Löwe fährt die Krallen aus
Allrad-Kombi im Test: Seat Leon ST 4Drive geht an den Start
Zwei Diesel, ein Getriebe
Nicht jeder mag jedoch das unrasierte Auftreten der plastikbeplankten Outdoor-Burschen, mancher möchte auch nur einfach einen Kombi mit einem 4x4-Antrieb. Laut Seat werden die meisten Leon-Allrad-Fahrer Männer in den besten Jahren sein, verheiratet und ohne Kinder. Zu den Diesel-Freunden müssen die Herren aber zwangsläufig gehören, denn der 4Drive-ST kann nur mit einem 105 PS starken 1,6-Liter-TDI oder einem Zweiliter-TDI mit 150 PS bestellt werden. Beide sind mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe verknüpft, das Doppelkupplungsgetriebe DSG wird nicht angeboten.
Kein Platzverlust im Kofferraum
Außer dem dezenten Schriftzug ,4Drive" an der Heckklappe sieht man dem Kombi den Zweiachsen-Antrieb nicht an. Die Haldex-Kupplung sitzt an der Hinterachse und frisst so dem Kofferraum keinen Platz weg. Nach wie vor schluckt das Stauabteil 587 Liter. Wer mehr Gepäck und weniger Leute mitnehmen will, klappt einfach die Sitzlehnen um und vergrößert so den Lagerraum auf 1.470 Liter. Falls dennoch Gäste im Fond mitfahren, kommt aus der zweiten Reihe kein schmerzhaftes Stöhnen: Selbst große Erwachsene haben auch dann noch genug Platz, wenn vorn ebenfalls ausgereifte Menschen sitzen.
Erfreulich wenig Knöpfe
Das Cockpit ist übersichtlich eingeräumt und versprüht gerade durch seinen sachlichen Look viel Charme. Es gibt erfreulich wenige Schalter und Knöpfe, die sich zudem intuitiv bedienen lassen. Zwei große Uhren hinter dem Lenkrad zeigen Drehzahl und Geschwindigkeit, dazwischen sitzt ein gut ablesbares Display. Die Sitze haben zwar etwas kurze Oberschenkelauflagen, punkten aber mit gutem Seitenhalt. Beide Frontsitze lassen sich in der Ausstattungslinie Style serienmäßig in der Höhe verstellen.
Kleiner Motor zäh
Von den beiden Motorisierungen empfehlen wir in jedem Fall den größeren Zweiliter-Diesel mit 150 PS. Der kleinere Motor mit 105 PS beschleunigt aber das Auto nur zäh und freudlos. Zwölf Sekunden braucht der 1.600er auf Tempo 100 und wird 187 km/h schnell. Dafür soll der Wagen auch nur 4,5 Liter nippen. Sehr viel mehr nimmt sich – zumindest laut Seat – das stärkere Aggregat auch nicht. Es soll 4,8 Liter pro 100 Kilometer schlucken. Beim ersten Test über Autobahnen, Landstraßen und durch Ortschaften im Madrider Umland standen allerdings 6,3 Liter am Bordcomputer unseres Testwagens.
8,7 Sekunden auf Tempo 100
Der große Selbstzünder arbeitet laufruhig, aber nicht superleise. Nach einer leichten Anfahrschwäche zieht der Motor, wie aus anderen Modellen des VW-Konzerns gewohnt, ziemlich muskulös vom Leder. Im mittleren Tourenbereich, der Sonnenseite eines Dieselaggregats, wirkt der Vierzylinder wie erwartet mit viel Druck auf den Antrieb. Entsprechend sind auch die Fahrleistungen: Nach 8,7 Sekunden erreicht der Allrad-Spanier die magische 100er-Marke, die Spitze liegt bei beachtlichen 211 km/h.
System verteilt blitzschnell und variabel
Für den Fahrer ist es gut zu wissen, dass das Vierrad-System an Bord ist, mehr muss er damit auch nicht tun. Die Elektronik verteilt die Kräfte vollautomatisch und blitzschnell. Je nachdem, wie es gebraucht wird: Beim Anfahren und Beschleunigen liegt das Drehmoment mehr auf der Hinterachse, beim Geradeauslaufen auf trockenem Asphalt sind die Vorderräder fürs Vorankommen zuständig. Geraten die Reifen auf einen rutschigen Untergrund und drohen, durchzudrehen: Dann werden jene Räder mit Kraft versorgt, die noch halbwegs Halt am Boden finden. Da kann es schon mal sein, dass auch ein einzelnes Rad die Karre aus dem Dreck zieht. Hinterm Steuer bekommt man von der ganzen schönen 4x4-Technologie nur die Wirkung mit: Nämlich dann, wenn das Auto auch auf einer schlammigen Wiese auch dort noch vorankommt, wo andere mit den Vorderhufen hilflos im Dreck scharren. Auf trockenem Asphalt bietet das System natürlich auch Vorteile: Kurven lassen sich schön schnell und mit hoher Spurtreue durcheilen. Schon allein dieses Spaßes wegen sollte man zum 4Drive-ST mit dem stärkeren Selbstzünder greifen.
