Audi Q9 (2026): Das XXL-SUV für das neue US-Werk im ersten Fahrbericht
Das mächtige Flaggschiff und sein Ableger SQ9 sollen in ein paar Jahren in Georgia vom Band laufen
Der Wahlkampfauftritt von Audi-Chef Döllner mit US-Präsident Trump hat für Diskussionen gesorgt. Dort verkündete Döllner den Bau eines eigenen Autowerks im Bundesstaat Georgia. Bis zu 4.500 Mitarbeiter sollen dort in ein paar Jahren die Modelle Q7, Q8 und Q9 montieren. Jetzt konnte unser US-Kollege den mächtigen Q9 testen. Hier ist sein Bericht:
Nahezu jeder Luxusautohersteller bietet in den USA seit Jahren ein mächtiges Full-Size-SUV an. Und die meisten dieser Modelle sind ausgesprochen erfolgreich. Alle, außer Audi: Die Marke steigt nun mit dem neuen Q9 und dem sportlicher abgestimmten SQ9 in dieses Segment ein.
Bildergalerie: Audi Q9 (2026)
Die Ingolstädter haben sich Zeit gelassen, ihre Hausaufgaben gemacht und offenbar nicht nur analysiert, was funktioniert, sondern auch, wo sich die Konkurrenz übertreffen lässt. Gleichzeitig führt Audi eine neue Generation des Quattro-Allradantriebs sowie interessante Licht- und Technikfunktionen ein.
Das neue Flaggschiff Q9 kommt im kommenden Monat als Sechs- oder Siebensitzer zu den US-Händlern. Noch wird es im slowakischen Bratislava gebaut, ist also mit Strafzöllen verbunden. Wir sind beide Varianten in den Bergen Colorados gefahren und waren weitgehend beeindruckt.
Groß, aber meist gut kaschiert
2027 Audi Q9
Zwar sind Q9 und SQ9 komplett neu, basieren aber auf dem ebenfalls neuen Audi Q7, der gut 25 Zentimeter kürzer ist. Von ihm übernehmen seine großen Brüder auch weite Teile des Designs. Erst im seitlichen Profil fällt der Größenzuwachs im hinteren Bereich auf.
Die geteilten LED-Tagfahrlichter und Scheinwerfer stechen sofort ins Auge, ebenso die großzügig voneinander getrennten Rückleuchten mit gebogener OLED-Technik. Beide SUVs wirken angesichts ihrer Größe stimmig proportioniert, besonders der SQ9 mit seiner seidenmatt-metallischen D-Säulen-Blende, die sich optional auch in glänzendem Schwarz ausführen lässt. Dieses Detail gibt es nur beim S-Modell und erinnert (im positiven Sinne) an den Hofmeister-Knick von BMW.
Es handelt sich zwar um Full-Size-SUVs mit einem Radstand von 3,14 Meter, einer Länge von 5,31 Meter und einer Breite von 2,21 Meter (mit Außenspiegeln). Das sind nur rund 15 Zentimeter schmaler als ein Chevrolet Suburban. In natura wirken beide Modelle für US-Sehgewohnheiten jedoch kleiner, als man vermuten würde.
Beide Modelle tragen riesige Kühlergrills, die nicht jedem Geschmack entsprechen dürften. Der Q9 besitzt einen massiven Grill mit vertikalen Streben, der an Rolls-Royce erinnert, während der SQ9 ein eigenständigeres, haifischzahnartiges Muster über seine große Frontöffnung spannt. Beide nehmen viel Fläche ein, doch die großen Scheinwerfer und die unteren Lufteinlässe sorgen optisch für Ausgleich.
Q9 und SQ9 lassen sich mit Rädern bis 23 Zoll ausstatten, die sehr große Bremsanlagen optisch etwas kaschieren: Der SQ9 nutzt vorn 419-mm-Scheiben mit Sechskolben-Bremssätteln und hinten 381-mm-Scheiben mit Einkolben-Sätteln. Beim Q9 sind es vorn 399 mm und hinten 351 mm, jeweils mit Einkolben-Sätteln.
Audi SQ9 (2026)
Die Materialqualität im Innenraum ist insgesamt solide: hochwertige Kunststoffe, hier und da metallische Elemente und reichlich Leder. Dazu kommt Audis neueste Software, die auf einem 14,5-Zoll-Multimediadisplay läuft. Die Bedienung ist grundsätzlich einfach, allerdings reagiert das System mitunter träge, und einige Detailanpassungen (etwa bei den Fahrerassistenzsystemen) erfordern etwas Suche in den Menüs.
Serienmäßig verfügen Q9 und SQ9 außerdem über automatisch öffnende und schließende Türen, wie man sie sonst eher aus deutlich teureren Fahrzeugen kennt. Für diese Preisklasse ist das ein nettes Detail, allerdings fühlt sich der Widerstand etwas sperrig an, wenn man die Tür ganz klassisch von Hand öffnen oder schließen möchte.
