Lotus wird V6- und V8-Motoren von Renault und Geely nutzen
Konkret bei der aktualisierten Emira und einem neuen Supersportwagen, der möglicherweise Esprit heißen wird
Neun Jahre sind vergangen, seit der chinesische Autokonzern Geely bei Lotus die Mehrheit übernommen hat. Allerdings bekam erst vor Kurzem eines der Modelle einen Verbrenner, der unter dem Dach des Sportwagenherstellers entwickelt wurde. Der etwas unglücklich benannte "For Me" ist im Kern ein Eletre-SUV mit Plug-in-Hybrid-Antrieb, der einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner nutzt, entwickelt innerhalb des Geely-Konzerns.
Wie zu erwarten, soll das erst der Anfang sein. Lotus-CEO Feng Qingfeng hat angekündigt, dass die aktualisierte Emira, die in wenigen Wochen kommt, ebenfalls einen Motor mit teilweise chinesischen Wurzeln erhalten wird. Konkret: einen komplett neuen turboaufgeladenen V6 von Horse Powertrain, einem 50:50-Joint-Venture von Geely und Renault.
Der intern W30 genannte Motor wiegt nur 160 Kilogramm, womit er laut Horse 10 Kilogramm leichter sein soll als jeder andere aktuell produzierte V6. Der Benziner, der vergangenen Monat auf der Auto China in Peking vorgestellt wurde, soll zudem der kleinste V6 am Markt sein. Er hat 3,0 Liter Hubraum und wurde für Mildhybrid-, Vollhybrid- und Plug-in-Hybrid-Anwendungen entwickelt.
Darüber hinaus kann der Sechszylinder auch als Generator dienen, um in Range-Extender-Elektrofahrzeugen die Batterie nachzuladen. Er ist sowohl für Längs- als auch für Quereinbau geeignet und liefert bis zu 394 kW sowie 700 Nm. Horse hat den V6 für die Zusammenarbeit mit einem vierstufigen Hybridgetriebe entwickelt, Codename 4LDHT. Das neue Getriebe setzt auf zwei E-Motoren und bringt als Paket 199 Kilogramm auf die Waage.
Laut dem Magazin Autocar dient der neue V6 außerdem als Basis für einen kommenden V8 von Horse. Der größere Motor soll das antreiben, was Lotus als seinen ersten Supersportwagen bezeichnet, geplant für 2028. Das Flaggschiffmodell, das Anfang der Woche angeteasert wurde, dürfte den Namen Esprit wiederbeleben, der zuletzt 2004 verwendet wurde – damals, als Lotus den Bau von V8-Modellen einstellte.
2028 Lotus Esprit Teaser
Der Turbomotor soll zudem das Herzstück eines Hybridantriebs für einen Supersportwagen bilden, der sich am 2024 Theory 1 orientieren soll – auch wenn das Konzept selbst rein elektrisch war. Für das Serienfahrzeug werden über 1.000 PS in Aussicht gestellt – aus einem V8 in Kombination mit mindestens einem E-Motor.
Entgegen Berichten über eine mögliche Schließung des Werks in Hethel soll die Emira dort weiterhin gebaut werden. Lotus erklärt, der neue V8-Supersportwagen werde „voraussichtlich in Europa gefertigt“ – naheliegend wäre eine Produktion im Vereinigten Königreich. Der Standort hat eine maximale Jahreskapazität von 10.000 Einheiten, aktuell entstehen dort jedoch rund fünfmal weniger Fahrzeuge.
Dass Geely die Verbindungen zu Mercedes-AMG und Toyota kappt, indem über das Joint Venture mit Renault Motoren zunehmend selbst entwickelt und baut, kommt nicht wirklich überraschend. Die kommende Emira soll ausschließlich auf den Horse-V6 setzen – und damit sowohl den aus Deutschland stammenden turboaufgeladenen 2,0-Liter-Vierzylinder als auch den aus Japan stammenden kompressoraufgeladenen 3,5-Liter-V6 ersetzen.
Bildergalerie: Erste Fahrt im Lotus Emira (2024)
Das verschafft Geely und Lotus mehr Kontrolle über die Entwicklung, weil sich der Motor gezielter auf bestimmte Einsätze abstimmen lässt. Gleichzeitig dürften die Kosten langfristig sinken – nicht zuletzt, weil das modulare V6-Konzept den Weg für einen größeren V8 ebnet. Die Chancen auf Skaleneffekte sind damit höher, als wenn zwei Aggregate von unterschiedlichen Zulieferern bezogen werden.
Da der V6 praktisch für jede Art von Hybridanwendung ausgelegt ist, dürfte er in einer ganzen Reihe von Modellen auftauchen – und nicht nur in Nischenprodukten wie der Emira.
Quelle: Autocar
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