Opel GSE 27FE (2027): Erste "brutale" Runden für Formel-E-Boliden
Die Rüsselsheimer feiern die Weltpremiere des vollelektrischen Rennwagens – Sophia Flörsch sammelt erste Testkilometer
Die Formel E startet Ende des Jahres in eine neue Ära. Die vierte Generation der vollelektrischen Rennserie wurde jetzt erstmals in Le Castellet, Frankreich, auf die Strecke losgelassen. Geschwindigkeiten von über 335 km/h, in ca. 1,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Nur 4,4 Sekunden vergehen von 0 auf 200 km/h. Damit ist der Gen4-Renner 1,5 Sekunden schneller als sein Vorgänger.
Das kann sich im Vorlauf zur 13. Saison der Rennserie nicht nur sehen lassen, das erzeugt auf der Strecke genau das kribbelnde Feeling, das wir vom Formel-Spitzensport erwarten. Auch Opel gefielen diese Zahlen dermaßen gut, dass sie Ende 2026 in ein weltweites Motorsport-Engagement zurückkehren. Im Rahmen der offiziellen Vorstellung des Formel E Gen4-Boliden zeigten auch die Rüsselsheimer erstmals das Auto, das in einem traditionellen Gelb-Schwarz auf diversen Kontinenten für Aufmerksamkeit sorgen soll: den Opel GSE 27FE.
Bildergalerie: Opel GSE 27FE (2026)
"Der Opel GSE 27FE ist ein strategischer Technologiebeschleuniger für unsere Arbeit in der Serie und speziell für unsere GSE-Performance-Modelle", sagte Opel-Motorsport-Teamchef Jörg Schrott vor der Weltpremiere des Prototypen. Die Formel E gibt zwar Chassis, Aerodynamik, Batterie, Vorderachse, Frontmotor und Reifen vor, Elektromotor, Inverter, Getriebe, Hinterradaufhängung und Software dürfen jedoch die Teams entwickeln.
Formel E Gen4 eher Revolution statt Evolution
Opel agiert dabei als eigenständiges Team – losgelöst vom Stellantis-Konzern. Entgegen dem Schein steigen sie auch nicht als Ersatz für DS in die vollelektrische Rennserie ein. Überlegungen zum Eintritt reiften schon lange, der Generationenwechsel markiere jetzt den perfekten Zeitpunkt. Ob die kommenden Erfahrungen in der Rennserie tatsächlich innerhalb der Konzernstruktur etabliert werden können, bleibt abzuwarten. Auch Citroën hält in der 13. Saison am Formel-E-Engagement fest. Mit Blick auf Reichweiten, Batterien und Ladeperformances wären technologische Einflüsse aus der Rennserie bitter nötig.
Die neuste Rennwagengeneration hat da so einiges an technischen Kniffen zu bieten. 50 Prozent mehr Leistung erzeugt die vierte Generation gegenüber der aktuellen Gen3 Evo. Im Qualifying-Modus sei der neue Bolide durchschnittlich zehn Sekunden schneller pro Runde als die dritte Generation. Die Maximalleistung beträgt bis zu 600 kW (71 Prozent mehr gegenüber Gen3 Evo). Zudem sind die neuen Renner mit permanentem Allradantrieb unterwegs. 600-kW-Ladeleistung und die Entwicklung hocheffizienter Motoren sollen laut FIA und Formel E "in die Elektromobilität der nächsten Generation" einfließen.
Opel-Testfahrerin Sophia Flörsch war nach den ersten Runden im Opel GSE 27FE "ein bisschen sprachlos". In ihren ersten fünf Runden mit der neuesten Generation durfte sie sowohl das 450-kW-Setting als auch das maximale 600-kW-Setting testen. Die Münchnerin hat bereits in etlichen Rennserien Erfahrung gesammelt. Die Beschleunigung eines elektrischen Formel-Autos beschreibt sie als "crazy". Für die Rennserie sei das genau der richtige Schritt und für Opel der "perfekte Moment", um einzusteigen.
