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Ferrari Luce (2026): Das ist der erste reine Elektro-Ferrari

Über fünf Meter lang, bis zu 310 km/h schnell. Und eine eigenwillige Optik

Ferrari Luce (2026)
Bild von: Ferrari

Die Hölle friert zu, das noch nie Dagewesene ist eingetreten: Ferrari präsentiert mit dem Luce sein erstes reines Elektroauto. Jetzt gibt es alle Eckdaten und die finale Optik. Sie ist (je nach Standpunkt) ungewöhnlich, extravagant oder gewöhnungsbedürftig.

Um die vollständige Kontrolle über die Produktqualität zu sichern, werden alle Kernkomponenten – einschließlich der Elektromotoren und des Batteriepacks – in Maranello gefertigt. Das Design entstand in einer interdisziplinären Kooperation zwischen dem hauseigenen Ferrari Design Studio unter Flavio Manzoni und dem externen Kreativkollektiv "LoveFrom" um Sir Jony Ive und Marc Newson.

Bildergalerie: Ferrari Luce (2026)

Aber urteilen wir nicht über die Geschmacksfrage der Optik, sondern blicken wir auf die harten Fakten. Das Packaging des Elektroantriebs ermöglichte beim Luce (italienisch für "Licht") eine grundlegend neue Fahrzeugarchitektur. Die Länge des Viertürers beträgt 5.026 mm, die Breite 1.999 mm (ohne Spiegel) die Gesamthöhe von 1.544 mm. Der Radstand beträgt 2.961 mm, während die Spurweite an der Vorderachse bei 1.696 mm und an der Hinterachse bei 1.690 mm liegt.

Das Gesamtleergewicht konnte trotz der schweren Antriebskomponenten auf 2.260 kg begrenzt werden. Die Achslastverteilung ist mit 47% auf der Vorderachse und 53% auf der Hinterachse leicht hecklastig ausgelegt, was die dynamischen Fahreigenschaften unterstützt. Durch den Entfall des klassischen Mitteltunnels und die kompakte Integration der Bauteile bietet der Innenraum laut Ferrari "ein großzügiges Platzangebot", das durch ein Gepäckraumvolumen von 597 Litern ergänzt wird.

Ferrari Luce

Ferrari Luce

Bild von: Ferrari

Das aerodynamische Entwicklungsprogramm, das über fünf Jahre rund 6.000 CFD-Simulationen und 330 Stunden Windkanaltests umfasste, zielte primär auf die Minimierung des Luftwiderstands ab. Dazu tragen eine glatte, kontinuierlich konvexe Außenhaut, ein vollkommen ebener Unterboden, aktive Kühlergrillklappen (Active Aerodynamic Grilles) und eine geschwindigkeitsabhängige Niveauregulierung der aktiven Aufhängung bei, die die Front im Fahrbetrieb um 10 mm absenkt.

Die Räder weisen die größten gestaffelten Durchmesser auf, die je bei einem Serien-Ferrari eingesetzt wurden: an der Vorderachse messen sie 23 Zoll, hinten 24 Zoll, wobei das Jet-Turbinen-Design den Luftwiderstand im Radhaus um etwa 5 Prozent reduziert. Das Thermomanagement stützt sich auf drei getrennte Kühlkreisläufe für Niedertemperatur (800-Volt-Batterie), Mitteltemperatur (Inverter, Achsen, Fahrwerk und Innenraum-Abwärme) sowie Kühlmittel (Kondensator), gesteuert durch eine energieoptimierende Software.

Ferrari Luce

Ferrari Luce

Bild von: Ferrari

Der vollelektrische Allradantrieb besteht aus vier vom F80 abgeleiteten permanentmagneterregten Synchronmotoren mit Radialfluss-Technologie, wobei die vorderen Aggregate eine maximale Drehzahl von 30.000 U/min (Spitzenleistung bis zu 210 kW, regulär 105 kW) erreichen und über ein Entkopplungssystem für reinen Heckbetrieb verfügen, während die hinteren Motoren bis zu 25.500 U/min drehen und jeweils 310 kW leisten.

Am Lenkrad befinden sich nebeneinander das fünfstufige Manettino und das dreistufige e-Manettino. Die zweite Einheit definiert Leistung, Drehmomentverlauf, Traktionsart und maximale Performance, während die Rekuperation in allen "Drive"-Fahrstufen konstant bleibt. Im Modus "Range" ist die Leistung auf 320 kW begrenzt, der Antrieb erfolgt vorwiegend über die Hinterräder, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 260 km/h.

