Als der Bugatti Veyron Anfang der 2000er vorgestellt wurde, litten nicht gerade wenige Kinnladen unter spontaner Gravitationsverstärkung. Das erste Straßenfahrzeug mit über 1.000 PS hatte einige Spezifikationshighlights zu bieten. 20 Jahre später ist die Gewöhnung an die vierstellige Marke mehr oder weniger vollzogen.

Und doch, wenn Bugatti mit was Neuem daherkommt, dann gehen die Blicke interessiert in Richtung Edelmarke. Und die liefert mit dem Bugatti Tourbillon, "Tuhrbilljong" ausgesprochen (ein Ausdruck aus dem Uhrenbereich). Interessant: Optisch unterscheidet er sich auf den ersten flüchtigen Blick kaum vom Vorgänger Chiron. Spontan fühlt man sich an den "neuen" BMW 1er oder den "neuen" Mini Fünftürer erinnert.

Dennoch: Aus W16 wird V16 und der neue Hybrid-Antriebsstrang erzeugt wahnwitzige weitere Fahreigenschaften, die das frisch auf die Räder gestellte Kunstwerk bis auf 445 km/h katapultieren sollen. Vorausgesetzt, man besitzt einen "Speed Key".

Bildergalerie: Bugatti Tourbillon

In diesem Fall geht es über die eigentlich limitierten 380 km/h Höchstgeschwindigkeit hinaus. Von Null auf 400 km/h in 25 Sekunden, die 300 fällt bei zehn, die 200 bei nur fünf Sekunden. Im besten Fall hat man bei diesen Fahreigenschaften davor nicht allzu viel gegessen.

Der neue 8,3-Liter-V16 leistet 1.000 PS und 900 Nm Drehmoment. Hinzu gesellen sich zwei elektrische 250 kW leistende Motoren mit 3.000 Nm Drehmoment an der Front und einer mit 240 Nm im Heck. Insgesamt bietet das System geballte 1.800 PS bei 1.995 Kilogramm Fahrzeuggewicht. Also locker flockig fast ein PS pro Kilogramm.

Ein 8-Gang-DCT-Getriebe mit elektronischem Sperrdifferenzial kümmert sich darum, dass die schiere Kraft sinnvoll auf die Straße übertragen wird. Dabei helfen sollen massive 345/30 R21 Räder hinten und 285/35 R20 vorne. 60 Kilometer fährt das neue Geschoss laut WLTP komplett elektrisch. Mit an Bord ist eine ölgekühlte 800 Volt 25-kWh-Batterie.

Bugatti Tourbillon

Bugatti Tourbillon

Neben dem W16 geht auch die Tradition, die Kernmodelle nach legendären Bugatti-Rennfahrern der Vergangenheit zu benennen. Der Name Tourbillon sei ein subtiler Hinweis auf Bugattis französisches Erbe und soll den Charakter des Fahrzeugs perfekt widerspiegeln. Das Tourbillon sorgt seit 1801 dafür, die Auswirkungen der Schwerkraft auf eine Uhr auszugleichen, um so eine konsistente Zeitmessung zu gewährleisten.

Eine zeitlose Erfindung, dessen Charakter sich der neue Bugatti ebenfalls aneignen will. Der Tourbillon nimmt das Gesicht des Chiron an der Front auf. Nur zaghafte stilistische und aerodynamische Änderungen sind zu erkennen. Im Heck fallen vor allem die geschwungene Silhouette des Lichtbandes mit eingefassten illuminierten Bugatti-Schriftzug auf. Über das Dach ziehen sich drei massive Finnen bis ins Heck.

Innenraum des Bugatti Tourbillon

Innenraum des Bugatti Tourbillon

Jedes Design und jede Proportion wurde auf einem komplett neuen Chassis der Performance untergeordnet, sodass Fahren mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h überhaupt erst möglich wird. Der Heckflügel bleibt bei hohen Geschwindigkeiten sogar eingeklappt. Er sorgt lediglich bei geringeren Geschwindigkeiten für mehr Abtrieb und für verbesserte Stabilität beim Bremsen.

Im Innern bildet das Herzstück ein Kombiinstrument, das ebenfalls mit dem Know-how von Schweizer Uhrmachern entworfen und aus mehr als 600 Teilen aus Titan und Edelsteinen wie Saphir und Rubin gefertigt wurde. Die Mittelkonsole besteht aus Kristallglas und Aluminium. Und ganz gegen den Trend ist der einzige Bildschirm im Auto komplett unsichtbar.

Es sei denn, man will ihn sehen. Dann entfaltet sich der Touchscreen von der Oberseite der Mittelkonsole im Hochformatmodus innerhalb von zwei Sekunden zum Beispiel für die Rückfahrkamera. Im Querformat dauert das ganze Prozedere fünf Sekunden.

Der Tourbillon startet jetzt in die Testphase, wobei Prototypen derweil schon auf der Straße unterwegs sind. Halten Sie also Augen und Ohren offen. Dieses nicht zuzuordnende kurze Geräusch könnte gerade eben ein Chiron-Nachfolger gewesen sein. 2026 soll die Auslieferung der insgesamt 250 Exemplare starten. Kostenpunkt: 3,8 Millionen Euro aufwärts. Jedoch handgefertigt im Bugatti-Atelier in Molsheim.