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Die Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum ist großartig

Wir beamen uns mit wunderbaren Sternen der 1990er und 2000er zurück in unsere Jugend

Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)
Bild von: Mercedes-Benz

Meine Millennial-Augen (ich, Jahrgang 1982, passt also) leuchten. Das liegt zum einen daran, dass hier alles so quietschbunt ist, aber viel mehr natürlich an den zehn großartigen Exponaten, welche die Kuratoren des Mercedes-Benz Museums im Raum Collection 5 liebevoll zeitgeistig in Szene gesetzt haben. 

Der knallgelbe erste SLK, ein makelloser 190 E 2.5 16 V Evo 2, der legendäre 500 E (W 124) oder auch die im spacigen Messe-Farbton Iridiumsilber lackierte 2005er-IAA-Studie, die später zur R-Klasse wurde, stehen hier zwischen Game Boy, Playstation 1, den Buffalo-Plateauschuhen von Spice Girl Geri Halliwell und 90er-Laufsteg-Mode von Dior, Armani und Co.

Einen krassen Kontrast und eine Brücke ins Hier und Jetzt bildet der umfangreiche Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die großen Bilder hinter den Fahrzeugen wurden mit KI erstellt, zudem können sich die Besucher an mehreren interaktiven Stationen austoben -  etwa beim Arcade-Rennspiel im Stil der 1990er-Jahre, beim Erstellen eines kurzen Musikclips, einem "Face-Swap"-Tool, wo das eigene Gesicht in bestehende Bilder montiert wird, oder bei der Erstellung eines Traumbilds mit Youngtimer.

Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)
Bilder von: Mercedes-Benz

"Wir haben ja immer das Problem, dass es für die Besucher zu wenig Interaktion gibt, fahren dürfen sie ja nicht", schmunzelt Kurator Benedikt Weiler. "Da dachten wir, lass uns doch mal was mit kleinen Spielen und KI ausprobieren. Wir wollten im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Museums testen, wie gehen die Besucher mit KI um, wie wird das angenommen, funktioniert das überhaupt?"

Gerade für Kinder und Jugendliche ist das sicher eine willkommene Ergänzung, aber wir sind natürlich wegen der Autos hier. Das erste, was man sieht, wenn man die Rampe zum Ausstellungsraum hinunter geht, sind ein SLK 230 Kompressor in Yellowstone von 1997 sowie ein mineralgrünes CLK 320 Cabriolet von 1998, die das Thema "Easy Life" verkörpern. Der gezeigte CLK ist eines der allerersten Autos dieser Baureihe.

Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Mercedes SLK 230 Kompressor von 1997 in der Farbe Yellowstone 

Bilder von: Mercedes-Benz
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Chefreporter Wagner mit Kurator Benedikt Weiler am CLK Cabrio von 1998

Gegenüber geht es mit der inzwischen schon ikonischen ersten CLS-Generation und dem CL 600 um "luxuriös-elegante Sportlichkeit". Mit diesem CLS 350 CGI (ebenfalls in der Konzept-Farbe Iridiumsilber) zeigte man 2006 auf dem Genfer Autosalon den neuen Direkteinspritzer-Vierventiler-V6 mit 292 PS. 

Der CL 600 von 1999 ist wie das CLK Cabrio ein sogenannter Bandabläufer, also eines der ersten Fahrzeuge dieser Baureihe. Der 600er ist ein 5,8-Liter-V12 mit 367 PS. Das Auto hat keine 400 Kilometer auf der Uhr. Weitere Besonderheiten sind der von Blau nach Lila ins Schwarz changierende Effektlack Almandinschwarz sowie das Granitfurnier im Interieur. Es ist sehr dünn, fasst sich aber tatsächlich kalt an. Damaliger Kostenpunkt für Steine im Cockpit: gute 10.000 D-Mark. 

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Wagner und Kurator Weiler vor dem CLS 350 CGI und dem CL 600

Bilder von: Mercedes-Benz
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Interaktive KI-Flächen in der Youngtimer-Ausstellung

Wir ziehen weiter zur Insel "Space", wo eine R-Klasse und ein SL 500 für "visionäre Ansätze in Technik und Design" stehen sollen. Die R-Klasse Vision R 320 CDI wurde im Januar 2005 auf der New York Auto Show vorgestellt und dann auf der IAA im gleichen Jahr als Serienfahrzeug präsentiert. Das hier ist das Original-Messeauto, das bis auf die ungewöhnlichen Reifen schon sehr nah an der Serie war. Im weißen Interieur sieht man allerdings schon viele Details, die in dieser Materialqualität nicht in Serie gingen.  

