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Gokart-Spaß auch ohne Dach?
Erster Test: Mini Cooper S Cabrio

Stefan Wagner 
Von: Stefan Wagner
16. Feb. 2016 um 15:53 Uhr
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Kann ich Ihnen irgendetwas bahnbrechend Überraschendes zum neuen Mini Cabrio erzählen? Ich vermute, ich muss Sie enttäuschen. Sie kennen die dritte Mini-Generation, die es nun bereits seit gut zwei Jahren gibt und Sie kennen das alte Mini Cabrio. Fügen Sie beides zusammen und Sie wissen ziemlich genau, was Sie erwartet. Wobei, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Schließlich ist das neue Mini Cabrio, welches seinen Marktstart am 5. März 2016 begeht, ganz vehement in nur alle erdenklichen Richtungen gewachsen. Das beinhaltet nicht nur Größe (plus 98 Millimeter), Breite (plus 44 Millimeter) und Radstand (plus 28 Millimeter), sondern auch Dinge wie das allgemeine Qualitäts- und Bedienungsniveau oder den Elektrifizierungs- beziehungsweise den Kompliziertheitsgrad des Verdecks. All das führt zwangsläufig zu mehr Erwachsenheit und vor allem zu mehr Gewicht. Und das wirft die Frage auf, ob man noch so pur und vogelfrei durch die Ecken fegen kann, wie man das bei einem Mini erwartet. Höchste Zeit für einen ersten Selbstversuch.
Mehr Verdeck, mehr Kofferraum
Der beginnt mit der größten Sensation, die Minis neuer Frischluft-Knubbel zu bieten hat. Das Verdeck öffnet und schließt jetzt nämlich komplett elektrisch. In 18 Sekunden und bis zu Geschwindigkeiten von 30 km/h. Ein plötzlicher Regenschauer beim städtischen Shopping-Gecruise ringt Ihnen künftig also nicht viel mehr als ein müdes Lächeln ab. Und sollten Sie sich bei unentschlossenem Himmel nicht so recht trauen, das Dach komplett zu öffnen, gibt es auch eine ,Schiebedachfunktion", die den vorderen Stoffteil um gut 40 Zentimeter nach hinten bugsiert. Wie bisher legt sich das Verdeck nach dem Öffnen schick zusammengefaltet hinter den Rücksitzen ab. Wie bisher ist das gar nicht so optimal, weil die Sicht nach hinten durch den Rückspiegel so zu einem jämmerlich kleinen Schlitz verkommt. Positives gibt es von der Kofferraum-Front zu vermelden, weil selbiger nun um beachtenswerte 25 Prozent größer ausfällt als bisher. Das bedeutet 160 Liter offen und 215 Liter geschlossen. Und wenn alle Transport-Stricke reißen, lässt sich auch die Rückbank umlegen. Zudem klappt die Heckklappe nach unten und der untere Verdeckteil klappt nach oben, was die Zwergencabrio-Beladung doch spürbar erleichtert.
Cabrio-Abitur bestanden
Cabriofreunde mit einer Aversion gegen Zug (soll es geben) werden sich freuen, dass das neue Mini Cabrio die Luft auch bei höheren Geschwindigkeiten ganz hervorragend im Griff hat. Die Frisur sitzt jederzeit blendend (zumindest auf den vorderen Plätzen) und das sogar ohne Windschott. Spannt man das Mützchen wieder auf, herrscht auch wirklich Ruhe im Karton. Windgeräusche werden beim offenen Mini nämlich mehr als ordentlich gefiltert. Und wo wir gerade bei Cabrio-spezifischen Gründen zur Sorge sind: Machen Sie sich bitte keine. Zumindest nicht darüber, ob es rappelt oder sich verwindet wie eine zu lang gekochte Spaghetti. Der Mini wurde großzügig versteift und das merkt man auch. Kein Lenkrad, das in Ihren Händen zittert wie ein traumatisierter Aal und kein beängstigendes Karosserie-Eigenleben bei der Fahrt über Schlaglöcher, sprich: Cabrio-Abitur bestanden.
Kart-Feeling auch offen?
Die Frage ist jetzt nur: Macht der Dach-Entzug die nach wie vor wunderbare Fahrdynamik der dritten Mini-Generation zunichte? Nun könnte man behaupten: Wen juckts? Der offene Mini mit seinem Rosa-Zuckerguss-Einhorn-Image wird kaum in Hände geraten, die ihm die letzten Tropfen Blut, Schweiß und Tränen abverlangen. Wer sowas – halbwegs kurz verpackt – haben will, greift doch sowieso zum Mazda MX-5. Aber das wäre auch nicht ganz zu Ende gedacht, schließlich soll es tatsächlich fahrerisch versierte Cabrio-Menschen geben, die auch mal Kinder transportieren müssen (mehr als Kinder kann man trotz der gewaltigen Mini-Dehnung noch immer nicht guten Gewissens in den Fond stecken). Oder welche, die den Mini einfach mögen, weil er ein Mini ist.
