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X-Box für die Stadt

Klein, aber oho? Der neue Toyota Aygo im Test

Kleine Spielwiese

Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

17. Jun. 2014 um 17:34 Uhr

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Neun Jahre können eine halbe Ewigkeit sein. Zumindest im Automobilsektor. So lange ist der Toyota Aygo nämlich schon auf dem Markt. Die Kunden hat es nicht gestört, sie griffen selbst kurz vor der Ablösung noch fleißig zu. Jetzt rollt die zweite Generation an den Start.

Macht jetzt in Mode
Wie gehabt entsteht auch der neue Aygo im tschechischen Kolin und läuft dort mit seinen Brüdern, dem Citroën C1 und dem Peugeot 108 vom Band. Alle drei haben jetzt nicht mehr ganz so viel gemeinsam wie bislang. Toyota selbst spricht von gut 65 Prozent Gleichteilen, darunter die vorderen Türen. Galt der Aygo bislang als biederer, aber treuer Stadtflitzer, so wird er nun zum Mode-Trendsetter umgemodelt. Am markantesten ist zweifellos das große X-förmige Element in der Frontpartie, welches farblich abgesetzt wird. Damit nicht genug: Der Aygo-Kunde kann sich jetzt ähnlich wie beim Fiat 500 oder dem Opel Adam mit der Machete durch unzählige Farbkombinationen für außen und innen schlagen. Aber unter uns: Der gewöhnlichen Mutti von neben an dürfte so viel Lifestyle herzlich schnuppe sein.

Übertriebenes Design
Fakt ist jedenfalls, dass sich der Toyota Aygo deutlich von seinen französischen Geschwistern unterscheidet. Er wirkt deutlich kantiger als 108 und C1, uns gefällt es. Gut ist die Tatsache, dass es statt der winzigen Klapptürgriffe endlich gescheite Bügel gibt. Weniger toll sind die sich verengenden hinteren Seitenfenster (wie bislang nur zum Ausstellen), die für eine enorm breite C-Säule sorgen. Dort kann sich trotz Schulterblick so einiges verstecken, etwa ein kleines Kind auf dem Fahrrad. Gerade für ein Stadtauto wie den Aygo ist das inakzeptabel.

Im Kleinformat
Wenig Begeisterung löst auch der Kofferraum aus. Hinter einer Glasklappe befindet sich ein Volumen von 168 Liter. Das ist etwas mehr als bislang, Fahrer eines alten Aygo können sich freuen, zumal zwei nicht allzu große Koffer durchaus hineingehen. Schade ist nur, dass nach dem Umlegen der hinteren Lehnen eine Stufe entsteht. Zur Ehrenrettung des neuen Aygo muss aber gesagt werden, dass er mit 3,45 Meter (plus vier Zentimeter) klar kürzer ist als ein VW Up (3,54 Meter) oder der Hyundai i10 (3,66 Meter). Das erklärt auch, warum sich große Personen auf der Rückbank eher bestraft vorkommen.

Angenehmes Ambiente
Also ab nach vorne, wo uns ein aufgeräumtes Cockpit erwartet. Der Materialmix ist jetzt viel stimmiger und hochwertiger als im Vorgänger, wenngleich Hartplastik dominiert. Hinzu gesellt sich in Wagenfarbe lackiertes Blech in den Türen, wie man es auch vom VW Up kennt. Im Gegensatz dazu hat der Aygo aber einen Fensterheberschalter in der Beifahrertür. Apropos Türen: Obwohl die Breite beim kleinen Toyota gleich geblieben ist, gibt es noch genug Luft zwischen Ellbogen und Tür. Etwas mehr Platz würden wir uns zwischen dem Lenkrad und den Beinen wünschen. Zwar schwenkt es samt den Instrumenten nach oben, aber nicht weit genug. Bonuspunkte sammelt der Aygo für die gut konturierten Vordersitze mit integrierten Kopfstützen. Sie liefern vernünftigen Seitenhalt, wenngleich große Personen mangels viel Fußraum die Beine recht stark anwinkeln müssen.

Übersichtliche Auswahl
Eine überbordende Motorenvielfalt gibt es im Aygo nicht, im Gegenteil: Einzige Maschine ist der optimierte Einliter-Benziner, der es nun auf 69 PS bringt. Wer mehr will, muss zu Peugeot oder Citroën gehen. Die drei Zylinder vibrieren im Stand fröhlich vor sich hin, mit typischen Klang wieselt der Winzling durch die Stadt. Hier ist im Gegensatz zur Autobahn sein Revier. Dazu passt die recht präzise Schaltung. Auf Schnellstraßen wird die Getriebeabstufung zum Stimmungskiller, insbesondere mit dem aufpreispflichtigen Eco-Paket. Es beinhaltet unter anderem ein Start-Stopp-System und soll den Verbrauch auf 3,8 Liter senken. Erkauft wird das durch einen längeren vierten und fünften Gang.

