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BMW 02 (1966-1977): Der Vorläufer der 3er-Reihe wird 60 Jahre alt

Vom 1602 bis zum legendären 2002 turbo: Der "Null-Zwo" prägt das sportliche Selbstverständnis der Marke nachhaltig

BMW 02 (1966-1977)
Bild von: BMW

Es gibt Automobile, die den Erfolg eines Herstellers sichern. Und es gibt Automobile, die eine Marke dauerhaft prägen. Die BMW 02-Reihe gehört ohne Zweifel zur zweiten Kategorie. Kaum eine Baureihe steht so sehr für den Aufstieg von BMW zum Hersteller sportlicher Mittelklassewagen wie die zwischen 1966 und 1977 produzierte Modellfamilie.

Der kompakte Zweitürer verbindet Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und technische Solidität in einer Form, die bis heute nachwirkt. Viele Eigenschaften, die später den Ruf der BMW 3er-Reihe begründen, entstehen bereits mit dem 02.

Bildergalerie: BMW 02 (1966-1977)

Apropos "Null-Zwo": Das inoffizielle Namens-Anhängsel "-2" soll den 1600 lediglich als den neuen Zweitürer von BMW kennzeichnen und ihn von der größeren viertürigen Limousine unterscheiden helfen. Erst zwei Jahre später kommt mit dem 2002 der erste "echte" 02 heraus.

Als der 4,22 Meter lange BMW 1600-2 im März 1966 erscheint, trifft er den Nerv der Zeit. Technisch basiert er auf der sogenannten Neuen Klasse, wirkt aber deutlich kompakter und sportlicher. Die von Wilhelm Hofmeister und seinem Team gestaltete Karosserie verzichtet auf überflüssige Verzierungen und überzeugt durch klare Linien.

Die niedrige Gürtellinie, die große Fensterfläche und die rahmenlosen Seitenscheiben verleihen dem Wagen eine Leichtigkeit, die viele Wettbewerber vermissen lassen. Die Form erinnert fast an ein Coupé, bietet jedoch die Praktikabilität einer Limousine. Der 1600-2 ist indirekt Nachfolger des kleineren 700, mit vier Türen wird es ihn nie geben. So soll der Abstand zum größeren 1800 gewahrt bleiben. 

BMW 02 (1966-1977)

Sportlich unterwegs: Fußballlegende Gerd Müller und ein BMW 2002 für die Gattin

Bild von: BMW

Der Erfolg stellt sich schnell ein, obwohl der Null-Zwo kein Schnäppchen ist. Insgesamt produziert BMW bis Juli 1977 exakt 827.535 Limousinen der 02-Reihe. Damit entwickelt sich die Baureihe zum wichtigsten Modell des Unternehmens in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren. Als Konkurrenz wird damals oft die Alfa Romeo Giulia herangezogen, vergleichbare Wagen bieten aus deutschen Landen höchstens Ford und Opel an und auch das nur ansatzweise. Ein VW Golf GTI erscheint erst 1976, da ist die 3er-Reihe bereits auf dem Markt.

85 PS für sportliche Ambitionen

Den Anfang macht der BMW 1600, der ab 1971 als 1602 firmiert. Sein 1,6-Liter-Vierzylinder leistet 85 PS und beschleunigt den nur rund eine Tonne schweren Wagen auf bis zu 160 km/h. Für einen Preis von 8.650 D-Mark bietet BMW damit ein Fahrzeug an, das sportliche Fahreigenschaften mit vernünftigen Betriebskosten verbindet. Mehr als 250.000 Exemplare entstehen bis zum Produktionsende im Oktober 1975. Damit ist der 1602 das zweitmeistverkaufte Modell der gesamten Baureihe.

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Das Cockpit der 02-Reihe

Bild von: BMW

Doch schon früh zeigt BMW, welches Potenzial in dem kompakten Konzept steckt. Im Modelljahr 1968 erscheint der 1600 TI. Durch zwei Doppelvergaser und eine höhere Verdichtung steigt die Leistung auf 105 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wächst auf rund 175 km/h. Obwohl der Wagen nur knapp 9.000 Mal gebaut wird, entwickelt er sich zu einem der begehrtesten Modelle der Reihe. Seine Kombination aus geringem Gewicht und lebhaftem Motor macht ihn heute zu einem gesuchten Sammlerfahrzeug.

