Plant Porsche ein Le-Mans-Auto mit Straßenzulassung?
Hintergrund: Vor 50 Jahren wurde ein straßentauglicher 917 gebaut
Porsche hat etwas Großes vor. Das Unternehmen hat am Freitag ein Video veröffentlicht, in dem es eine straßenzugelassene Version seines Le-Mans-Rennwagens 963 ankündigt, die im Juni 2025 auf den Markt kommen soll.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Porsche einen Mittelmotor-Rennwagen in ein straßenzugelassenes Fahrzeug verwandelt. Vor genau 50 Jahren fuhr der 917 zum ersten Mal auf öffentlichen Straßen. (Streng genommen taten das schon die 917 für Le Mans auf dem Weg von der Werkstatt in der Nähe zur Rennstrecke, aber eben ohne Straßenzulassung.)
Bildergalerie: Porsche 917 Kurzheck-Straßenversion (1975)
Der Porsche 917 wurde von einem neu entwickelten Zwölfzylindermotor mit 4,5 Liter Hubraum angetrieben, der als V-Motor mit einem Zylinderbankwinkel von 180° sechs Hubzapfen auf der Kurbelwelle hatte. Jener Straßen-917 war das Ergebnis eines Porsche-internen Projekts, um den Wunsch eines Kunden zu erfüllen, der den damals schon längst ausgemusterten 917 Kurzheck auf der Straße fahren wollte.
Der Auftrag kam vom italienischen Geschäftsmann und Martini-Erben Gregorio Rossi di Montelera – auch bekannt als ‘Graf Rossi’ und langjähriger Sponsor des Porsche-Motorsports.
Porsche 917 Kurzheck-Straßenversion (1975) und Graf Rossi
Dem ambitionierten Projekt angemessen endete die erste Testfahrt nicht nach einer kurzen Runde in näherer Umgebung, sondern erst hunderte Kilometer später in Paris. Das Auto – ein Porsche 917 mit der Chassis-Nummer 30 – wurde ursprünglich im Rennsport eingesetzt und für den Straßeneinsatz mit einer Reihe vor Änderungen versehen. Manche waren per Gesetz vorgeschrieben, anderen kamen auf Wunsch des Besitzers.
Das Fahrzeug wurde in der Farbe Martini Silber lackiert und unterschied sich von der Rennversion unter anderem durch Endschalldämpfer, zusätzliche Außenspiegel und Seitenblinker. Zudem wurde er mit einer Hupe ausgestattet. Der vorgeschriebene Ersatzreifen wurde unter der Haube untergebracht.
Im Innenraum gab es ein paar Zugeständnisse an den Fahrkomfort. Während Dachhimmel, Türen und Armaturenbrett mit Alcantara versehen wurden, bekamen die beiden Sitze (Vorschrift für Langstrecken-Rennwagen dieser Zeit) einen Bezug mit hellbraunem Leder – geliefert von der französischen Marke Hermès.
Der Schaltknauf besteht analog zum Rennwagen aus Holz, und selbst der gelochte Schlüssel wurde beibehalten. Das Fahrzeug trug ursprünglich ein Kennzeichen des US-Bundestaats Alabama, das von Graf Rossi beschafft wurde.
Heute wird das Auto weiterhin von seinem aktuellen Besitzer auf den Straßen von Südfrankreich bewegt. Aktuell in England zugelassen, wurde es kürzlich restauriert, behielt aber die originale Lackfarbe sowie das Interieur bei.
Porsche 917 Kurzheck-Straßenversion (1975)
Und der 917 wird von seinem derzeitigen Besitzer immer noch gerne gefahren, wie das obige Video von Porsche zeigt. Das Unternehmen scheint daran interessiert zu sein, die Tradition der Straßenzulassung seiner Le-Mans-Fahrzeuge wieder aufleben zu lassen, denn am Ende des Videos wird neben dieser Aussage die Silhouette eines 963 eingeblendet, bei dem es sich offenbar um ein besonderes Fahrzeug handelt.
Auf der Porsche-Presseseite heißt es dazu: "Der einzigartige Spirit, der vor 50 Jahren eine Straßenversion des 917 ermöglichte, ist auch heute noch lebendig bei Porsche. Und während die Nachfolger des 917 heute auf den Rennstrecken dieser Welt Erfolge feiern, kommt die Frage in den Sinn: Was wäre wenn?"
Das ist natürlich keine Bestätigung, aber eine ziemlich starke Andeutung. Es ist möglich, dass Porsche ein weiteres Einzelstück baut, einen einzigen 963 mit Straßenzulassung für einen sehr wertvollen Kunden. Es ist auch möglich, dass der Hersteller eine kleine Serie straßenzugelassener 963er baut, um gegen den Aston Martin Valkyrie und den Red Bull RB17 anzutreten. Als Vorbild könnte auch der Mercedes-AMG One mit seiner Formel-1-Technik dienen.
Wie auch immer, wir werden nicht lange warten müssen. Porsche deutet an, dass eine vollständige Enthüllung im Juni stattfinden wird, also nur noch ein paar Monate entfernt ist.
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