Im Modus "Tour" steigt die verfügbare Leistung auf 460 kW, der Allradantrieb ist permanent aktiv und die Höchstgeschwindigkeit bleibt bei 260 km/h: Dieser Modus bietet ein gleichmäßiges Fahrverhalten unabhängig vom verbleibenden Energielevel. Im Modus "Performance" erreicht die maximale Leistung mit permanentem Allradantrieb 725 kW (987 PS) und der Luce erreicht ein Spitzentempo von 310 km/h.

Das 800-Volt-System nutzt extrem kompakte Inverter und einen DC/DC-Wandler mit über 98% Wirkungsgrad, gespeist von einer in Maranello gebauten 122-kWh-Batterie mit 210 in Serie geschalteten Zellen, die eine WLTP-Reichweite von über 530 km ermöglicht und DC-Schnellladen mit bis zu 350 kW unterstützt.

Das Batteriegehäuse ist als volltragendes Element in das Chassis aus Aluguss und Strangpressprofilen integriert. Der Luce beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, absolviert den Sprint von 0 auf 200 km/h in 6.8 Sekunden. Maximal sind 772 kW respektive 1.050 PS möglich.

Ferrari Luce

Ferrari Luce

Bild von: Ferrari

Die Fahrdynamik wird von der zentralen Vehicle Control Unit (VCU) gesteuert, die Parameter 200-mal pro Sekunde mit der Side Slip Control X (SSC X) abgleicht und die drei Aktuatoren pro Rad (Traktion/Regeneration, Lenkwinkel via unabhängiger Hinterachslenkung und vertikale Dämpfung über Kugelumlaufspindeln) regelt.

Ein mechanisch isolierter, elastisch gelagerter hinterer Hilfsrahmen minimiert mechanische Schwingungen im Fahrgastraum. Ein proprietäres, patentiertes System erlaubt dem Fahrer zudem, über die rechte Lenkradschaltwippe eine künstlich gestaffelte Drehmomenterhöhung abzurufen, um das Gefühl einer progressiven Beschleunigung analog zu einem Verbrennungsmotor zu simulieren, während die linke Wippe die Rekuperation stufenweise regelt.

Anstelle künstlicher Klänge erfasst ein zentraler Beschleunigungssensor an der Achse die realen Vibrationen der rotierenden Bauteile, um dieses Signal nach dem Prinzip einer E-Gitarre zu filtern, zu equalizen und geschwindigkeits- sowie manettinabhängig über Außen- und Innenlautsprecher als funktionales akustisches Feedback wiederzugeben.

Ferrari Luce

Ferrari Luce

Bild von: Ferrari

Das HMI-Konzept trennt strikt zwischen Steuerung (Input) und Information (Output) und setzt auf ein aus einem Aluminium-Monoblock gefrästes Lenkrad mit ergonomischen Analogmodulen sowie ein mitschwenkendes Kombiinstrument (Binnacle).

Für die Anzeigen kommen vier von Samsung entwickelte, hintergrundbeleuchtungsfreie OLED-Panels zum Einsatz: Ein 12,9-Zoll-Hauptdisplay (Binnacle) mit zwei übereinander gelagerten Schichten und geschliffenen Linsen für einen dreidimensionalen Parallaxe-Effekt, ein schwenkbares 12-Zoll-Zentralpanel mit Handballenauflage und physischen Direktwahltasten für die Klimatisierung sowie ein geteiltes Panel im Fond mit 10,1 Zoll und 6,3 Zoll Diagonale zur Echtzeit-Datenübermittlung an die Passagiere.

Der aus Gorilla Glass gefertigte Fahrzeugschlüssel verfügt über ein weltweit erstes automotives "E-Ink"-Display, das beim Andocken in der Mittelkonsole das System startet und den Gangwahlschalter freigibt.

Das Interieur ist mit italienischem Leder und Alcantara verkleidet, verfügt über elektrisch schließende Fondtüren und einzeln verstellbare Sitze mit optionaler Massagefunktion. Den akustischen Abschluss bildet ein 3.000 Watt starkes High-End-Audiosystem mit 24 Kanälen, Class-D-Verstärker und 21 spezifischen Lautsprechern. Zum Preis des Luce macht Ferrari noch keine Angaben. Im Gespräch ist aber die Summe von 550.000 Euro.