Der BMW ist mit zwei Turboladern ausgestattet, wobei sich der größere erst bei höheren Drehzahlen dazuschaltet. Der Range Rover arbeitet nur mit einem Lader. Trotzdem ist das Maximaldrehmoment ähnlich: Der BMW mobilisiert 400 Newtonmeter, beim Evoque sind es 420 Newtonmeter.

Geringfügiger Leistungsunterschied
Der Leistungsunterschied von sieben Prozent ist in der Praxis spürbar, wenn man die beiden Fahrzeuge unmittelbar hintereinander auf die Autobahn jagt: Der BMW beschleunigt etwas besser. So weist das Datenblatt beim Münchner SUV einen Sprintwert von 7,3 Sekunden aus, während der Evoque 8,5 Sekunden braucht. Außerdem ist die Höchstgeschwindigkeit des Evoque fast 30 km/h niedriger als beim X1. Das sind schon nennenswerte Unterschiede. In puncto Verbrauch liegen die beiden Autos aber nahezu gleich: Der Evoque braucht laut Datenblatt 6,5 Liter auf 100 Kilometer, der X1 6,3 Liter. Ein Start-Stopp-System hat keines von beiden Automatik-Autos – dieses Spritspar-Feature ist jeweils an die Handschaltung gekoppelt.

FAHRWERK / LENKUNG
Starrachsen wie bei harten Offroadern à la Land Rover Defender gibt es bei den weitgehend für die Straße konzipierten SUVs X1 und Evoque nicht. So haben unsere beiden Kandidaten eine Einzelradaufhängung, mit der sich die Autos ähnlich komfortabel wie Limousinen fahren. Oder besser gesagt wie Vans, denn die größere Fahrzeughöhe macht sich natürlich durch Wanken in der Kurve bemerkbar.

BMW etwas straffer
In der Praxis fährt sich der BMW agiler als der Range Rover. Beim Schlangenlinienfahren – gut, so etwas sollte man nicht tun, und wenn, dann nur in betrunkenem Zustand – wackelt der Münchner weniger hin und her als der Brite. Das liegt an der niedrigeren Sitzposition im X1 und dem besseren Seitenhalt in den Sitzen des BMW, denn so fühlt man sich beim gleichen Wankwinkel weniger hin- und hergeworfen. Aber auch das straffere Fahrwerk des X1 trägt dazu bei. Härter dürfte sich der Range Rover anfühlen, wenn er mit dem optionalen adaptiven Fahrwerk für 1.230 Euro ausgestattet wird. Denn dann kann man einen ,Dynamic Mode" für eine besonders sportliche Dämpfereinstellung wählen. Beim X1 gibt es solche adaptiven Dämpfer auch nicht gegen Aufpreis.

Range Rover moderner ausgestattet
Die Lenkung gibt bei keinem von unseren beiden Fahrzeugen Anlass zu Kritik. Technisch besteht aber ein Unterschied. Der Evoque besitzt als erster Range Rover eine energiesparende elektromechanische Servolenkung, während der BMW auf die althergebrachte elektrohydraulische Technik setzt. Auch was die Parkbremse angeht, geht es bei BMW traditioneller zu: Der X1 wird mit dem altbekannten Handhebel fixiert, während der Range Rover eine elektrische Feststellbremse hat.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Zur Karosserie haben wir anfangs schon einige Fakten genannt. Mit etwa 4,40 Meter Länge gehören beide Autos zu den Kompakt-SUVs. Der Range Rover ist für unseren Geschmack deutlich schicker als der etwas altbacken daherkommende BMW X1. Unsere Testwagen sind beide fünftürig. Während dies beim X1 stets so ist, gibt es den Range Rover als fünftürigen Evoque und als dreitüriges Evoque Coupé.

Range Rover innen deutlich schicker Ob Range Rover oder BMW: Premiummarken sind beide. Dementsprechend darf man vom Innenraum schon etwas mehr erwarten als etwa bei einem Dacia Duster oder Hyundai ix35. Diese Erwartung wird auch erfüllt, doch wirkt unser Evoque innen noch wesentlich edler als der X1. Während im BMW Plastik regiert – wenn auch in den zwei Farbtönen Schwarz und Beige –, ist unser Range Rover mit verschiedenfarbigem Leder und delstahlleisten ausgeschmückt. Das gebürstete Alu ist sogar Serie. Auch eine Teillederausstattung ist Standard, für eine Vollbelederung zahlt man allerdings zwischen 620 und 1.300 Euro Aufpreis. Bei BMW ist Leder nur am Lenkrad und am Wahlhebelmäntelchen Serie, Volllederausstattung gibt es für 1.450 Euro und auch Interieurleisten kosten extra.