2002: Der Kult-02

Den eigentlichen Durchbruch erzielt BMW jedoch mit dem 2002. Als das Modell Anfang 1968 auf den Markt kommt, trifft es exakt die Erwartungen vieler Autofahrer. Der Zweiliter-Vierzylinder leistet 100 PS und sorgt für Fahrleistungen, die damals selbst deutlich teureren Fahrzeugen Respekt abverlangen. Der BMW 2002 verbindet Kompaktheit, Qualität und Dynamik in einer Weise, die seinerzeit nahezu konkurrenzlos ist. Über 330.000 Käufer entscheiden sich für das Modell. Damit wird der 2002 zum erfolgreichsten Vertreter der Baureihe und begründet den bis heute anhaltenden Kultstatus der 02er.

Auch komfortorientierte Kunden kommen auf ihre Kosten. Bereits ab Juni 1969 bietet BMW ein Automatikgetriebe an. Rund 36.000 Käufer wählen diese Option, die den Charakter des Fahrzeugs spürbar verändert, ohne seine Alltagstauglichkeit einzuschränken.

BMW 02 (1966-1977)

BMW 2002 tii

Bild von: BMW

Parallel dazu baut BMW das sportliche Angebot kontinuierlich aus. Der 2002 TI erscheint bereits wenige Monate nach dem Basismodell. Dank zweier Doppelvergaser steigt die Leistung auf 120 PS. Fahrwerksverstärkungen, eine breitere Spur und größere Bremsen sorgen dafür, dass die zusätzlichen Reserven sicher auf die Straße gelangen. Serienmäßig gehören Drehzahlmesser und Lederlenkrad zur Ausstattung. Mit optionalem Fünfganggetriebe beschleunigt der Wagen in nur 9,1 Sekunden auf 100 km/h und erreicht bis zu 185 km/h.

Darf es ein "i" mehr sein?

1971 folgt der nächste Entwicklungsschritt. Der BMW 2002 tii übernimmt die mechanische Kugelfischer-Einspritzung des größeren BMW 2000 tii. Die Leistung steigt auf 130 PS. Da die zweitürige Karosserie rund 160 Kilogramm leichter ist als die Limousine der Neuen Klasse, entstehen beeindruckende Fahrleistungen. Der 2002 tii erreicht 190 km/h und gilt vielen Enthusiasten als die ausgewogenste Version der gesamten Baureihe. Fast 40.000 Käufer akzeptieren den deutlichen Aufpreis gegenüber dem normalen 2002.

Von ganz anderem Kaliber ist der Elektro-1602: Bei den Olympischen Spielen 1972 in München geht BMW mit zwei elektrisch angetriebenen Versuchsfahrzeugen an den Start. Die umgebauten BMW 1602 dienen als Transportmittel für das Organisationskomitee und werden bei verschiedenen Langstreckenwettbewerben als Begleit- und Kamerawagen eingesetzt. Doch es liegt auf der Hand, dass 350 Kilogramm schwere Bleibatterien und eine Reichweite von rund 60 Kilometer für ein Serienfahrzeug kaum attraktiv sind.

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BMW 1602 Elektro

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Turbo zur Unzeit 

An der Spitze des 02-Programms steht schließlich der legendäre BMW 2002 turbo. Seine Premiere feiert er auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 1973 in Frankfurt. Der Wagen schreibt Automobilgeschichte, denn erstmals kommt in einem europäischen Serienfahrzeug ein Abgasturbolader zum Einsatz. Aus zwei Litern Hubraum schöpft der Vierzylinder nun 170 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 211 km/h.

Damit ist der 2002 turbo nicht nur das stärkste Modell der Baureihe, sondern auch einer der schnellsten deutschen Serienwagen seiner Zeit. Allerdings fällt sein Marktstart mitten in die Ölkrise. Hohe Kraftstoffpreise und Tempolimit-Debatten erschweren den Verkauf des nicht gerade preiswerten Fahrzeugs erheblich. Höchst umstritten ist die eigentlich geplante Turbo-Spiegelschrift auf dem vorderen Stoßfänger. Heute gehört der seltene Turbo zu den begehrtesten BMW-Klassikern überhaupt.

