Dieses Auto machte 4x4 im Pkw zum Massenprodukt

Wer hats erfunden? Diese Frage sorgt beim Allradantrieb im Pkw für Diskussionen. Viele assoziieren Audi mit Allrad, doch die Technologie existiert im Grundsatz bereits seit etwa 1900. 1966 begann die Kleinserienproduktion (320 Stück) des ersten Pkw mit permanentem Allradantrieb – des Jensen FF.

1972 stellte Subaru den Leone 4WD Station Wagon als erstes Großserien-Straßenfahrzeug mit zuschaltbarem Allradantrieb vor. 1979 kam der AMC Eagle auf den Markt, ein Großserien-Straßenfahrzeug mit permanentem Allradantrieb. 1980 präsentierte Audi mit dem quattro sein erstes Großserien-Straßenfahrzeug (11.452 Stück) mit permanentem Allradantrieb.

Blicken wir zurück auf Subaru, denn dort gibt es Grund zum Feiern: Im Juni 1971, also vor 50 Jahren, präsentierte der erfolgreiche Kleinwagenspezialist sein erstes dynamisch gezeichnetes und kompaktes Mittelklassemodell Leone, mit dem die japanische Marke kurz darauf auch in Europa startete.

Mit drehfreudigen und effizienten Boxermotoren sowie modernem Frontantriebslayout garantierte der Leone großes Fahrvergnügen – die eigentliche technologische Sensation folgte jedoch in Form des Leone 4WD Station Wagon. Dieser vielseitige, familienfreundliche Kombi holte den 4x4-Antrieb 1972 weltweit erstmals aus dem rustikalen Offroad-Segment in die Klasse der voll alltagstauglichen und in Großserie gebauten Pkw.

Subaru Leone Coupe Modelljahr 1974
Subaru Leone Coupe Modelljahr 1974

Mit mechanisch per Klauenkupplung zuschaltbarem Allradantrieb und temperamentvollem 1,4-Liter-Boxer-Vierzylinder löste der Leone im bergigen Japan sofort einen Nachfrageboom aus, setzte sich aber auch rasch auf vielen Exportmärkten durch und initiierte so die Ära der Allrad-Pkw. Dort besitzt Subaru laut eigenen Angaben bis heute die Position des Marktführers mit inzwischen mehr als 19,3 Millionen produzierten Allrad-Fahrzeugen.

Der nur vier Meter lange Subaru mit dem klangvollen italienischen Namen (Leone = Löwe) brachte Dynamik in die etablierte Mittelklasse der frühen 1970er-Jahre. Nicht nur der innovative Antrieb sicherte dem Leone auf Anhieb große Popularität. Statt wie damals üblich die neue Modellreihe zuerst in der Karosserieform Limousine zu lancieren, präsentierte Subaru als Vorhut ein extravagantes Coupé in kraftvollen Konturen und mit allen sportiven Accessoires wie vier Scheibenbremsen, Zusatzscheinwerfern oder Überrollkäfig für Renneinsätze.

Tatsächlich stellte der Leone seine sportlichen Fähigkeiten und eine von Beginn an außergewöhnliche Zuverlässigkeit auch auf den Rallyepisten erfolgreich unter Beweis, ganz besonders eindrucksvoll 1977 bei der 30.000-Kilometer-Marathon-Rallye von London nach Sydney. Dort belegte der Leone den vierten Platz in der Allradklasse.

Subaru Pick-up Brat

Zu diesem Zeitpunkt gab es den Subaru Leone bereits seit vier Jahren auf verschiedenen europäischen Märkten und das auch als zwei- oder viertürige Limousine sowie als elegantes Hardtop-Coupé ohne B-Säule und mit schwebend leicht wirkendem Dachpavillon, immer inklusive  eines zukunftsweisenden Fahrwerks mit Einzelradaufhängung rundum.

Auf dem besonders anspruchsvollen deutschen Markt startete der Leone allerdings erst in zweiter Generation im Januar 1981 und das unter der technisch-puristischen Bezeichnung Subaru 1800 4WD. In den USA gewann der Leone schon frühzeitig derartig großen Kultstatus, dass Subaru of America die Entwicklung eines kompakten Lifestyle-Pick-ups auf Leone-Basis initiierte.

Dieser Subaru "Bi-drive-Recreational all-terrain Transporter", kurz Brat, blieb über zwei Generationen im Programm und bewährte sich als Beach-Car ebenso wie im harten Arbeitseinsatz, letzteres sogar auf der Ranch eines amerikanischen Präsidenten.

Vor allem aber war es der Leone als Station Wagon, der Geschichte schrieb, indem er den Vierradantrieb gesellschaftsfähig machte und die Basis für die moderne Allrad-Marke Subaru legte. Mit dem Mut zu modisch-bunten Farbdesigns und attraktiver Komfortausstattung befreite der Leone Station Wagon die japanischen Kombis zuerst vom damals noch verbreiteten Image eines reinen Nutzfahrzeugs, und mit Allradantrieb avancierte der variable Leone bald zum besten Freund von Freizeitsportlern und Familien.

Erste 4WD-Prototypen testete Subaru bereits 1969/70 mit dem Modell 1000 Station Wagon und 1971 debütierte der seriennahe Prototyp Subaru 1300 G 4WD – gleichzeitig zum Marktstart des neuen Leone als Coupé.

Den finalen Anstoß zur Allrad-Serienproduktion des Leone Station Wagon 4WD gab eine Ausschreibung der Tohoku Electric Supply Company, die die bergige und schneereiche Tohoku Präfektur im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu mit Strom versorgte. Der Energieversorger suchte ein unter allen Witterungsbedingungen sicheres und zuverlässiges Fahrzeug für seine Mitarbeiter und fand dieses im Subaru mit Allradantrieb. 

Aber auch Privatkunden waren sofort überzeugt von den Vorteilen des dank Leichtbaus nur 855 Kilogramm wiegenden Leone 4WD, mit dem der 53 kW (72 PS) leistende 1,4-Liter-Boxermotor leichtes Spiel hatte.

Mit dem längs eingebauten Boxer als motorisches Herzstück wurde der für Subaru bis heute markentypische symmetrische Allradantrieb möglich: Vom tief im Fahrzeug installierten Boxermotor über das Getriebe, die Kardan-Antriebswelle bis zum hinteren Differential verläuft der komplette Antriebsstrang in einer Linie entlang der Mittelachse des Fahrzeugs zugunsten ausgewogenen und neutralen Fahrverhaltens und höchster Fahrsicherheit.

Diese einzigartige Subaru 4x4-Technologie gab es bald nicht nur im Leone Kombi, sondern auch in Limousinen, Sportcoupés und später in SUV und Crossover-Modellen. War der Vierradantrieb anfangs per Hebel zuschaltbar, gibt es ihn seit 1985 als permanenten symmetrischen Allradantrieb.

Bildergalerie: 50 Jahre Subaru Leone