Elektronische Differenzialsperren an beiden Achsen
Das Fahrwerk ist für schnelle Ausritte ebenso gut geeignet wie für Ausflüge über holprige Wegstrecken. Die Federung ist angenehm komfortabel ausgelegt, ohne zu weich zu wirken. Zur stabilen Kurvenlage tragen auch die elektronischen Differenzialsperren XDS bei, die an Vorder- und Hinterachse montiert sind. Durch gezieltes Anbremsen der kurveninneren Räder leiten sie die Kraft auf die äußeren Räder. Ein adaptives Fahrwerksystem und eine Progressivlenkung sind nur gemeinsam und nur für die Top-Ausstattungslinie ,FR" zum Preis von 760 Euro bestellbar. Wer gerne die Lenkkraft und das Ansprechverhalten des Gaspedals auf Tastendruck anpasst, muss ebenfalls zum teuren FR greifen, denn nur für den wird das Seat-Setup-Sytem ,Drive Select" angeboten.
Ab 24.290 Euro
Das Allradmodell ist als 1.6 TDI in den Linien Reference und Style zu haben, als 2.0 TDI in Style und FR. Die preiswerteste Ausführung kostet 24.290 Euro, man bekommt dafür den 1.6 TDI Reference. Das Interessante an diesem Angebot ist, dass in diesem Fall der 1,6er-Motor an ein Sechsgang-Getriebe gekoppelt ist, den gibt's ohne Allrad nur mit Fünfgang-Schaltung. Der 2.0 TDI 4Drive Style ist 27.690 Euro teuer, das sind genau 2.000 Euro mehr, als für den Fronttriebler aufgerufen werden. Ein vergleichbarer VW Golf Variant steht mit 29.725 Euro in der Liste.
Wertung
Preisliste
|
Seat Leon ST 4Drive 150 PS Style |
|
| Grundpreis: | 27.690 Euro |
| Ausstattungen | Preis in Euro |
| ABS | Serie |
| ESP | Serie |
| ASR | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Seitenairbags hinten | 360 |
| Kopfairbags hinten | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber hinten | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Klimaanlage | Serie |
| Klimaautomatik | 360 |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Automatikgetriebe | - |
| Bildschirmnavigation | 690 |
| CD-Radio | Serie |
| MP3 | Serie |
| elektr. Schiebedach | 970 |
| Metalliclackierung | 530 |
| Leichtmetallfelgen | Serie (16 Zoll) |
| Sitzhöheneinstellung | Serie (beide Vordersitze) |
| Tempomat | Serie |
| Lederausstattung | 1.490 |
| Xenonlicht | 1.190 (Voll-LED) |
| Kurvenlicht | 180 (bei NSW dabei) |
| Nebelscheinwerfer | 180 |
| Comfortpaket (u.a. Regensensor, Lichtsensor) | 170 |
| Berganfahrassistent und Differentialsperre XDS | Serie |
| Frontassist mit City-Notbremssystem | 290 |
| Soundsystem mit 10 Lautsprechern | 330 |
| Fahrassistenz-Paket I (Fernlicht-Assistent, Spurhalteassistent) | 300 |
| Fahrassistenz-Paket II (Abstandstempomat, & Umfeldbeobachtungssystem Frontassist | 560 |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Reihen-Turbodiesel |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 4 |
| Hubraum in ccm | 1.968 |
| Leistung in PS | 150 |
| Leistung in kW | 110 |
| bei U/min | 1.750-3.000 |
| Drehmoment in Nm | 340 |
| Antrieb | Allradantrieb |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Kraftverteilung | variabel |
| Fahrwerk | |
| Spurweite vorn in mm | 1.544 |
| Spurweite hinten in mm | 1.514 |
| Radaufhängung vorn | McPherson-Federbeine |
| Radaufhängung hinten | Mehrlenkerachse |
| Bremsen vorn | Scheiben, innenbelüftet |
| Bremsen hinten | Scheiben |
| Wendekreis in m | 10,3 |
| Räder, Reifen vorn | 205/55 R16 |
| Räder, Reifen hinten | 205/55 R16 |
| Lenkung | elektromechanische Servolenkung |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 4.535 |
| Breite in mm | 1.816 |
| Höhe in mm | 1.454 |
| Radstand in mm | 2.636 |
| Leergewicht in kg | 1.474 |
| Zuladung in kg | 486 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 587 |
| Kofferraumvolumen, variabel in Liter | 1.470 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 1.700 |
| Kraftstoffart | Diesel |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 211 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 8,7 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 4,8 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 5,8 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,2 |
| CO2-Emission in g/km | 124 |
Bildergalerie: Löwe fährt die Krallen aus
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