Dieser Kombi hat das Lenkrad da, wo das Heck zu sein scheint

Ende der 50er-Jahre suchte Renault nach einem Nachfolgemodell für die Frégate, eine Limousine der oberen Mittelklasse, die es damals bereits seit fast zehn Jahren gab. Es entstanden mehrere originelle Lösungen, darunter das Concept 900, den wir dieses Mal in unserer Reihe "Vergessene Studien" vorstellen.

Name: Renault Concept 900

Premiere: 1959

Besonderheit: Durch das Vertauschen von vorne und hinten wurde der Einbau eines V8 möglich.

Renault Concept 900
Renault Concept 900
Renault Concept 900

Bilder: Emmanuel Touzot / Motor1.com

Der Konstrukteur, Fernand Picard, wollte die drei Jahre zuvor entstandene Designstudie der Dauphine weiterentwickeln. Er hatte ein Familienauto mit möglichst großem Innenraum im Sinn. So konzipierte er den Wagen als Kombi und vertauschte dann vorne und hinten. Vor allem platzierte Picard den Motor im Heck. Der 90-Grad-V8 hatte einen Hubraum von nur 1,7 Liter und entwickelte gerade mal 80 PS. Im V des Aluminium-Motors befanden sich sowohl die Ansaugrohre als auch die Abgasauslässe. Der Doppelvergaser kam von Solex oder Weber.

Renault Concept 900
Renault Concept 900

Bilder: Renault

Der Motor wurde bei den beiden hergestellten Prototypen unterschiedlich platziert. Beim ersten Exemplar wurde er im hinteren Überhang eingebaut, davor befand sich der Kofferraum. Um die Alltagstauglichkeit zu verbessern, konnte man die Rückbank zum Einladen des Gepäcks verschieben. Der zweite Prototyp übernahm die Heckantriebs-Lösung der Dauphine, bei der der Motor hinter den Rücksitzen oberhalb des Getriebes platziert war, während sich der Kofferraum im hinteren Überhang befand.

Renault Concept 900
Renault Concept 900
Renault Concept 900

Bilder: Bernard Asset

Aber nicht nur das Konzept war einzigartig, auch die Plattform war es. Obwohl der Wagen von der Dauphine inspiriert war, wurde das Chassis eigens für das Concept 900 entwickelt. Wegen der verschiedenen Motorpositionen gab es mehrere Karosserieversionen. Die erste stammte vom Turiner Karosseriebauer Ghia, die zweite vom französischen Designer André Daniel. Schließlich konzipierte Robert Barthaud noch eine dritte Version, einen Fastback mit einem viel stärker geneigten Heckfenster.

Renault Concept 900
Renault Concept 900

Bilder: Bernard Asset

Das Auto ist in vielerlei Hinsicht innovativ. Es hat eine Aluminiumkarosserie, die ein Gewicht von etwa einer Tonne ermöglicht. Die Lenksäule ist verstellbar, wodurch der Fahrer beim Einsteigen mehr Platz hat. Trotz aufwendiger Erprobung im Testzentrum in Lardy (30 Kilometer südlich von Paris) gelang es Renault nie, das Concept 900 sicher genug zu machen. Das lag vor allem daran, dass sich die Vordersitze direkt über der Vorderachse befanden.

Die Studie wurde von Designern erdacht, denen es vor allem um etwas Innovatives ging. Von der Serienproduktion hatten sie keine genauen Vorstellungen und sie besaßen auch kein Lastenheft. So ging die Entwicklung nie über die Designstudie hinaus. Schließlich konzipierte Renault die Estafette, den ersten Lieferwagen der Marke.