Der britische Zwerg ist längst zur Popkultur geworden (...und unbezahlbar)

Mikromobile und Winzautos gibt es viele: Angefangen vom Messerschmitt Kabinenroller über das Goggomobil bis hin zur BMW Isetta sowie Smart und Microlino. Doch den absoluten Vogel schoss vor fast 60 Jahr die britische Firma Peel ab.

Ihr zwergenhafter P50 ist inzwischen längst eine Legende und Bestandteil der Popkultur. Die meisten von uns werden den Peel vielleicht als Scheunenfund aus Forza Horizon 4 kennen. Oder man hat schon einmal das berühmte Video gesehen, in dem Jeremy Clarkson mit einem P50 durch die BBC fährt. Fest steht: Die ungefähr 40 überlebenden Originale des P50 notieren inzwischen bei weit über 100.000 Euro. Pro Stück, versteht sich.

Zwischen Irland und Großbritannien liegt eine kleine Insel mit gerade einmal 85.000 Einwohnern, die Isle of Man. Der autonome Kronbesitz ist bekannt als Steueroase und Heimat des umstrittensten und gefährlichsten Motorradrennens der Welt, der Tourist Trophy. Aber ein Industriestandort? Hier fertigt Peel zwischen 1961 und 1963 den P50 sowie dessen Nachfolger Trident. 

Wie kam es zur Idee des P50? Nun, die Gedanken dürften ähnlich gewesen sein wie einige Jahre zuvor bei Messerschmitt und Isetta: Ein sehr kleines, günstiges Vehikel mit geschlossener Karosserie und bewährtem Motorradmotor als Bindeglied zwischen Zweirad und Automobil. Dazu sparsam in Verbrauch und Anschaffung. Hinzu kam, dass in Großbritannien Autos mit drei Rädern steuerlich begünstigt wurden. 

Peel P50

Prinzipiell also kein schlechter Gedanke, der kurz zuvor durch den Mini meisterhaft umgesetzt wurde. Und selbst heute ist die Idee von "Fahrkabinen" noch innovativ, denken wir nur an den Renault Twizy oder den Citroën Ami.

Doch zurück zum Peel P50: Der motorisierte Zwerg ist gerade einmal 1,35 Meter lang und 99 Zentimeter breit. Das reichte dem einsitzigen und 60 Kilogramm schweren P50, um eine Person hinter dem Lenkrad aufzunehmen. Der 4,2 PS starke Mini-Benziner holte seine Kraft aus namensgebenden 50 Kubik und brachte sie über 5-Zoll-Räder auf die Straße. Wer mutig genug und Ohren aus Stahl hatte, konnte den Winzling auf bis zu 70 km/h beschleunigen.

199 Pfund musste man in den Sechzigern für das Zwergen-Auto löhnen. Klingt nicht nach viel, aber ein deutlich erwachsener Austin Mini kostete auch nur gut 500 Pfund. Und der Hauptknackpunkt beim Peel: Es passt nur eine einzige Person hinein. Der Ausstieg will beim P50 übrigens gut gelernt sein, wie dieses Video zeigt.

Wer Begleitung auf seinen Einkaufsfahrten wünschte, konnte sich diesen Traum mit dem ebenfalls von Peel produzierten Trident erfüllen. Der Nachfolger des P50 erschien 1964 und wurde rund 80 Mal gebaut. Die zweisitzige fahrende Käseglocke ist etwas größer und 30 Kilogramm schwerer als der P50.

Ansonsten kommen beide Mini-Mobile mit der gleichen Technik aus: Ein Motor, drei Räder, drei Vorwärtsgänge und kein Rückwärtsgang. Wer den P50 wenden will, muss aussteigen, ihn an einem Griff am Heck hochnehmen und bugsieren.

Zwei Londoner Unternehmer legten sowohl den P50 als auch den Trident unter dem Namen Peel Engineering ab 2008 wieder auf. Die Karosserie blieb bei der Neuauflage weitgehend unverändert. Lediglich der P50 wuchs um drei Zentimeter in der Länge und um fünf Zentimeter in der Breite. Beide Modelle bekamen ordentliche Lichtanlagen spendiert, moderne Motoren, einen Rückwärtsgang und neue Bremssysteme verpasst.

Peel P50

Der Motor war ein Moped-Motor von Honda mit weiterhin 49 Kubikzentimeter Hubraum, aber nur noch 3,3 PS Leistung. Das soll einen Verbrauch von etwa zwei Liter auf 100 Kilometer ergeben. Selbst eine Elektroversion war im Angebot. Etwas mehr als 20 Kilometer Reichweite sind allerdings alles andere als rekordverdächtig. Ab 14.500 Euro war ein Neo-P50 erhältlich, trotzdem hielt sich der Erfolg in Grenzen. 33 Exemplare entstanden bis 2011.

Gleiches gilt für die Firma Bambycars, die ab 2011 den Bamby P50 herstellte, Automatikgetriebe inklusive. Aktuell gibt es ein Unternehmen namens P50Cars, das den P50 baut. Die Preise starten bei 11.500 Pfund (ohne Steuern) für die Elektroversion und gehen bis 15.000 Pfund für die zweifarbige Variante mit 125-Kubik-Motor. Sie schafft 55 Meilen pro Stunde (88 km/h). Sogar ein offener P50 ist im Angebot, auch der Trident feiert sein Comeback.

Bildergalerie: Peel P50

Quelle: Peel Engineering