Raffinierter Drehwahlhebel
Auffällig im Evoque ist die schicke Mittelkonsole. Statt eines normalen Automatik-Wahlhebels gibt es hier einen Drehwahlknopf. Außerdem finden sich der Knopf für die elektrische Parkbremse und die Bedientasten für das Allradsystem. Beim BMW geht es schlichter zu. Die Mittelkonsole liegt nicht so schön hoch. Zudem wird hier noch der alte Automatikwahlhebel von BMW verbaut. Dazu gibt es den Dreh-Drück-Steller zur Steuerung der Display-Inhalte sowie den althergebrachten Handbremshebel. Das Allradsystem lässt sich nicht beeinflussen. Die Motoren werden bei beiden Autos per Startknopf angeworfen, wobei der des Evoque recht hoch angebracht ist, sodass ein gestreckter Arm notwendig ist.

Zu wenig Kofferraum
Im Fond ist bei beiden Autos mehr als ausreichend Platz. Sitzriesen fahren im BMW etwas besser, da hier die Kopffreiheit größer ist, Sitzzwerge mit langen Beinen fühlen sich dagegen im Range Rover wohler, weil hier die Kniefreiheit besser ist. Was den Kofferraum angeht, so bieten beiden SUVs erstaunlich wenig davon. Beim X1 sind es 420 bis 1.350 Liter – ein Trauerspiel, wenn man bedenkt, dass sogar ein Honda Civic mehr Kofferraum hat. Auch der Evoque mit 420 bis 1.455 Litern brilliert nicht, ist aber zumindest beim Maximalvolumen größer. Wer ein SUV mit viel Laderaum sucht, wird beim Toyota RAV4 besser bedient: Er stellt 586 bis 1.752 Liter zur Verfügung. Immerhin ist der Kofferraum beider Testwagen gut nutzbar, beim Umlegen ergibt sich ein fast ebener Ladeboden. Die Ladekante liegt allerdings – wie für SUVs typisch – sowohl beim Evoque wie beim X1 mit rund 70 Zentimeter recht hoch.

AUSSTATTUNG / PREIS
Wie erwähnt wird man für unsere beiden Automatikautos jeweils runde 40.000 Euro los. Bei weniger renommierten Herstellern kommt man natürlich günstiger weg. Ein VW Tiguan mit 170-PS-Diesel und Allradantrieb ist ab 32.700 Euro zu haben, und für einen SsangYong Korando mit vergleichbarem Antrieb zahlt man nur knappe 28.000 Euro. Teurer ist dagegen ein vergleichbarer Mercedes GLK für fast 44.000 Euro.

Bei BMW nur eine Ausstattung
Wem unsere beiden Testwagen zu teuer sind, der kann die jeweilige Schaltversion wählen. Die ist beim Range Rover 2.330 Euro günstiger, während man bei BMW 2.050 Euro spart. Wer aber glaubt, er käme beim Evoque günstiger weg, indem er den Dreitürer bestellt, hat sich geschnitten: Die etwas hochtrabend als Coupé bezeichnete Karosserievariante ist sogar rund 1.000 Euro teurer. Sehen wir uns nun die Preislisten genauer an: Bei BMW gibt es nur eine Ausstattungsvariante, bei Range Rover werden dagegen die drei Varianten Pure, Dynamic und Prestige angeboten.

Range Rover mit besserer Ausstattung
Für unseren Ausstattungsvergleich wählen wir beim Evoque den schon ordentlich ausgerüsteten Pure. Bei beiden Autos sind die Sicherheitssysteme komplett: ESP, Front- und Kopfairbags sowie Seitenairbags vorne sind serienmäßig an Bord. Der Evoque hat zusätzlich noch einen Fahrer-Knieairbag. Ansonsten besitzen beide Fahrzeuge 17-Zoll-Aluräder, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber rundum, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und ein CD-Radio. Der X1 xDrive 23d bringt außerdem Nebelscheinwerfer und eine Klimaanlage mit. Der Range Rover hat statt einer Klimaanlage eine Zwei­zonen-Klimaautomatik. Außerdem sind Parkpiepser hinten, ein Tempomat und Teilledersitze an Bord sowie die bereits erwähnte elektrische Parkbremse. Nebel­scheinwerfer kosten beim Evoque allerdings Aufpreis. Dennoch ist der Range Rover schon in der Einstiegsvariante deutlich besser ausgestattet als der BMW.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Was die Motoren angeht, ist der BMW etwas besser. Er beschleunigt etwas vehementer und ist ein wenig sparsamer. Ähnlich beim Fahrwerk: Auch hier fährt sich der X1 agiler und sportlicher. In puncto Karosserie und Innenraum ist der Range Rover Sieger: Er bietet mehr Kofferraum und ist innen wie außen schicker. In puncto Kosten ist der Evoque bei fast gleichem Preisschild besser ausgestattet. Jedes Auto gewinnt in zwei Kategorien. Wir würden uns für den Evoque entscheiden: Die schickere Optik wäre uns wichtiger als die leichte BMW-Dominanz bei Fahrwerk und Motor.

  • BMW X1 xDrive 23d Automatic
    90%
    agiler und etwas sparsamer, übersichtlich
    relativ wenig Kofferraum
  • Range Rover Evoque SD4 Automatik
    90%
    innen und außen schicker, mehr Stauraum
    etwas unübersichtliche Karosserie

Bildergalerie: Verschiedene Welten?