Weg von den Kleinwagen, hin zu gewinnträchtigeren Kompaktwagen, heißt die Devise

Der neue Renault-Chef Luca de Meo (Bild oben) präsentiert am heutigen Donnerstag seinen neuen Strategieplan Renaulution. Die Renault-Gruppe soll sich mehr auf den Gewinn statt nur auf den Absatz ausrichten ("from volumen to value").

Dazu will man den Schwerpunkt vom B- ins C-Segment verschieben, also weg von den wenig gewinnträchtigen Kleinwagen hin zu Kompaktwagen. 

Zur Kostenminderung wird es künftig zudem weniger Plattformen und weniger Antriebsvarianten geben. Die Zahl der Antriebsfamilien soll halbiert werden, darunter nur je eine Antriebsfamilie für Benziner und für Diesel, aber zwei Elektroantrieb-Familien:

Weniger Antriebe bei der Renault-Gruppe (Bildquelle: Renault)

Bei der Aufteilung des Marktes auf die Marken Dacia, Renault und Alpine soll es künftig weniger Überlappungen geben:

Die Marken teilten sich den Markt bisher mit Überlappungen auf (Bildquelle: Renault)
Bisherige Aufteilung
Klare Aufteilung: Dacia für die Billigkundschaft, Renault für die Mitte und Alpine für die Early Adopters
Künftige Aufteilung

Der Plan soll sicherstellen, dass die Profitabilität nicht unter der Elektrifizierung leidet. Dabei soll das Unternehmen bis 2050 in Europa CO2-neutral werden.

Hier sehen Sie die Pressekonferenz im Video. Aber Achtung, es dauert (mit einem 30-minütigen Vorspann und Presse-Fragen) geschlagene drei Stunden:

Renault: 14 neue Modelle, darunter 7 Elektroautos

Mit einer umfassenden Produktoffensive namens "Nouvelle Vague" (Neue Welle) soll Renault die Energiewende vorantreiben. Ziel ist, bis 2025 den grünsten Antriebsmix aller Hersteller in Europa anzubieten. Dazu plant die Marke 14 neue Modelle, davon sieben mit reinem Elektroantrieb. Auch in der Kernmarke soll sich der Schwerpunkt ins Kompaktsegment verschieben. Daher gehört auch die Hälfte der 14 neuen Modelle ins C- oder D-Segment.

Der Fünfjahresplan sieht neben dem 2021 startenden Arkana noch ein Elektroauto im Kompaktsegment für Ende 2021/Anfang 2022 vor, was wohl der Elektro-Mégane sein dürfte. Außerdem sind noch zwei Kleintransporter (LCV) zu erwarten und ein B-Segment für die außereuropäischen Märkte (in Grau):

Neuer Renault-Strategieplan

Bei der Elektrifizierung will Renault bis 2025 führend sein. Bei Elektroautos stellt die Marke mit dem Zoe bereits den deutschen Elektro-Bestseller. Als Highlight stellte Luca de Meo einen neuen Renault 5 mit Elektroantrieb vor, zu dem wir einen eigenen Artikel haben.

Überrascht hat uns auch, dass Renault sich künftig auch dem Wasserstoffauto zuwenden will, denn das passt ja eigentlich eher in die höheren Segmente (und zu LKWs und Bussen). Dazu wird es ein neues Joint-Venture im Bereich Wasserstoff geben.

Im Bereich Software will Renault künftig auf die sogenannte "Software République" setzen – ein "offenes kooperatives Ökosystem". Damit will Renault das Angebot an vernetzten Diensten erweitern. Wichtig ist Renault auch das Thema Kreislaufwirtschaft, für den künftig der französische Produktionsstandort Flins führend sein soll. Ziel der bis 2024 entstehenden, sogenannten Re-Factory ist es, die CO2-Bilanz der Mobilität bis 2030 sogar in den negativen Bereich zu bringen.

Dacia und Lada: Weniger Plattformen

Die Billigmarken Dacia und Lada werden künftig in einer eigenen Business Unit "Dacia-Lada" zusammengeführt. Außerdem sollen die beiden Marken künftig ausschließlich Autos auf Basis der CMF-B-Plattform bauen statt wie bisher vier Plattformen zu nutzen. Dazu gehört auch der neue Lada Niva, der als Studie andeutungsweise gezeigt wurde. Ebenfalls präsentiert wurde eine neue Kompakt-SUV-Studie namens Dacia Bigster, die 4,60 Meter lang ist und auch Hybridantriebe ermöglicht. Auch zu diesen beiden Modellen haben wir separate Artikel.

Die Zahl der Karosserietypen soll von 18 auf elf reduziert werden. Pro Plattform sollen künftig 1,1 Millionen Autos jährlich entstehen statt nur 0,3 Millionen. Dacia soll Dacia bleiben, aber einen Hauch Coolness dazubekommen – und dank neuer Modelle 30 Prozent höhere Preise erzielen.

Alpine soll Elektro-Sportwagen mit Lotus entwickeln

Die Marke Alpine soll künftig die Aktivitäten bei den sportlichen Fahrzeugen zusammenfassen. Dazu sollen neben der Marke Alpine auch die Sparte Renault Sport (also Mégane R.S. und Co) sowie die Formel-1-Aktivitäten gehören. Die Zukunft der Marke Alpine soll elektrisch sein, der A110 wird also kaum mehr eine leuchtende Zukunft haben. Stattdessen soll Alpine einen Elektro-Sportwagen zusammen mit Lotus entwickeln.

Neue Sparte Mobilize plant vier neue Fahrzeuge

Die neue Sparte Mobilize widmet sich Themen jenseits des Verkaufs von Pkw. Dazu gehören vier Modelle: darunter ein Kleinstfahrzeug namens EZ-1 (möglicherweise ein Twizy-Nachfolger), ein kleines SUV (wohl der Dacia Spring Electric), eine Limousine (wohl ein Jiangling Renault GSE) und ein Lieferfahrzeug: 

Neuer Renault-Strategieplan

Bildergalerie: Neuer Strategieplan "Renaulution"