Keinesfalls fehlen in einer Mercedes-Youngtimer-Ausstellung darf natürlich ein R129-SL. Dieser 500er im einnehmenden Designo Mysticblau Metallic ist eine Final Edition von 2000. Etwas irritierend und stark dem Zeitgeist geschuldet: die gebürstete Alu-Optik an Mittelkonsole und Instrumenten sowie die ungewöhnliche Polsterung. 

Bildergalerie: Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Richtig schnell, kräftig und optisch opulent wird es mit dem 190 Evo 2 (Baujahr 1990 und damit das älteste Auto der Ausstellung), dem 500 E von 1994 sowie dem SLR McLaren Roadster, der mit seinem Baujahr 2007 noch nicht so wirklich in die Youngtimer-Riege passt, aber zu spektakulär wirkt, um ihn nicht zu zeigen. 

Der wilde Evo ist Nummer 222 von 502 gebauten Exemplaren im typischen Blauschwarz Metallic. Der 500 E in Saphirschwarz Metallic ist eine Limited Edition und zählt damit zu den letzten 500 Fahrzeugen, die vom spektakulären und inzwischen kaum noch bezahlbaren Porsche-Benz produziert wurden. Interessant im Innenraum: die farbig gemusterten Leder-Mittelsitzbahnen. 

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McLaren SLR, 500 E und 190 E Evo 2

Bilder von: Mercedes-Benz
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Zeitgenössische Utensilien schicken uns zurück in die 90er

Der blaue SLR McLaren ist laut Benedikt Weiler keine Trailer-Queen, sondern "ein Fahrauto, dass damals im Presse-Pool mit dabei war". Da die Turboschaufel-Räder auch zur Bremsenkühlung beitragen, gibt es verschiedene Felgen für die rechte und die linke Seite. Der 5,5-Liter-Kompressor-V8 bringt es auf 626 PS. Insgesamt wurden vom SLR zwischen 2003 und 2009 2.157 Exemplare ausgeliefert. 

Mein persönlicher Favorit der Ausstellung ist aber der E 60 AMG der Baureihe W 210. Das 1997er-Modell in Obsidianschwarz, ganz ungewohnt auch mit mattschwarzem Grill und Stern, soll Subkultur- und Hip-Hop-Vibes in die Ausstellung bringen. Wie viele E 60 es insgesamt gibt, ist schwer zu sagen, AMG nahm es mit der Dokumentation damals noch nicht so genau. Man geht davon aus, dass zwischen 100 und 200 (vermutlich näher an 100) E 50 AMG zum E 60 umgebaut wurden. 

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E 60 AMG (W210) von 1997

Bilder von: Mercedes-Benz
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Zwischen 100 und 200 Exemplare der 381 PS starken E-Klasse wurden in Affalterbach gebaut. Basis war der E 50 AMG

Eine Hubraumvergrößerung auf sechs Liter und weitere Maßnahmen steigerten die Leistung von 347 PS und 480 Nm auf 381 PS und 580 Nm. Der 0-100-km/h-Sprint gelingt in noch immer beeindruckenden 5,1 Sekunden. 

Neben der Hauptausstellung zeigt das Museum noch fünf weitere Youngtimer, schick wie Modellautos verpackt in großen Glaskuben im Museumsparkhaus. Zu sehen sind dort ein A 160 "Häkkinen" (Baureihe 168), ein CL 500 (Baureihe 140), ein ML 500 (Baureihe 163), der Vision CLK 320 CDI (Baureihe 209) sowie ein C 55 AMG (Baureihe 203). 

Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)
Bilder von: Mercedes-Benz
Youngtimer-Ausstellung im Mercedes-Museum (2025)

Offiziell läuft die Ausstellung noch bis zum 2. November, aber Kurator Benedikt Weiler hält es für nicht unwahrscheinlich, dass sie aufgrund des bisherigen Erfolgs verlängert wird. Ein bisschen Zeit haben Sie also noch, wenn Sie eine Zeitreise in die 1990er- und 2000er-Jahre machen wollen. Lohnenswert ist es allemal.