Kia Soul 1.6 Turbo im Test

,Soll das ein Auto sein?" Das war die Reaktion meiner Mutter, als ich ihr ein Bild meines neuen Testwagens per WhatsApp schickte. Und ja: Die erste Begegnung mit dem Kia Soul Turbo war gewöhnungsbedürftig. Aber je mehr Zeit wir miteinander verbrachten, desto mehr wuchs der kastige Koreaner mir ans Herz. Warum? Das klärt dieser Test.

Van? SUV? Crossover?
Bevor wir auf die technischen Details des Soul eingehen, schauen wir uns die Mischung aus Mini-Van und Kompakt-SUV doch einmal genauer an. Und wie diese beiden Zutaten schon vermuten lassen: Eine Schönheit ist der Soul nicht. Die grobschlächtige Front geht in einen Van-artigen Aufbau über und endet in einem Rucksack-mäßigen Heck. Zwar können sich die einzelnen Partien als solche durchaus sehen lassen, in Kombination wirken sie trotzdem recht seltsam. Pluspunkte sammelt der Soul mit den schicken LED-Tagfahrlichtern und -Rückleuchten. Außerdem ist der Kia im auffälligen Farbton ,Wild Orange Metallic" ein echter Farbtupfer im tristen Straßenbild.

Guter Innenraum
Deutlich besser als beim Exterieur schneidet der Soul beim Innenraum ab. Das Cockpit ist – dank der unorthodoxen Fahrzeugform – recht großzügig dimensioniert und bietet sowohl in der ersten als auch in der zweiten Sitzreihe ausreichend Platz. Selbst das Panorama-Dach raubt dem Fond nicht allzu viel Kopffreiheit. Der Einstieg ist durch das SUV-hafte Fahrwerk angenehm hoch. Das recht kleine Multifunktionslenkrad liegt gut in der Hand und alle Knöpfe sind mit wenigen Fingerbewegungen zu erreichen. Das Audiosystem, der Bordcomputer und der Tempomat lassen sich per Knopfdruck bedienen – kinderleicht und intuitiv. Das Display hinter dem Lenkrad ist gut ablesbar und zeigt die wichtigsten Informationen an. Lenkrad- und Sitzheizung erweisen sich nicht nur bei winterlichen Temperaturen als echter Pluspunkt.

Witzige Lautsprecher und bizarres Navi
Das Infotainment-System des Soul punktet mit einem 8,0-Zoll-Display, bietet DAB-Empfang und lässt sich über Apple CarPlay und Android Auto mit dem Smartphone koppeln. Unser Soul-Testwagen ist darüber hinaus mit dem optionalen Lautsprechersystem von JBL ausgerüstet. Neben einem wirklich guten Klangbild gibt es im Takt der Musik leuchtende Lautsprecher-Umrandungen. Ein witziges Detail, das schnell langweilig und irgendwann einfach nur noch nervig ist. Der Touchscreen des Navigationsgerätes lässt sich gut ablesen, die Bedienung und die Rückmeldung auf Eingaben hängen allerdings deutlich hinter den Produkten der Konkurrenz hinterher. Auch die Routenführung des Soul lässt den Fahrer gerne mal mit einem fragenden Gesicht zurück. So führte uns der Koreaner eines Tages lieber über einen Fahrradweg durch ein Wohngebiet als über die gut ausgebaute Schnellstraße, die es umrundete.

204 PS? Das fühlt sich anders an
Der Kia Soul 1.6 Turbo ist das Topmodell der Baureihe. 204 PS stemmt der kleine Motor auf die Vorderachse. Das Triebwerk ist gefühlt zwar eher der Gattung der Luftpumpen zuzuordnen, ermöglicht laut Werksangabe aber immerhin einen 0-100-Sprint in 7,8 Sekunden. Das ist satte 3,2 Sekunden schneller, als es der 1,6-Liter-Saugmotor im Soul schafft. Und wenn einem der Turbo-Soul schon langsam vorkommt, wer will dann noch ein schwächeres Modell fahren? Gekoppelt ist der Motor, der 265 Newtonmeter aus seinen Brennräumchen drückt, an ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 196 km/h. Wie auch der Motor ist das Getriebe kein Wunderwerk der Technik. Es wechselt die Gänge – zwar ab und an etwas langsam, aber es wechselt.

Eher etwas für die Stadt
Was Fahrwerk und Lenkung angeht, ist der Soul – auch in der vermeintlich sportlichen Topmotorisierung – kein quietschfideler Hot-Hatch. Zu leichtgängig ist die Lenkung, zu weich das Fahrwerk. In schnell gefahrenen Kurven wankt der Soul recht stark um die Längsachse, das raubt eine Menge Fahrspaß. Wer den Soul allerdings nur als extravaganten City-Flitzer nutzt, wird an dem Koreaner seine Freude haben. Denn in der Stadt fühlt sich das Auto deutlich wohler als auf Landstraße oder Autobahn. Auch, wenn der Soul sich im Stadtverkehr gerne mal mehr als neun Liter auf 100 Kilometer gönnt.

Kann man den Kia Soul mögen?
Alles in allem kann man mit dem Soul Turbo schon seinen Spaß haben. In der Stadt hat man dank der hohen Sitzposition einen guten Überblick, der Kofferraum bietet mit 354 Liter genug Platz für die Wocheneinkäufe oder den Urlaub und außerdem sieht man den Kia nicht an jeder Ecke. Irgendwie ist er ja auch ein bisschen knuffig. Ein Audi, VW oder Peugeot ist zwar deutlich hochwertiger, solider oder durchgestylter, der Kia ist dafür pfiffiger und man freut sich immer, ihn im Parkhaus oder vor der Wohnung wiederzusehen. Trotzdem: Eine fahrtechnische Offenbarung ist er nicht. Es fehlt einfach die Seele.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Kia Soul ist – auch als 204-PS-Benziner – kein sportliches Auto. Aber: Alles in allem kann man sich schon mit dem Koreaner anfreunden. Pluspunkte gibt es für den Fahrkomfort und die Bedienung, Minuspunkte für die fahrdynamische Komponente.

    + viel Platz im Innenraum, ordentliches Fahrwerk, gutes Infotainment, viel Ausstattung

    - kein Dynamikwunder, fragwürdige Optik

  • Antrieb
    80%
  • Fahrwerk
    80%
  • Karosserie
    85%
  • Kosten
    80%

Preisliste


Kia Soul 1.6 Turbo

Grundpreis: 28.390 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach Serie
Metalliclackierung 550
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Ottomotor mit Turboaufladung 
Zylinder
Ventile 16 
Hubraum in ccm 1.591 
Leistung in PS 204 
Leistung in kW 150 
bei U/min 1.500-4.500 
Drehmoment in Nm 265 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.568 
Spurweite hinten in mm 1.580 
Radaufhängung vorn MacPherson-Federbeine 
Radaufhängung hinten Verbundlenker-Hinterachse mit Schraubenfedern 
Bremsen vorn Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 10,6 
Räder, Reifen vorn 235/45 R18 
Räder, Reifen hinten 235/45 R18 
Lenkung Elektronisch unterstützte Lenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.140 
Breite in mm 1.800 
Höhe in mm 1.618 
Radstand in mm 2.570 
Leergewicht in kg 1.364 
Kofferraumvolumen in Liter 354 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.367 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 196 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,7 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,8 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 9,24 
CO2-Emission in g/km 156 
Schadstoffklasse Euro 6 


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