Kommt nach Corona die Abwrackprämie zurück?

Die Autoindustrie hat wegen der Corona-Krise eine Vollbremsung vollzogen. Das trifft neben den Herstellern auch Zulieferer und Händler, aber auch zum Beispiel die Stahlproduzenten. Wenn die Produktion reibungslos wieder anlaufen soll, muss die ganze Wertschöpfungskette wieder funktionieren, sagte nun VDA-Chefin Hildegard Müller gegenüber FAZ.net.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) erhöht damit den Druck auf die Bundesregierung, eine Exit-Strategie auszuarbeiten. "In enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden brauchen wir den Hochlauf. Und dieser Hochlauf muss so schnell wie möglich und so verantwortbar wie nötig erfolgen", so Müller gegenüber der FAZ.

Der Hochlauf werde anspruchsvoll und benötige Zeit, so Müller. Die gesamte Kette "vom Eisenerz über die Stahlproduktion bis hin zu den vielen Zuliefererstufen" müsse dafür wieder in Gang gebracht werden, dazu auch die gesamte Logistik. Dazu zähle auch der reibungslose Güterverkehr über die Grenzen hinweg. Überdies müsste dann der Autohandel wieder erlaubt sein.

Noch stoßen die Forderungen der Wirtschaft bei der Bundesregierung auf taube Ohren. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt es nach wie vor ab, ein Datum für das Ende des Lockdowns zu nennen.

"Es wird Kaufanreize geben müssen." (Gerhard Wolf, LBBW-Analyst)

In das gleiche Horn wie der VDA stößt derweil ein Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Es bringt nichts, wenn in Deutschland die Werke wieder hochfahren, in Italien, Spanien und anderen Ländern die Zulieferer aber weiter Produktionsstopp haben", so Gerhard Wolf, Autoanalyst bei der LBBW laut FAZ.net

Außerdem müsste auch die Nachfrage wieder angekurbelt werden: "Es wird Kaufanreize geben müssen", sagte Wolf und erinnerte an die Abwrackprämie, die nach der Finanzkrise 2008/2009 eingeführt wurde. Diese staatliche Prämie von 2.500 Euro erhielten Käufer eines Neuwagens, wenn dafür ein altes Auto verschrottet wurde. 

Seit einige Tagen wird in Branchenkreisen auch über eine Abmilderung der CO2-Vorgaben der EU diskutiert, wie aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 2. April hervorgeht. VDA-Chefin Müller, aber auch Hersteller hätten sich dafür stark gemacht, so die SZ.

Nach einem Bericht von n-tv.de bezog sich Müller dabei aber nicht auf die 2018 verabschiedeten CO2-Ziele für 2021 und 2030, sondern darüber hinaus gehende Ziele. Der BUND warnte indes davor, die Corona-Krise auszunutzen, um beschlossene CO2-Ziele wieder zu streichen. Und eine eventuelle Abwrackprämie solle nicht gerade große Autos mit Verbrennungsmotor fördern, bat sich der Umweltverband aus.