2027 Audi SQ9
Die Außenabmessungen von Q9 und SQ9 führen letztlich zu einem komfortablen und gut zugeschnittenen Innenraum. Es gibt keinen verschwendeten Platz, aber reichlich Raum für Menschen unterschiedlicher Statur. Feineinstellungen wie die ausziehbare Oberschenkelauflage verstecken sich etwas tief im Menü, alles andere lässt sich jedoch unkompliziert bedienen.
Die Einzelsitze in der zweiten Reihe sind ebenso bequem wie geräumig, in Reihe drei wird es dagegen enger. Immerhin lässt sich die zweite Reihe leicht nach vorn bewegen, was den Ein- und Ausstieg erleichtert. Audi betont zudem, dass der Kofferraum hinter der dritten Sitzreihe 546 Liter fasst und damit klassenführend sei – mehr als bei Mercedes GLS und BMW X7. Was Q9 und SQ9 bei der Beinfreiheit einbüßen, gewinnen sie an Alltagstauglichkeit beim Gepäck.
Überraschend viel Dynamik
Auch wenn sich Antriebsstränge und Kraftübertragung von Q9 und SQ9 deutlich unterscheiden, sind beide Modelle sehr leistungsfähig.
Der Q9 nutzt in den USA den 2,9-Liter-V6 mit einem Turbolader, der 320 kW (435 PS) und 572 Nm liefert. Audi-Kenner dürften den Motor aus dem RS 5 des Vorjahres wiedererkennen, hier allerdings leicht zurückgenommen. Kombiniert wird er mit einem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe und der neuesten Ausbaustufe des Quattro-Allradantriebs samt überarbeitetem selbstsperrendem Torsen-Mittendifferenzial. (Anmerkung der deutschen Redaktion: Bei uns stehen zwei 3.0 TDI für den Q9 zur Wahl.)
Am Steuer vermittelt dieses neue Mittendifferenzial dem SUV Vertrauen und neutralen Grip. Erst wenn man es auf kurvigen Straßen wirklich ausreizt, zeigen sich Grenzen. Allerdings bewegt man hier auch rund 2,4 Tonnen auf Reifen, die nicht primär auf Performance ausgelegt sind, insofern überrascht das kaum.
Auch wenn sich Antriebsstränge und Kraftübertragung von Q9 und SQ9 deutlich unterscheiden, sind beide Modelle sehr leistungsfähig.
Diese Kombination hilft dem Q9 außerdem, in 4,9 Sekunden auf 97 km/h (60 mph) zu beschleunigen, für ein großes SUV ein respektabler Wert. Während andere Kollegen auf der Autobahn von Turboloch sprachen, konnten wir kein Problem feststellen, das sich nicht mit einem kurzen Zug an der linken Schaltwippe beheben ließ.
Bildergalerie: Audi SQ9 (2026)
Der SQ9 zeigte sich dagegen nochmals deutlich souveräner. Sein Quattro-System ist völlig anders aufgebaut: Es handelt sich um einen kupplungsgesteuerten Allradantrieb mit elektronisch geregelter Differenzialsperre an der Hinterachse. Das bedeutet, dass der Großteil der Kraft nach hinten geleitet werden kann. Und das Hinterachsdifferenzial wirkte zu unserer Überraschung recht aggressiv abgestimmt, besonders in engeren Kehren.
Das sorgt für ein dynamischeres Fahrerlebnis, ermöglicht Mischbereifung zur weiteren Verbesserung der Fahrdynamik – bei einem mechanischen Quattro-System bislang praktisch undenkbar – und eröffnet die Möglichkeit zu großen Drifts.
Das passt zum Herzstück des SQ9: Audis bewährtem 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 441 kW (600 PS) und 800 Nm. Dahinter arbeitet ebenfalls das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, hier mit kürzerer Übersetzung. Trotz rund 113 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem Q9 sprintet der SQ9 in nur 4,0 Sekunden auf 97 km/h.
Der Start ist entsprechend eindrucksvoll: Sowohl Q9 als auch SQ9 beschleunigen stärker als vergleichbare Modelle von BMW, Mercedes-Benz, Lexus und Land Rover.
Auf den kurvigen Straßen im Südwesten Utahs zeigen beide Modelle für ihre Größe eine sehr gute Karosseriekontrolle und präzise Lenkreaktionen. Die serienmäßige adaptive Luftfederung bietet zugleich einen hohen Abrollkomfort. Sie nivelliert automatisch und verändert je nach Fahrmodus die Bodenfreiheit, um entweder das Handling zu verbessern oder Fahrbahnunebenheiten besser zu filtern.
