Porsche 964 neu gedacht: Pogea Racing enthüllt den PR964
Der PR964 ist eine Neuinterpretation des luftgekühlten Porsche 911 – mit viel Carbon und bis zu 500 PS
Manche Klassiker gehören ins Museum, andere sind die perfekte Basis für eine automobile Revolution. Genau diesen Weg hat der schwäbische Veredeler Pogea Racing mit seiner Sparte Pogea.classics eingeschlagen. Das Ergebnis hört auf den Namen PR964 und ist keine klassische Restauration, sondern eine Neuinterpretation – ein sogenannter Restomod.
Heißt im Klartext: Die Tuning-Spezialisten nutzten einen über Jahrzehnte bewegten Porsche 911 vom Typ 964 nicht als Sanierungsfall, sondern als weiße Leinwand für eine technologische Weiterentwicklung. Das Ziel: Den luftgekühlten Klassiker nicht in der Vergangenheit zu konservieren, sondern ihn mit den technischen Mitteln der Gegenwart völlig neu zu erschaffen.
Bildergalerie: Pogea Racing PR964 auf Basis Porsche 911
Die nackte Substanz als Fundament des PR964
Der Entstehungsprozess des PR964 gleicht einer automobilen Neugeburt, beginnend mit einem 911er der dritten Generation, der bis auf die nackte Karosseriestruktur zerlegt wurde. Sämtliche mechanische Komponenten, das Interieur und alle Anbauteile sind rausgeflogen. Nach chemischer Entlackung und KTL-Beschichtung wurde die Rohkarosserie nicht als restauriertes Objekt betrachtet, sondern als Fundament für ein neues Engineering-Projekt.
Struktur, Geometrie und Substanz wurden akribisch analysiert. Gleichzeitig erfasste Pogea das Fahrzeug mittels modernster 3D-Scantechnologie. Diese Scandaten bildeten die digitale Basis für alle weiteren Schritte. Konstruktion, Design und Entwicklung greifen so ineinander, dass die neuen Bauteile nicht mühsam adaptiert, sondern vollständig neu definiert wurden.
Variables Motorenkonzept mit drei Leistungsstufen
Das Herzstück des PR964 ist sein variabler Antriebsstrang. Statt einer starren Lösung basiert das Konzept auf drei klar definierten Motorvarianten, die auf dem luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor aufbauen. Als Einstieg dient ein klassisch abgestimmter 3,6-Liter-Saugmotor, bei dem die lineare Leistungsentfaltung und eine direkte Gasannahme im Vordergrund stehen.
Die zweite Stufe schlägt die Brücke zur Moderne: Ein 3,6-Liter-Monoturbo-Antrieb liefert rund 400 PS und verbindet gesteigerte Leistungsdichte mit voller Alltagstauglichkeit. Für maximale Performance sorgt allerdings erst die dritte Variante – ein konsequent leistungsorientierter 4,0-Liter-Biturbo-Antrieb mit rund 500 PS und massiven Drehmomentreserven.
Das aktuelle Pressefahrzeug basiert auf einem Carrera 4 Coupé und nutzt eine spezifische Auskopplung des Monoturbo-Konzepts. Ausgestattet mit einem Garrett-Turbolader, einem eigenen Ladeluftkühler und einer thermoisolierten Edelstahl-Abgasanlage leistet dieses Aggregat rund 505 PS und ein maximales Drehmoment von 612 Newtonmetern. Die Kraftübertragung erfolgt über das originale, aber komplett revidierte und verstärkte Allradgetriebe.
Leichtbau-Karosserie und modifiziertes Fahrwerk
Die mechanischen Komponenten für Fahrdynamik und Verzögerung werden unabhängig von der gewählten Motorisierung verbaut. Die Radaufhängung basiert auf einem verstellbaren Clubsport-Gewindefahrwerk, das in Zusammenarbeit mit KW auf Prüfständen sowie im Fahrbetrieb abgestimmt wurde. Modifizierte Stabilisatoren von H&R ergänzen die neu aufgebauten Achskomponenten.
Die Bremsanlage verwendet schwimmend gelagerte Carbon-Keramik-Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 400 Millimetern an der Vorderachse und 370 Millimetern an der Hinterachse, kombiniert mit Vierkolben-Bremssätteln aus einer Aluminium-Titan-Konstruktion.
Alle Anbauteile des PR964 sind aus Kohlefaser gefertigt
Die Karosserie des PR964 wurde im Vergleich zum Serienmodell um etwa 8,8 Zentimeter verbreitert. Das Design greift Elemente der historischen Porsche-Turbo-Baureihen sowie des Porsche 959 auf. Nahezu alle sichtbaren Außenbauteile, darunter Frontschürze, Seitenschweller, Heckschürze und der fünfteilige Heckspoiler mit verstellbarem Gurney-Flap, bestehen aus Kohlefaser.
In die hinteren Seitenwände sind manuell gefertigte Lufteinlässe zur Kühlung integriert. Zudem ist der Unterboden vollständig verkleidet und mit Aluminiumblechen sowie NACA-Öffnungen für eine gezielte Luftführung ausgestattet. Für die Lackierung im matten Farbton Stealth Grey wird ein mehrschichtiger Lackaufbau in Zusammenarbeit mit Glasurit verwendet.
Individuelle Innenraumgestaltung nach Kundenwunsch
Der Innenraum wurde ebenfalls grundlegend neu aufgebaut und weicht von der historischen Serienkonfiguration ab. Pogea kombiniert Leder, Alcantara und Carbonoberflächen zu einem eigenständigen Layout. Im präsentierten Demofahrzeug sind Recaro-Sportsitze auf Koenig-Sitzkonsolen sowie ein 320-Millimeter-MOMO-Lenkrad verbaut. Die hintere Sitzbank entfällt zugunsten eines maßgeschneiderten Subwoofer-Gehäuses und eines Zugangs zur Elektronik.
Jeder PR964 ist ein Unikat, das in enger Abstimmung mit dem Kunden entsteht und dessen persönliche Präferenzen widerspiegelt. Technische Konfiguration, Materialauswahl und Designmerkmale richten sich nach den individuellen Wünschen des jeweiligen Kunden. Wie viel Geld für einen PR964 auf den Tisch zu legen ist, wird allerdings nicht verraten.
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