Elektroauto in der Krise? Stella Li von BYD im Interview
Stella Li erzählt Motor1 exklusiv, wie BYD die Krise meistert, die Technik neu gestaltet und die Spielregeln ändern will
Das Wachstum von BYD ist unaufhaltsam und Stella Li, Vizepräsidentin des chinesischen Riesen, ist eine der Protagonistinnen dieser Revolution. In einem exklusiven Interview mit Motor1 erzählt die "Lady of Electric Cars" von ihren Plänen, Ambitionen und Strategien für den europäischen Markt und darüber hinaus.
Sie tut dies mit dem Lächeln einer Frau, die in großen Dimensionen denken kann, auf der Grundlage eines riesigen heimischen Marktes und der technologischen Dimensionen ihres Unternehmens, das an jedem Arbeitstag des Jahres 32 Patente anmelden kann. Motor1 hatte sie kürzlich zu Gast:
Wenn man Stella Li zuhört, ist es interessant, nicht nur die Realität von BYD besser kennenzulernen, sondern auch die Merkmale des chinesischen Industriesystems, das Europa so erschreckt, auf das man aber schauen sollte, um einige gesunde "Best Practices" zu identifizieren. Beginnen wir mit strategischer Klarheit.
Eine entschlossene Expansion nach Europa
Mit einem Weltmarktanteil von 23 % bei Elektrofahrzeugen gibt sich BYD nicht zufrieden und setzt, wie in den letzten Monaten mehrfach angekündigt, stark auf Europa. In einem Land wie Italien, das als Beispiel angeführt wird, soll das Händlernetz bis zum nächsten Jahr von 20 auf 105 Verkaufsstellen erweitert werden.
"Wir sind mit dem, was wir bisher erreicht haben, nicht zufrieden", sagt Stella Li und betont, dass die Strategie des Unternehmens darauf abzielt, seine Fahrzeuge immer mehr Verbrauchern zugänglich zu machen, indem sie mit Modellen wie dem Seal U DM-i, der die Ängste in Bezug auf die Reichweite und das Aufladen ausräumen soll, eine praktische Erfahrung bietet.
Der neue BYD Sealion 7 wird Ende 2024 als Gegenspieler des Tesla Model Y eingeführt.
Der Motor eines BYD-Plug-in-Hybridfahrzeugs mit DM-I-System
Überwindung der Unsicherheit auf dem Elektromarkt
Die derzeitige Vertrauenskrise in Bezug auf Elektrofahrzeuge in Europa beunruhigt Stella Li nicht, denn sie sieht darin eine natürliche Übergangsphase. Inmitten einer schwankenden Politik und hoher Energiekosten hat BYD eine klare Vision: technologisch fortschrittliche Autos, die erschwinglich und in ein Ökosystem sauberer Energie integriert sind. Dank der Solarpaneele und Speicherbatterien des Unternehmens kann die Elektromobilität auch in Europa zu einer nachhaltigeren Wahl werden.
Festkörperbatterien: eine Revolution steht bevor
In dem Interview bestätigte Stella Li, dass BYD bereits an der nächsten Generation von Festkörperbatterien arbeitet, die als eine der vielversprechendsten Innovationen in der Branche gilt. Mit einem Team von mehr als 10.000 Ingenieuren, die sich der Batterieforschung widmen, rechnet BYD damit, dass diese Technologie um das Jahr 2030 herum auf den Markt kommen wird.
"Wir arbeiten daran, Sicherheit, Langlebigkeit und Leistung auch bei extremen Temperaturen zu gewährleisten", erklärte Li und betonte, dass diese Batterien die Zukunft der nachhaltigen Mobilität darstellen, wobei sie einräumte, dass die derzeitige Lithium-Eisen-Phosphat (LFP)-Technologie in den nächsten 15 bis 20 Jahren dominant bleiben wird.
Eine BYD-Montagelinie für LFP-Batterien
Technologie als Unternehmens-DNA
Die eigentliche Stärke von BYD liegt in der Technologie, ein Bereich, in den das Unternehmen jährlich mehr als 5,5 Milliarden Dollar investiert. Mit mehr als 102.000 Forschungs- und Entwicklungsingenieuren und beeindruckenden 32 Patenten, die jeden Arbeitstag angemeldet werden, ist BYD führend in Sachen Innovation.
"Wir sind keine traditionelle Automarke, sondern ein Technologieunternehmen", sagt Stella Li und erinnert daran, wie jeder Aspekt des Fahrzeugs, von den Batterien bis zum autonomen Fahren, darauf ausgelegt ist, Sicherheit, Effizienz und Leistung zu gewährleisten.
Das BYD-Branding auf den Autos steht für 'Build Your Dreams'.
Ein neuer Blick auf China durch das Automobil
Stella Li erzählt nicht nur von BYD, sondern auch von der Wettbewerbsfähigkeit Chinas in der Automobilbranche. Eine klare Strategie, die seit über 20 Jahren verfolgt wird, und ein hart umkämpfter Inlandsmarkt, der Innovation und Qualität fördert. "In China sind Menschen, die ein Benzinauto fahren, aus der Mode gekommen", sagt Stella Li und beschreibt, wie die Elektromobilität heute ein fester Bestandteil der Kultur und der Gesellschaft ist. Ein Ansatz, den Europa ihrer Meinung nach genau beobachten sollte.
Das vollständige Interview können Sie sich im Video oben ansehen.
Bildergalerie: BYD Seal U DM-i (2024) im Alltagstest
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