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Toyota iQ (2009-2015): Kennen Sie den noch?

Der japanische Winzling war der bessere Smart, aber leider nicht günstig

Toyota iQ (2009)
Bild von: Toyota

Wo sind sie geblieben, die ganz kleinen Autos? Smart ist nicht mehr wiederzuerkennen, einen Nachfolger des VW Up gibt es nicht vor 2027 und der Toyota iQ ist seit zehn Jahren Geschichte. Schade. Aber für uns Grund genug, einmal zurückzublicken. Wir schreiben das Jahr 2009, eine Wirtschaftskrise befällt den Globus.

Eigentlich kein allzu schlechter Zeitpunkt für ein sehr kleines, vollwertiges Auto. Genauer gesagt: 2,98 Meter lang, 1,68 Meter breit und 1,50 Meter hoch. Radstand: Exakt zwei Meter. Ende Januar 2009 beginnt die Serienproduktion des Toyota iQ. Gut dreißig Zentimeter länger als ein Smart Fortwo, dafür aber mit hinteren Sitzen. Plus Frontmotor und Frontantrieb.  

Bildergalerie: Toyota iQ (2009-2015)

Die Erfolgs-Story des iQ beginnt im Jahr 2003, als ein Team von Toyota-Konstrukteuren unter der Leitung von Chefkonstrukteur Hiroki Nakajima die einzigartige Chance erhielt, eines der wichtigsten neuen Modelle zu entwickeln, die Toyota jemals vorgestellt hat.

"So wie der Prius neue Maßstäbe in Sachen innovativer Antriebstechnologie gesetzt hat, so soll der iQ unser Denken in Sachen Packaging von kompakten, umweltverträglichen Autos in grundsätzlich neue Bahnen lenken. Das Team setzte sich das Ziel, ein auf revolutionäre Weise hoch entwickeltes kompaktes Auto zubauen, das gleichzeitig dazu beiträgt, die Belastung der Innenstädte zu reduzieren.", hieß es.

Schließlich präsentierte man auf der IAA 2007 in Frankfurt die erste iQ-Konzeptstudie, 2008 steht das Serienmodell in Genf. Das japanische Werk in Takaoka nimmt im November 2008 die Fertigung des iQ auf. Noch im gleichen Monat kommt das neue Modell in Japan auf den Markt, während der Verkaufsstart in Europa Anfang 2009 erfolgt. Als wichtigste Märkte des iQ in Europa sieht Toyota Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Man plant eine Fertigung von etwa 100.000 Einheiten pro Jahr. 80 Prozent davon sind für den europäischen Markt vorgesehen. Der iQ baut auf einer völlig neu entwickelten Plattform auf.

Toyota iQ (2009-2015)

Toyota iQ (2009-2015)

Bild von: Toyota

Der kleinste Toyota ist äußerlich an 15-Zoll-Leichtmetallrädern, hoch positionierten Scheinwerfern, kurzen Überhängen und einem zur B-Säule geschwungenen zweiten Seitenfenster zu erkennen, das optisch mit der Heckscheibe eine Einheit bildet. Im Innenraum ermöglicht der Wegfall des Handschuhfachs eine weiter vorn platzierte Beifahrersitzposition, wodurch dahinter Platz für einen dritten Erwachsenen entsteht.

Hinter dem Fahrersitz kann zudem ein Kind untergebracht werden. Diese Sitzanordnung wird durch den Verzicht auf einen herkömmlichen Kofferraum begünstigt. Stattdessen befindet sich dort eine rund zehn Zentimeter schmale Wanne, die sich bei Bedarf mit dem Boden nach oben einsetzen lässt. Zusammen mit den umklappbaren Rücksitzen entsteht so eine ebene Ladefläche.

Toyota iQ (2009-2015)
Toyota iQ (2009-2015)
Toyota iQ (2009-2015)

Toyota iQ (2009-2015)

Bilder von: Toyota

Das Cockpit prägt eine silberfarbene, dreieckige Mittelkonsole mit Klimabedieneinheit, Heizungsreglern, Lüftungsdüsen sowie optionalem 5,8-Zoll-Touchscreen-Navigationssystem mit USB-Anschluss und Bluetooth-Schnittstelle. Das unten abgeflachte Lenkrad, mit schwarzem und violettem Leder bezogen, soll dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit bieten. Diese Farbtöne sowie Braunnuancen finden sich im gesamten Innenraum.

