Dieses Auto feiert seinen 100. Geburtstag. Und wäre eigentlich fast vergessen. Hätte es nicht für eine Redewendung gesorgt, die wir noch heute im Alltag verwenden. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, Opel 4/12 PS!

Vier-Zwölf? Da werden selbst Opel-Fans nur Bahnhof verstehen. Bekannter ist der kleine Klassiker unter dem volkstümlichen Namen "Laubfrosch" aufgrund seiner grünen Farbe. Vor 100 Jahren führt Opel die Großserienproduktion mit Fließbandtechnik ein. Der erste Wagen, der 1924 in Deutschland vom Band läuft, ist der stets grün lackierte Opel 4/12 PS. Die Ziffern bezeichnen übrigens die Steuer-PS (4) und die tatsächlichen PS (anfangs 12). Mit dem neuen Modell revolutioniert Opel hierzulande die Automobilbranche.

Bildergalerie: Opel 4/12 PS "Laubfrosch" (1924-1931)

Der Opel 4/12 PS bricht direkt zum Start 1924 mit Konventionen: Statt groß und schwarz wie die meisten Modelle fährt er als kleines, robustes Fahrzeug in grün vor – was ihm schnell den Beinamen "Laubfrosch" einbringt. Er hat zahlreiche Neuerungen zu bieten, darunter Vierzylinder-Blockmotor mit direkt angeflanschtem Getriebe, abnehmbare Zylinderdeckel, Ölpumpenschmierung, Stahl-Lamellenkupplung, verstellbare Windschutzscheibe sowie Stahlscheibenräder.

Wie die Räder ist auch der Fahrzeugrahmen aus Pressstahl gefertigt; darauf sitzt die restliche Karosserie aus Stahl und Holz. Sein Einliter-Reihenvierzylinder beschleunigt den Kleinwagen auf 60 km/h Spitze und schafft im dritten Gang eine Dauergeschwindigkeit von beachtlichen 50 km/h. Der Schalthebel des Rechtslenkers ist nicht mehr außenbords angebracht, sondern – für die damalige Zeit sehr modern – leicht erreichbar in der Fahrzeugmitte. Der zunächst als Zwei- und später als verlängerter Dreisitzer angebotene Laubfrosch ist 3,20 Meter lang, 1,35 Meter breit und 1,65 Meter hoch, hat ein Klappverdeck als Wetterschutz und sogar einen hinter der Sitzbank im Spitzheck integrierten Kofferraum.

Opel 4/12 PS

Opel 4/12 PS "Laubfrosch" (1924-1931)

Allerdings gibt es Zoff um den Frosch: Ihn sieht Citroën als Plagiat des eigenen 5CV. In Prozessen, die seinerzeit angestrengt wurden, wurde die Klage von den Gerichten wegen mehrerer Fahrzeugdetailunterschiede zurückgewiesen. Hinzu kam, dass sechs Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs Franzosen vor deutschen Gerichten nicht wirklich viel zu melden hatten. Außerdem hatte Frankreich 1924 noch weite Gebiete an Rhein und Ruhr besetzt, was zu massiven Konflikten führte. 

Die nach außen auffälligste Änderung war aber die grüne Lackierung – Citroën lackierte das Auto zitronengelb. 1924 und 1925 wurden in Deutschland viermal so viele Opel 4 PS wie Citroën C verkauft. Die Produktion des Citroën 5CV wurde Anfang 1926 eingestellt. 

Opel selbst formuliert es so: "Der Erfolg des ersten in Großserie gefertigten Automobils in Deutschland ist nicht absehbar, als sich die Opel-Brüder 1923 – mitten in der Inflationszeit – entscheiden, ein Fahrzeug mit gänzlich neuen Fertigungsmethoden herzustellen und damit die deutsche Automobilproduktion zu revolutionieren. Kurz zuvor hat Fritz von Opel auf einer Reise in den USA die Fließbandtechnik und den Einsatz moderner Werkzeugmaschinen genauer unter die Lupe genommen; weitere Anleihen holt er sich in Frankreich."

Opel 4/12 PS

Dann geht es Schlag auf Schlag: Die Opel-Brüder investieren die enorme Summe von rund einer Million Goldmark, um das Werk zu modernisieren und von Einzel- auf Fließbandproduktion umzustellen. Ganze 45 Meter ist das erste Fließband lang – nicht viel, aber es revolutioniert die Fertigung. Neu sind auch die Förderketten, die sich bald durch die Fabrik ziehen.

Mit ihnen gehören die Zeiten, in denen sich die Arbeiter ihr Material von Hand oder mit einem Karren heranholen mussten, der Vergangenheit an. Kurbelgehäuse, Nockenwellen oder Zylinderblöcke kommen nun auf Transportbändern. Auch das Herzstück der Fabrik, die Montagebahn, wächst stetig an: 1928 erstreckt sich die Fließbandproduktion im Rüsselsheimer Werk bereits auf einer Länge von rund zwei Kilometern.

Opel 4/12 PS

Durch die Produktion am laufenden Band schrumpfen die Fertigungszeiten auf ein Minimum. Hofft Fritz von Opel im Frühjahr 1924 auf eine Tagesleistung von 25 Fahrzeugen, sind es am Jahresende bereits 100 Automobile, und schon wenige Monate später hüpfen 125 Laubfrösche pro Tag von den Bändern. Ein doppelter Vorteil für die Kunden: Dank der durch steigende Stückzahlen sinkenden Herstellungskosten reduziert sich der günstige Einstandspreis des Opel 4 PS stetig weiter und der Hersteller kann zugleich die kontinuierlich wachsende Nachfrage bedienen.

Der "Wagen für Jedermann", so die damalige Opel-Werbung, kostet beim Produktionsstart 4.500 Rentenmark – wenig im Vergleich zu anderen Fahrzeugen, aber immer noch so viel wie ein Eigenheim. Zum Volks-Opel wird er, weil sein Verkaufspreis dank stetig weiterentwickelter Fließbandtechnik von Jahr zu Jahr sinkt.

1930 ist der Opel 4/20 PS in der einfachen Ausführung als Zweisitzer schon für 1.990 Reichsmark erhältlich. Mit gut 120.000 produzierten Einheiten hat er sich da bereits als ideales und erschwingliches Transportmittel für gewerblich tätige Zeitgenossen wie Landärzte, Architekten oder Handelsvertreter durchgesetzt.