Der Mercedes SL, der nach zehn Jahren ehrenvollen Dienstes von der Bildfläche verschwunden war, kehrt nun in völlig neuem Gewand zurück. Die neue Generation des legendären 2+2-Roadsters aus Stuttgart ist als perfekte Synthese aus Vergangenheit und Zukunft wiedergeboren worden. Einerseits bleibt er der Tradition des Modells treu, das bereits 1957 als offene Version des 300 SL Flügeltürers debütierte, andererseits verändert er sich völlig.

Ja, denn der neue Mercedes SL kehrt nach 20 Jahren des versenkbaren Hardtops zum Stoffdach zurück, basiert aber auf einer völlig neuen Plattform, die direkt von der AMG-Abteilung des Herstellers entworfen wurde. Tatsächlich werden nur in Affalterbach hergestellte Fahrzeuge auf den Markt kommen. Genau wie der Mercedes-AMG GT, mit dem er aber nichts gemein hat, um genau zu sein.

Sportlichkeit, Sportlichkeit, Sportlichkeit

Ohne die elegante Ausstrahlung zu verlieren, die das Modell seit jeher auszeichnet, geht Mercedes keine Kompromisse ein, wenn es um die Leistung geht. Die AMG-Ingenieure haben eine Plattform geschaffen, die mit 270 Kilogramm leichter und dank des weit verbreiteten Einsatzes von Aluminium-Verbundwerkstoffen um 18 Prozent steifer ist als die des Vorgängermodells.

Darüber hinaus ist es den Konstrukteuren gelungen, den Schwerpunkt zu senken, um die Fahrdynamik zu verbessern. Und das 27 kg leichtere und weniger sperrige Stoffdach trägt ebenfalls dazu bei. Außerdem lässt sich das Dach in nur 15 Sekunden komplett in den Fond einklappen und kann bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h betrieben werden.

Mercedes-AMG SL (2022)

Darüber hinaus ist der neue SL mit AMG Active Ride Control ausgestattet, einem elektronisch geregelten Fahrwerk mit aktivem Wankstabilisator und einer lenkbaren Hinterachse, die bis 100 km/h gegenphasig lenkt, um die Agilität zu erhöhen, und oberhalb von 100 km/h in die gleiche Richtung wie die Vorderräder steuert, um eine höhere Stabilität in schnellen Kurven zu gewährleisten. Optional sind auch Hochleistungs-Carbonkeramikbremsen erhältlich.

Aktive Aerodynamik

Was das Exterieur betrifft, so weist das Fahrzeug eine Reihe von Styling-Elementen auf, die auch bei anderen AMG-Modellen zu finden sind, wie etwa den trapezförmigen Kühlergrill mit vertikalen Lamellen und die horizontal verjüngten Scheinwerfer. Im Profil behält der Wagen seine schlanken Proportionen bei, mit einer langen Motorhaube und einer zurückversetzten Kabine. Von der Seite betrachtet fallen die großen Radkästen auf, in denen Leichtmetallräder mit einem Durchmesser von bis zu 21 Zoll untergebracht sind.

Der Wagen weist einen cW-Wert von 0,31 auf und er verfügt erstmals über bewegliche Aero-Anbauteile, die den Abtrieb je nach Geschwindigkeit verändern. Zu den Sonderausstattungen gehört ein Carbonprofil im Unterboden vor dem Motor, das sich bei einer Geschwindigkeit von über 80 km/h um 4 Zentimeter absenkt und einen Venturi-Effekt erzeugt, der das Auto zur Straße hin saugt.

Mercedes-AMG SL (2022)

Da dieser untere Spoiler nicht sichtbar ist, ist der Mercedes-AMG SL auch mit einem ausfahrbaren Heckflügel ausgestattet, der – wenn er sich in der eingefahrenen Position befindet – bündig mit der Heckklappe abschließt, sich aber bei höherer Geschwindigkeit anhebt, um die Last auf der Hinterachse zu erhöhen. Zu guter Letzt bleibt der Kühlergrill geschlossen, um die Luftzufuhr zu verbessern, und öffnet sich nur, wenn die Kühler eine zusätzliche Dosis Frische zur Kühlung des Motors benötigen.

Los geht's mit zwei V8-Aggregaten

Getreu den drei magischen Buchstaben, die das Modell kennzeichnen und die auch auf der Motorhaube zu finden sind, zusammen mit der Unterschrift des Technikers, der den Zusammenbau des Motors persönlich überwacht hat, wird der Mercedes-AMG SL in zwei Versionen auf den Markt kommen, die beide mit dem 4,0-Liter-Twin-Turbo-V8 ausgestattet sind.

Beide Varianten sind mit Allradantrieb und dem AMG 9G Speedshift MCT-Getriebe (eine 9-Gang-Automatik mit einer Ölbadkupplung anstelle des Drehmomentwandlers) ausgestattet und leisten 476 beziehungsweise 585 PS sowie 700 oder 800 Nm Drehmoment. Die Beschleunigung auf Tempo 100 gelingt in 3,6 oder 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 295 beziehungsweise 315 km/h angegeben.

Mercedes-AMG SL (2022)

Hier alle bekannten Daten in einer praktischen Übersicht:

  SL 55 4Matic+ SL 63 4Matic+
Motor 4,0-Liter-Biturbo-V8 4,0-Liter-Biturbo-V8
Antrieb Allrad Allrad
Getriebe 9G Speedshift MCT 9G Speedshift MCT
Leistung 476 PS 585 PS
Drehmoment 700 Nm 800 Nm
0-100 km/h 3,9 s 3,6 s
Höchstgeschwindigkeit 295 km/h 315 km/h

Eine Hybridversion kommt später auch noch. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der AMG-Sparte E Performance entwickelt. Offizielle Zahlen für dieses Modell gibt es noch nicht, aber wir empfehlen vorsorglich schon einmal einen Blick auf die Daten des Mercedes-AMG GT 63 S E Performance.

Sechs Fahrprogramme

Ein Blick in den Innenraum schließlich offenbart ein typisches Mercedes-Umfeld, in dem allerdings anstelle der klassischen nebeneinander angeordneten Monitore im gleichen Rahmen ein großer vertikaler Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts erscheint, zusätzlich zur Instrumentenanzeige hinter dem Lenkrad.

Mercedes-AMG SL (2022)

Ausgestattet mit der neuesten Software-Generation, einschließlich des Sprachassistenzsystems MBUX, ermöglicht es außerdem, eines von sechs Fahrprogrammen zu wählen: Slippery, Comfort, Sport, Sport+, Individual und Race. Sie beeinflussen eine Vielzahl von Parametern, die sich auf die Fahrdynamik des Autos auswirken: von der Reaktionsfähigkeit über den Gasdruck, die Schaltlogik und die Lenkhärte bis hin zur Abstimmung und der ESP-Kalibrierung.

Einen Preis nennt der Hersteller noch keinen. Machen wir uns aber nichts vor ... sechsstellig wird die Zahl selbst für das Einstiegsmodell werden.

Bildergalerie: Mercedes-AMG SL (2022)