Kaum Unterschiede
All denen sei gesagt: Auch das neue Mini Cabrio lenkt sich ziemlich fein, ist schön direkt und lässt seinen Hintern erfreulich mitschwingen. Die dynamischen Einbußen gegenüber der geschlossenen Variante sind minimal. Zum Test stand der 192 PS starke Cooper S bereit und während man beispielsweise beim Dreitürer schon mit dem 136-PS-Dreizylinder herrlich agil unterwegs ist, sollte man sich beim immerhin 1.350 Kilo schweren Cabrio (fast zehn Prozent mehr) schon gut überlegen, ob man nicht doch zum spürbar voluminöseren Zweiliter-Vierzylinder greift. Der macht einen gediegen schnellen und durchaus willigen Eindruck. Außerdem rotzt und röchelt er unter freiem Himmel (im Sportmodus) gleich nochmal so schön. Und selbst wenn er gegenüber dem normalen Cooper S ein paar Beschleunigungszehntel einbüßt (0-100 km/h in 7,2 statt 6,8 Sekunden; 230 km/h Höchstgeschwindigkeit), fühlt man sich doch jederzeit mehr als ausreichend motorisiert. Und zwar unabhängig davon, ob man die knackfrische Sechsgang-Handschaltung oder die durchaus passable Sechsgang-Automatik auswählt.
Kaum Konkurrenz
Wenn Sie keinen immerhin 27.950 Euro teuren Cooper S brauchen, bietet Mini übrigens noch vier weitere Aggregate an. Los geht's ab 21.900 Euro mit dem 102 PS starken Mini One Cabrio. Darüber rangieren das Cooper Cabrio mit 136 PS (ab 23.950 Euro) und das Cooper D Cabrio mit 116 PS (ab 25.900 Euro). Wenn Sie auf Drehmoment stehen, empfiehlt sich womöglich das Cooper SD Cabrio mit 360 Newtonmeter und 170 PS. Es kommt ausschließlich mit Automatik und verlangt nach mindestens 31.600 Euro. In Kürze folgt das 231 PS starke John Cooper Works Cabrio für 33.500 Euro. Die Modell-Entscheidung dürfte letztlich auch das Schwierigste sein, denn viel Konkurrenz gibt es nicht. Fiat 500C und Citroën DS3 Cabrio wirken nicht so geschliffen und sind vor allen Dingen nicht so offen. Bleibt nur noch die Wahl des richtigen Verdecks, denn Mini webt Ihnen neuerdings auch einen fetten Union Jack aufs Dach. Und falls Ihre Insel-Affinität sich in Grenzen hält – keine Bange, es ist nur eine Option.
Wertung
-
★★★★★★★★★☆
Trotz Größen- und Gewichtszunahme machte das Mini Cooper S Cabrio im Test vor allem eines: Spaß. Handling und Beschleunigung fallen im Vergleich zur geschlossenen Version leicht ab, aber auch dieser Mini weiß, wie Fahrdynamik funktioniert. Steifigkeit, Verarbeitung und Qualitätseindruck sind über jeden Zweifel erhaben und deutlich besser als zuvor, von den gewachsenen Ausmaßen merkt man innen allerdings wenig. Außerdem muss man sich das Oben-Ohne-Designerstück schon leisten können. In dieser Klasse gibt es dennoch weit und breit nichts Vergleichbares.
+ Handling; Qualitätsniveau; Steifigkeit
- innen kaum gewachsen; langsam etwas schwer; hoher Preis
-
Antrieb
85%
-
Fahrwerk
90%
-
Karosserie
85%
-
Kosten
80%
Preisliste
Mini Cooper S Cabrio
Grundpreis: 27.950 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe ab 1.700 Bildschirmnavigation 2.060 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach Serie Metalliclackierung 500 Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Lederausstattung ab 1.440
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Reihenmotor, Turbo Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.998 Leistung in PS 192 Leistung in kW 141 bei U/min 1.250-4.600 Drehmoment in Nm 280 (300 im Overboost) Antrieb Vorderradantrieb Gänge 6 Getriebe Schaltgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.485 Spurweite hinten in mm 1.485 Radaufhängung vorn McPherson-Federbeinachse Radaufhängung hinten Multilenker-Achse Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 10,8 Räder, Reifen vorn 195/55 R16 Räder, Reifen hinten 195/55 R16 Lenkung elektromechanische Servolenkung Maße und Gewichte Länge in mm 3.850 Breite in mm 1.727 Höhe in mm 1.415 Radstand in mm 2.495 Leergewicht in kg 1.350 Zuladung in kg 385 Kofferraumvolumen in Liter 160 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 215 Tankinhalt in Liter 44 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 230 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,2 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,1 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,9 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,1 CO2-Emission in g/km 142 Schadstoffklasse Euro 6
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