Eine Besonderheit der Sicherheitsausstattung ist der weltweit erste hinter den Rücksitzen montierte Airbag, der Fondpassagiere bei Heckkollisionen schützen soll. Da durch den fehlenden Kofferraum keine Knautschzone vorhanden ist, sind diese Insassen besonders gefährdet; der Airbag soll das Verletzungsrisiko deutlich senken. Beim Euro-NCAP-Crashtest im Februar 2009 erzielte der iQ die Höchstwertung von fünf Sternen.

Toyota iQ (2009-2015)

Toyota iQ (2009-2015)

Bild von: Toyota

Auch die Technik ist auf geringen Platzbedarf ausgelegt: Das Lenkgetriebe ist hoch im Motorraum platziert, die hinteren Stoßdämpfer stehen schräg, die Heizungsanlage ist kompakt konstruiert, und der schmale Kraftstofftank ist unterflurig montiert. Bereits die Basisversion verfügt serienmäßig über eine Klimaanlage. Die Motoren stammen aus dem Toyota Yaris: ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 50 kW (68 PS), ein neu entwickelter 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 72 kW (98 PS) sowie ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 66 kW (90 PS), der nur bis zum 29. Februar 2012 erhältlich war.

Alle Motoren sind mit Schaltgetriebe kombinierbar, für die Benziner ist zusätzlich eine stufenlose CVT-Automatik verfügbar. Ab Juli 2009 wurde der iQ in Verbindung mit dem 1,33-Liter-Motor auch mit einer Start-Stopp-Automatik angeboten.

Im Prinzip also gute Voraussetzungen. Allerdings hatte der iQ ein Problem: Er war nicht wirklich günstig. Der Einstiegspreis für den Toyota iQ mit Einliter-Benzinmotor und Basisausstattung betrug 11.900 Euro. Die Dieselvariante mit Vierzylindermotor war ab 14.900 Euro erhältlich. Eigentlich nicht viel, doch einen Aygo mit vier Türen gab es damals schon deutlich unter 10.000 Euro. Hinzu kam vermutlich noch das Audi-A2-Syndrom: Der iQ sah einfach zu ungewohnt aus.  

Rund 18.000 iQ wurden in sechs Jahren in Deutschland neu zugelassen. Im März 2014 kündigte Toyota das Aus des iQ in Europa an, da das Modell nicht den erwarteten Markterfolg erreichte. Im Jahr 2015 wurde die Produktion endgültig beendet.

Toyota iQ (2009-2015)

Toyota FT-EV

Bild von: Toyota

Interessant vor dem heutigen Vorwurf, Toyota täte zu wenig in Sachen Elektroautos: Auf der North American International Auto Show (NAIAS) 2009 in Detroit erfolgte die Präsentation der Elektrostudie FT-EV. Bereits 2012 beabsichtigte der japanische Automobilhersteller auf Grundlage aktueller Entwicklungen ein sogenanntes BEV (battery-electric-vehicle = Batterie-Elektro-Fahrzeug) speziell für Stadtbewohner und Berufspendler in urbanen Gegenden einzuführen.

Aus der Studie FT-EV entwickelte Toyota tatsächlich das Sondermodell iQ EV, das in Japan als Toyota eQ und in den USA als Scion iQ EV vermarktet wurde. Die Produktion begann im Dezember 2012 und war auf weniger als 1.000 Exemplare für Kommunen und Unternehmen beschränkt. Das Elektrofahrzeug war 3,12 Meter lang, die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 125 km/h begrenzt.

Der Akku verfügte über eine Kapazität von 11,6 kWh. Der Preis lag umgerechnet bei rund 36.300 Euro. Nach Herstellerangaben betrug der Energieverbrauch 10,4 kWh pro 100 Kilometer, womit der iQ EV als sparsamstes Elektroauto der Welt galt.

Bildergalerie: Aston Martin Cygnet (2011-2013)

Apropos kleine Stückzahlen: Von 2011 bis 2013 baute Aston Martin den Cygnet auf Basis des Toyota iQ. So wollte man den Flottenverbrauch senken. Doch der damals gut 40.000 Euro Nobel-Kleinstwagen floppte. Nur rund 600 Exemplare wurden gebaut.