Beim Lenkgefühl selbst gibt es wenig Spektakuläres zu berichten, doch die Zahnstange arbeitet dank progressiver Übersetzung bei niedrigen Geschwindigkeiten mühelos und vermittelt auf der Autobahn ausreichend sattes Vertrauen. Der SQ9 besitzt insgesamt eine straffere Fahrwerksabstimmung. Er ist ähnlich komfortabel wie das Standardmodell, lässt aber etwas mehr Fahrbahnoberfläche durch das Chassis dringen. Dafür macht sein geschärftes Handling auf kurvigen Strecken spürbar mehr Spaß.
Das Fahrwerk reagiert lobenswert unmittelbar auf Lenkbefehle. Neben dem Umstand, dass das Auto kleiner wirkt, als es ist, erinnern auch seine Fahreigenschaften eher an einen deutlich kompakteren, sportlichen Crossover.
Clevere Lichttechnik und neue Assistenzfunktionen
Um den Flaggschiff-Anspruch der Plattform zu unterstreichen, hat Audi im Q9 und SQ9 einige interessante Lichtfunktionen eingeführt.
Die umlaufenden OLED-Rückleuchten schärfen nicht nur die Optik, sondern können je nach Situation ihr Design verändern. Bei eingeschaltetem Warnblinker werden sie beispielsweise zu kleinen Dreiecken. Außerdem warnen sie Personen, die dem Fahrzeug zu nahe kommen, indem sie flächiger rot aufleuchten. Ein cleveres Konzept, auch wenn fraglich ist, wie viele Passanten es tatsächlich bemerken.
Bei schlechten Lichtverhältnissen projizieren die Blinker nun Pfeile auf den Boden. Das ist eine innovative Möglichkeit, die Präsenz dieser großen SUVs für Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer sichtbarer zu machen.
Da Kunden in den USA inzwischen die adaptiven Digital-Matrix-LED-Scheinwerfer vollständig nutzen können, konnten wir diese Technik bei eingeschaltetem Fernlicht auf einer stockdunklen Canyonstraße ausprobieren. Und zwar ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden oder von Verkehrsschildern geblendetes Licht zurück in die Augen reflektiert zu bekommen. Ein Sensor erkennt entsprechende Objekte und steuert, welche Bereiche die 25.600 Mikro-LEDs ausleuchten: Vorausfahrender Verkehr wird ausgeblendet, die Umgebung bleibt erhellt, und Gleiches gilt für Verkehrsschilder.
Zusätzlich zu einer umfangreichen Serienausstattung an modernen Fahrerassistenzsystemen bringt der SQ9 teilautomatisiertes Fahren auf Level 2+ mit. Bei Geschwindigkeiten unter 137 km/h und auf baulich getrennten Schnellstraßen übernimmt der SQ bei passenden Bedingungen Lenkung, Beschleunigung und Bremsen selbst.
Das System lässt sich leicht aktivieren und deaktivieren. Allerdings registrierten wir einige Situationen, in denen es nicht zufrieden wirkte, etwa beim Fahren neben einer einmündenden Auffahrt. Es setzt auch nicht selbst den Blinker, überholt langsameren Verkehr und ordnet sich anschließend wieder in die mittlere oder rechte Spur ein, wie es etwa GM Super Cruise kann. Der Fahrer muss Überholen und Zurückwechseln per Lenkstockhebel selbst einleiten.
Fazit: Ein starker erster Auftritt
Da sich 80 Prozent des US-Luxusautomarkts für SUVs entscheiden, plant Audi, 65 Prozent des Q9/SQ9-Volumens genau dort abzusetzen. Der Grund liegt auf der Hand: Amerika liebt große, geräumige und vielseitige Fahrzeuge, besonders, wenn sie umfangreich ausgestattet sind. (Und damit ist auch klar, warum man dort ein eigenes Werk baut ...)
Der Audi Q9 und SQ9 des Modelljahres 2027 erfüllen diese Anforderungen sehr deutlich. Auch preislich liegt der Q9 in der niedrigeren Premium-Ausstattung mit einem Einstiegspreis von 87.700 US-Dollar in Reichweite des BMW X7 xDrive40i und deutlich unter dem Mercedes GLS 450 4Matic.
Der SQ9 startet dagegen ein paar Tausend Dollar oberhalb von BMW X7 M60i und Mercedes GLS 580, allerdings nur knapp und mit deutlich mehr Leistung als beide. Zwischen Q9 und SQ9 gibt es, sofern einem das Exterieur zusagt, wenig Grund zur Kritik.
In Deutschland startet der Q9 mit Sechszylinder-Diesel bei 108.400 Euro. Interessant also, wie günstig Audi sein größtes Modell trotz der Strafzölle für die USA kalkulieren kann.
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