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Audi: Abbau von bis zu 7.500 Stellen bis 2029

Beschäftigungsgarantie aber bis Ende 2033 verlängert

Audi Zukunftsvereinbarung
Bild von: Audi

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfen sich zunehmend, der Wettbewerbsdruck und die politischen Unwägbarkeiten stellen auch Audi vor enorme Herausforderungen. Um die Zukunftssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu festigen, haben Vorstand und Betriebsrat eine gemeinsame Zukunftsvereinbarung verhandelt. Klares Ziel: mehr Produktivität, Schnelligkeit und Flexibilität in Ingolstadt und Neckarsulm.

Die Übereinkunft erfolgte einen Tag vor der Bekanntgabe der Bilanzzahlen für 2024. Audi-CEO Gernot Döllner: "Audi muss schneller, agiler und effizienter werden. Klar ist: Ohne Personalanpassungen geht das nicht. Gemeinsam werden wir die Personalinstrumente an den Inhalten ausrichten."

Döllner weiter: "Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2033 geben. Das ist in gesamtwirtschaftlich schwierigen Zeiten eine gute Nachricht für alle Beschäftigten. Wir investieren acht Milliarden Euro in die deutschen Standorte. Für die herausfordernde Transition zur Elektromobilität stellen wir Ingolstadt und Neckarsulm so robust und flexibel auf."

Bildergalerie: Audi A6 Avant (2025)

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke auch in Zukunft zu sichern, sieht die Zukunftsvereinbarung Maßnahmen zur Steigerung von Produktivität, Schnelligkeit und Flexibilität vor. Dafür haben Unternehmensleitung und Betriebsrat auch "einen sozialverträglichen Stellenabbau von bis zu 7.500 Stellen bis 2029 im indirekten Bereich auf Basis von inhaltlichen Zielbildern" beschlossen.

Der geplante Stellenabbau geht mit einer klaren Fokussierung im Portfolio und einem Abbau von Bürokratie einher. So hat das Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten Richtlinien und Gremien deutlich reduziert. Mit der Einführung des Prinzips der Matrix-Organisation flacht Audi die Führungsstruktur auf drei Ebenen ab, weist klare Entscheidungsverantwortung zu und beschleunigt so Entwicklungs- und Innovationsprozesse. Zusätzlich wird geprüft, wo Digitalisierung zur Arbeitsentlastung im indirekten Bereich beitragen kann.

Daneben plant das Unternehmen, die Arbeitskosten durch die Anpassung übertariflicher und variabler Zahlungen für Tarifbeschäftigte zu senken. Management und Vorstand leisten ebenfalls einen erheblichen Beitrag. Noch offen ist aber, wie das ab 2026 geplante und wohl nicht gerade günstige Formel-1-Engagement von Audi vor diesem Hintergrund begründet wird.

Audi-Chef Gernot Döllner am neuen Audi S5 Avant

Audi-Chef Gernot Döllner am neuen Audi S5 Avant

Bild von: Audi

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Schlagbauer sagt: "Durch die zeitliche Absenkung und strukturelle Neuregelung der Ergebnisbeteiligung leistet die Audi Belegschaft einen großen Beitrag, um die vier Ringe wieder wetterfest und zukunftssicher zu machen. Insgesamt investiert die Audi Belegschaft damit über die Jahre viele, viele Millionen Euro in ihre eigene Zukunft."

Zur Absicherung der Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte bestätigt Audi die strategischen Produktionskapazitäten und verlängert die Beschäftigungssicherung bis 31. Dezember 2033. Bis 2029 plant Audi, rund acht Milliarden Euro in die Heimatstandorte zu investieren. Neckarsulm und Ingolstadt gehen dabei mit geschärften Profilen in die Zukunft: In Ingolstadt soll künftig ein weiteres Elektromodell im Einstiegssegment gefertigt werden. Ob es sich dabei um einen neuen Q4 oder einen Q2 handelt, ist noch unklar.

Außerdem erfolgt die Produktion der nächsten Generation des Audi Q3 im Verbund mit dem ungarischen Standort Győr. Mit der Produktion reiner Elektroautos und eines Verbrenner-Modells ist der Standort robust und flexibel für die Übergangszeit zur Elektromobilität aufgestellt.

Bildergalerie: Audi Q3 (2025) Erlkönigfotos

Am Standort Neckarsulm soll das örtliche Ökosystem genutzt werden, um die Digitalisierungskompetenz von Audi rund um Künstliche Intelligenz zu stärken. Zudem wird die Elektronikarchitektur der Verbrennerfahrzeuge weiterentwickelt und so die Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeuge deutlich gestärkt. Zusätzlich wird geprüft, ob künftig ein weiteres Modell in Neckarsulm gefertigt wird. Zur Absicherung bildet Audi einen Standortfonds Neckarsulm in Höhe von 250 Millionen Euro.

Stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats Rainer Schirmer betont: "Wir konnten beide Standorte zukunftssicher aufstellen. Für Neckarsulm bedeutet dies unter anderem, dass wir einen Zukunftsfonds für die Standortentwicklung sichern konnten, mit dem wir neue Produktionsplattformen einrichten können – für zukünftige elektrische Modelle. Dazu soll Neckarsulm als KI- und Digitalisierungs-Zentrum für den gesamten Audi Konzern ausgebaut werden. Hier wird der Fokus speziell im Bereich Produktion liegen."

Mit den in der Zukunftsvereinbarung beschlossenen Maßnahmen plant das Unternehmen mittelfristig Einsparungen von jährlich mehr als einer Milliarde Euro. Auf Basis der Eckpunkte werden im nächsten Schritt die Maßnahmen und die Ausgestaltung in den Geschäftsbereichen detailliert und der konkrete Mix der Personalinstrumente festgelegt sowie anschließend konsequent umgesetzt.