Unlust durch Sparwillen
Machen wir es kurz: Sparen Sie sich die 950 Euro Aufpreis. Die Öko-Gänge sind ein Stimmungskiller, der Aygo wird damit zu Tode übersetzt. Anders ausgedrückt: Ab etwa 120 km/h wird jeder Überholvorgang zum Glücksspiel. Erschwerend kommt hinzu, dass man zwischen den Stühlen hängt: Im vierten Gang knallt die Drehzahl nach oben, im fünften Gang wirkt der Wagen wie zugeschnürt. Und das, obwohl der Motor drehen muss: Erst bei 4.300 Touren stehen die maximalen 95 Newtonmeter bereit. Exakt das gleiche Drehmoment liefern auch der VW Up mit 75 PS (schon bei 3.000 Touren) und der Hyundai i10 mit 67 PS (bei 3.500 Umdrehungen). Immerhin: Bei den erwähnten 120 km/h ist der Aygo akustisch noch akzeptabel. Überraschend gut ist das Fahrwerk, obwohl der Radstand nur 2,34 Meter beträgt. Abgesehen von kurzen Wellen ist das Abrollverhalten vorbildlich.

Die unteren Zehntausend
Nun werden sicher nur die wenigsten Aygo-Kunden auf dieses Auto schielen, um damit Fernreisen zu unternehmen. In der immer stärker umkämpften Klasse der Cityflitzer (Toyota spricht von 20 Konkurrenten) entscheidet primär der Preis. Er startet im Fall des Aygo bei 9.950 Euro. Dann ist das Allernötigste an Bord, etwa sechs Airbags, ein ESP und eine Servolenkung. Unser Tipp ist die höchste reguläre Ausstattung namens x-play touch. Warum regulär? Die Antwort: Es gibt noch drei so genannte Editionsmodelle mit jeweils besonderen Extras. Wer Ledersitze oder ein großes Faltdach möchte, muss zu diesen greifen. Einfache Preispolitik sieht anders aus.

Günstig, aber kein Schnäppchen
Doch zurück zum Toyota Aygo x-play touch: Er kostet als Dreitürer exakt 12.000 Euro. Inklusive sind ein Audiosystem mit Sieben-Zoll-Touchscreen, auf dem Handyinhalte gespiegelt werden können. Für die Navigation per Smartphone gut, Funktionen wie Facebook, Twitter oder Youtube (das nur im Stand) müssen wohl sein, um junge Menschen vom Autofahren abzulenken. Was ist noch dabei? Eine Rückfahrkamera (trotz der geringen Länge sieht man durchs Heckfenster nicht viel), 15-Zöller, eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne und ein lederbezogenes Multifunktionslenkrad. Von wegen nackte Armut! Trotzdem kreuzen wir noch hintere Türen für 350 Euro an sowie Klimaautomatik, Lichtsensor und Startknopf im Paket für 700 Euro. Macht unter dem Strich 13.050 Euro. Klingt viel, liegt aber auf dem Niveau eines vergleichbar ausgestatteten Hyundai i10. Wer sich seinen VW Up mit 75 PS derart aufmöbeln möchte, darf mal eben knapp 1.500 Euro mehr zum Händler tragen.

Wertung

Preisliste

Toyota Aygo x-play touch

Grundpreis: 12.000 Euro

Modell Preis in Euro Aygo x 9.950 Aygo x-play 11.525 Aygo x-wave 13.900

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaanlage Serie Klimaautomatik 700 (im Paket) Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe 600 (automatisiertes Schaltgetriebe) Bildschirmnavigation ca. 450 Euro CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach Serie (Faltdach, nur x-wave) Metalliclackierung 455 Leichtmetallfelgen Serie (15 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat Serie (Geschwindigkeitsbegrenzer) Nebelscheinwerfer Serie

hintere Türen 350 Parkpiepser hinten 290

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner  Zylinder 3  Ventile 4  Hubraum in ccm 998  Leistung in PS 69  Leistung in kW 51  bei U/min 4.300  Drehmoment in Nm 95  Antrieb Frontantrieb  Gänge 5  Getriebe Schaltgetriebe  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.430  Spurweite hinten in mm 1.420  Radaufhängung vorn McPherson-Achse  Radaufhängung hinten Torsionslenker-Hinterachse  Bremsen vorn Scheiben  Bremsen hinten Trommeln  Räder, Reifen vorn 165/60 R15  Räder, Reifen hinten 165/60 R15  Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servopumpe  Maße und Gewichte Länge in mm 3.455  Breite in mm 1.615  Höhe in mm 1.460  Radstand in mm 2.340  Leergewicht in kg 985  Zuladung in kg 255  Kofferraumvolumen in Liter 168  Tankinhalt in Liter 35  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 160  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 14,2  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,1  CO2-Emission in g/km 95 

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