"Nach ersten Tests im Simulator hier das erste Mal im Formel-E-Gen4-Rennwagen von Opel zu fahren, ist ein unbeschreiblicher Moment", so die 25-Jährige. Flörsch wurde vor ein paar Wochen für das neue Team als erste Fahrerin verpflichtet. Opel bestätigt damit nicht nur einen diversen Ansatz in der Teamaufstellung und eine Fortführung der Förderung junger Talente, sie wurde gerade auch wegen ihrer analytischen Fähigkeiten und ihres punktgenauen Feedbacks als Testfahrerin ausgewählt, so Teamchef Schrott bei der offiziellen Enthüllung des Opel-Boliden auf der Rennstrecke Paul Ricard.
Erfahrungen aus dem Rennsport für die Serie?
Doch nicht nur die technischen Daten zur 13. Saison der Formel E setzen neue Maßstäbe im Elektromotorsport. Der Rennwagen wird weltweit der erste sein, der zu 100 Prozent recycelbar ist und bei wichtigen Komponenten zu mindestens 20 Prozent aus Recyclingmaterialien besteht. Die Reifen werden zu 65 Prozent aus natürlichen und recycelten Materialien hergestellt, darunter 30 Prozent zertifizierter Naturkautschuk. Die Batterie enthält keine seltenen Erden. In Le Castellet sprachen die Offiziellen der Rennserie von einem CO2-Fußabdruck, der insgesamt so groß sei wie der eines einzigen Formel-1-Teams.
Opel verstärkt mit dem Einstieg in die Rennserie nicht nur die öffentliche Arbeit an der Flottenelektrifizierung, sondern forciert auch eine weitere Emotionalisierung des Performance-Kürzels GSE. "Die Formel E ist die am schnellsten wachsende Rennserie der Welt – und genau dort gehört Opel hin", fasst Opel-Marketingchefin Rebecca Reinermann zusammen. "Wir wollen diese kompromisslose Performance nicht nur den Motorsport-Profis vorbehalten. Auch die Opel-Kunden sollen in den Genuss dieses sportlichen, direkten 'OMG!-Fahrerlebnisses' kommen. Deshalb bauen wir mit dem Corsa GSE unsere GSE-Serienmodellpalette weiter aus."
Nach zwei Tagen stiller Beobachtung des frischen Opel-Motorsport-Formel-E-Teams kann ich bestätigen: Es herrscht nahezu ansteckende Aufbruchsstimmung in der Box. Opel will an erfolgreiche vergangene Motorsporttage anknüpfen und hat dafür offenbar eine passende Rennserie gefunden. Bis Ende des Jahres stehen mindestens 15 Testtage auf dem Plan, in denen nicht nur der GSE 27FE auf Herz und Nieren sowie Durchhaltevermögen durchgecheckt wird, sondern auch Flörsch sich neben der Simulatorarbeit weiter an den Boliden und die Eigenheiten der Rennserie gewöhnen kann.
Das Opel Motorsport-Team wachse jeden Tag, so Reinermann, ein Stammfahrerduo fehlt den Rüsselsheimern jedoch noch. Die allerersten Runden im GSE 27FE durfte allerdings nicht die PR-terminlich gebundene Flörsch drehen, sondern der französische Formel-2-Meister von 2023: Theo Pourchaire.
Der 22-Jährige absolvierte im März 2026 bereits einen Formel-E-Rookietest im Citroën und hofft auf ein Stamm-Cockpit in der Formel E. Ein früher Hinweis auf den ersten Opel-Fahrer? Die 13. Saison soll am 18. Dezember 2026 in Jeddah, Saudi-Arabien, starten. Teamchef Schrott will in der ersten Saison "auffallen". Mit der Lackierung des Opel GSE 27FE sollte das in jedem Fall gelingen. Das finale Design soll auf dem Pariser Automobilsalon im Oktober folgen.
Quelle: Opel, Formel E
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