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BMW 2002 turbo

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Ungefähr zeitgleich bekommt die 02-Reihe eine größere Modellpflege: Ab August 1973 gibt es einen schwarzen Kühlergrill aus Kunststoff, eine flachere Niere, gelochte Stahlscheibenräder ohne Radkappen und (mit Ausnahme des touring) größere, eckige Heckleuchten.

Zwischen dem 1602 und dem 2002 positioniert BMW ab 1971 den 1802. Sein 1,8-Liter-Motor leistet 90 PS und verbindet Wirtschaftlichkeit mit ordentlichen Fahrleistungen. Mehr als 83.000 Exemplare entstehen bis 1975. Der 1802 findet vor allem bei Käufern Anklang, die einen Mittelweg zwischen Preis, Verbrauch und Leistung suchen.

Als 1975 die erste 3er-Reihe der Baureihe E21 erscheint, scheint das Ende des 02 besiegelt. Doch BMW hält für preisbewusste Kunden noch ein letztes Angebot bereit. Der BMW 1502 übernimmt die Rolle des günstigen Einstiegsmodells. Sein 1,6-Liter-Motor leistet 75 PS und ermöglicht 155 km/h Höchstgeschwindigkeit. Mit einem Preis von 11.390 D-Mark bleibt er bis Juli 1977 im Programm und markiert das tatsächliche Ende der Baureihe. Und er ist äußerst beliebt: In nur zwei Jahren rollen rund 72.000 Exemplare vom Band. 

BMW 02 (1966-1977)

Rennfahrer Hans-Joachim Stuck auf der Motorhaube des BMW 1502

Bilder von: BMW
BMW 02 (1966-1977)

BMW 02 Cabriolet

Bilder von: BMW

Neben der klassischen Limousine entstehen weitere Karosserievarianten. Besonders exklusiv ist das bei Baur in Stuttgart gefertigte Cabriolet. Die Fahrzeuge entstehen weitgehend in Handarbeit und erlauben individuelle Kundenwünsche. Zwischen 1967 und 1975 werden lediglich 4.199 Exemplare gebaut. Entsprechend selten sind die offenen 02 heute.

Noch visionärer wirkt der Touring. Bereits Mitte der 1960er-Jahre beschäftigt sich BMW mit dem Konzept einer "Kombi-Limousine". 1971 wird die Idee nach Entwürfen von Paul Bracq Realität. Der Touring kombiniert die Fahrdynamik der Limousine mit einer großen Heckklappe und verbessertem Raumangebot. Heute würde man das Konzept als sportlichen Kompakt-Hatchback bezeichnen.

BMW 02 (1966-1977)

BMW 02 Touring

Bild von: BMW

Angeboten werden verschiedene Motorvarianten vom 1600 Touring über den 1802 Touring bis hin zum 2002 und 2002 tii Touring. Besonders erfolgreich ist der BMW 2002 Touring mit mehr als 15.900 produzierten Exemplaren. Der sportlichste Vertreter bleibt der 2002 tii Touring mit Kugelfischer-Einspritzung und optionalem Rallye-Paket inklusive Recaro-Sportsitzen und Leichtmetallfelgen. Dennoch bleibt der kommerzielle Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Insgesamt ist der Markt für dieses damals ungewohnte Karosseriekonzept noch nicht bereit.

Rückblickend zeigt sich jedoch, wie modern die BMW 02-Reihe tatsächlich ist. Die Kombination aus kompakten Abmessungen, leistungsstarken Vierzylindermotoren, geringem Gewicht und fahrerorientierter Auslegung prägt nicht nur die spätere 3er-Reihe, sondern das Selbstverständnis von BMW insgesamt. Der 02 ist weit mehr als ein erfolgreicher Mittelklassewagen. Er legt den Grundstein für die sportliche Identität der Marke und zählt heute zu den wichtigsten deutschen Automobilklassikern der Nachkriegszeit.