Der Rallye-Raid-Sport soll die neue "Speerspitze" der Marke werden

Formel E ist raus, die Rallye Dakar ist drin: Audi hat sein Motorsportprogramm mächtig umgekrempelt und diesem eine neue Richtung verliehen. Die Ingolstädter planen, ab dem Jahr 2022 werkseitig bei der Rallye Dakar zu starten. Laut der Mitteilung des Konzerns soll der Rallye-Raid-Sport die neue "Speerspitze" des werkseitigen Motorsport-Engagements der Marke bilden.

Parallel gibt es personelle Veränderungen: Werks- und Kundensport sind bereits erfolgreich in der Audi Sport GmbH zusammengeführt. Ab 1. Dezember 2020 übernimmt Julius Seebach zusätzlich zu seiner Funktion als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH auch die Verantwortung für die internationalen Motorsportaktivitäten des Unternehmens.

Dieter Gass, seit fast zehn Jahren in leitenden Positionen bei Audi Sport und von 2017 bis 2020 als Audi-Motorsportchef für den sportlichen Erfolg mitverantwortlich, widmet sich nach dem erfolgreichen Abschluss des werkseitigen DTM-Engagements zukünftig neuen Aufgaben.

Für die Rallye Dakar arbeitet Audi an einem Prototypen, der mit einem elektrischen Antriebsstrang mit einer Hochvolt-Batterie und einem Energiewandler ausgestattet werden wird. Die Batterie soll während der Fahrt durch einen TSFI-Motor geladen werden können. Das Ziel: Die Erkenntnisse aus dem Rallye-Sport sollen direkt in die Serienentwicklung von Audi einfließen.

"Ein vielfältiges Engagement im Motorsport ist und bleibt fester Bestandteil der Audi-Strategie", sagt Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstands und Vorstand für Technische Entwicklung und Baureihen bei Audi. "Wir wollen auch in Zukunft das Markenversprechen im internationalen Top-Motorsport unter Beweis stellen und innovative Technologien für den Serieneinsatz entwickeln. Die härteste Rallye der Welt ist hierfür die perfekte Bühne."

Dafür wird das Formel-E-Programm der Ingolstädter geopfert. Duesmann erklärt: "Die Formel E hat bei Audi die Phase der Transformation begleitet. Heute ist Elektromobilität bei den Vier Ringen nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Gegenwart. Deshalb gehen wir beim elektrifizierten Motorsport den nächsten Schritt und stellen uns extremsten Bedingungen. Die Rallye Dakar mit ihren vielen technischen Freiheiten ist dabei ein perfektes Testlabor für uns."

Die Rallye Dakar ersetzt damit bei Audi das werkseitige Engagement in der Formel E, welches nach der Saison 2021 nicht mehr in Form eines eigenen Teams fortgeführt wird. Der Einsatz des neu entwickelten Audi-Antriebsstrangs durch Kundenteams bleibt auch über das nächste Jahr hinaus möglich.

Die zweite große Säule im Motorsportprogramm von Audi bleibt der Kundensport. Dabei bietet Audi Sport customer racing seinen Kunden ein umfassendes Modellportfolio sowie einen intensiven Service für den weltweiten Renneinsatz. Zudem gehören Starts mit dem Audi R8 LMS bei bedeutenden Langstreckenrennen wie dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in internationalen Rennserien wie der Intercontinental GT Challenge zum Programm.

Der Dakar-Einsatz 2022 soll unter der Leitung der X-Raid-Truppe von Teamchef Sven Quandt stattfinden, die bereits für das Mini-Projekt von BMW verantwortlich ist. Quandt und Duesmann kennen sich aus dessen Zeit bei BMW gut, wo der heutige Audi-Chef zunächst für den Antriebsbereich zuständig war und ab 2016 als Einkaufsvorstand agiert hatte.

Der Rallye-Sport an sich ist für Audi kein Neuland: In den Jahren 1982 und 1984 gewann die Marke die Hersteller-Wertung in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC), 1983 und 1984 zudem den Fahrertitel. Der Allrad-Antrieb des Audi Quattro gilt noch heute als eine der wichtigsten Innovationen in der Rallye-Geschichte und war in den frühen 1980er-Jahren das Maß aller Dinge. Des Weiteren plant Audi mit einem LMDh-Projekt die Rückkehr nach Le Mans.