Der Speedtail ist der geistige Nachfolger des legendären McLaren F1. Ein sehr schneller Nachfolger

McLaren hat so eben seinen neuen King of Topspeed gekrönt: Sagen Sie Hallo zum Speedtail. Nicht nur aufgrund seiner monumentalen Höchstgeschwindigkeit von 403 km/h leitet das 1.97 Millionen Euro teure Hypercar eine neue Ära für den britischen Sportwagenhersteller ein.

Der Speedtail ist quasi der inoffizielle Nachfolger des legendären McLaren F1. Angesiedelt ist er dort, wo die automobile Luft ganz besonders dünn wird. Einer der Hauptkonkurrenten ist sicher der Bugatti Chiron. Während der 1.500 PS starke Elsässer für seine völlig entfesselte Dynamik aber auf rohe Kraft setzt, vertraut der neue Mega-Mac in großen Teilen auf aerodynamischen Einfallsreichtum (keine Sorge, auch der Speedtail hat Power wie drei Atomkraftwerke).

McLaren Speedtail

Ein bisschen sieht er ja aus wie ein Volkswagen XL1 auf Anabolika. Hat natürlich alles seinen Sinn. Die ellenlange Kohlefaser-Karosserie (5,14 Meter) des Speedtail wurde so konzipiert, dass sie mit minimalem Aufwand durch die Luft schneidet. Seine Tropfenform bildet die Basis für eine glänzende Aerodynamik, aber in diesem Fall sind es eher die kleinen Details die ihn wirklich herausstechen lassen, die zeigen, welch ein Entwicklungs-Kraftakt in ihm steckt. So tragen beispielsweise die Vorderen 20-Zöller statische Carbon-Radabdeckungen, die Turbulenzen um die vorderen Radkästen herum verringern sollen. Nicht gerade ein Ausbund an Sexyness, aber wenn es der Leistung hilft, wollen wir nicht meckern.

Dazu tauscht der Speedtail traditionelle Rückspiegel gegen ein Paar einziehbare Digitalkameras. Wählt man den neuen, komplett auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegten "Velocity"-Modus an, verschwinden die Kameras in den Türen und das Fahrzeug wird um 35 Millimeter abgesenkt, um die Aerodynamik weiter zu verbessern.

Ebenfalls ziemlich beeindruckend: Die zwei aktiven Querruder am Heck des Speedtail. Dank der Verwendung von flexibler Kohlefaser sind die hydraulisch betätigten Winglets tatsächlich Teil des Speedtail-Bodys und keine einzelnen Komponenten. Die Karosse dieses McLaren kann sich also buchstäblich verbiegen. Die Toleranz zwischen den Oberflächen soll lediglich einen Millimeter betragen. Die Querruder sollen den erforderlichen Abtrieb genau dort bereitstellen, wo er am dringendsten benötigt wird. Wird gebremst, dienen sie als Bremsklappen, bei hoher Geschwindigkeit erhöhen sie die Stabilität. 

Den Antrieb im neuen Speedtail übernimmt ein nicht näher spezifizierter benzin-elektrischer Hybrid mit einer Leistung von 1.050 PS. Er morpht den trocken gerade mal 1.430 Kilo schweren Schlauch in schwer zu fassenden 12,8 Sekunden von 0 auf 300 km/h. Damit ist der Speedtail 3,7 Sekunden schneller als ein McLaren P1. Offizielle Infos zum Antrieb gibt es bisher nicht, wir vermuten aber, dass es sich um eine Variante des 800 PS starken 4,0-Liter-Biturbo-V8 aus dem Senna handelt,  den man ähnlich wie beim P1 elektrifiziert hat. Die Reifen kommen übrigens von Pirelli. Die P-Zeros wurden extra für den Speedtail entwickelt.

McLaren Speedtail

Wie beim glorreichen F1 aus den 90ern stellt McLaren auch beim neuen Speedtail den Fahrer ins Zentrum. Sprich: Als Pilot sitzen sie vorne mittig und allein in dieser tropfenförmigen Kabine. Na gut, nicht ganz allein ... links und rechts von der Kommandozentrale befinden sich die Sitze für die Passagiere zwei und drei. Für Gepäck hat McLaren Platz in der Nase und im Heck des Autos geschaffen. Speedtail-Besitzer erhalten zum Auto auch ein maßgeschneidertes Gepäckset, dessen Carbon-, Metall- und Lederoberflächen auf das Außendesign des Fahrzeugs abgestimmt sind.

Das Interieur selbst wirkt so opulent und "oben drüber", wie man es bei einem Auto mit dicke siebenstelligem Preisschild erwartet. Ein gebogenes Panel mit Touchscreens umgibt das Dreispeichen-Lenkrad. Die Tasten zur Steuerung von Fensterhebern, Fahrdynamik-Programmen und Co findet man an der Decke des Autos. Elektrochromes Glas ermöglicht es den Insassen, die Lichtmenge zu kontrollieren, die in die Kabine gelangt. Und das auch auf der Windschutzscheibe, wo das Zauberglas anstelle von herkömmlichen Sonnenblenden verwendet wird.

Der McLaren Speedtail ist sehr anders, sehr distinguiert und unglaublich speziell. Er bietet lächerliche Mengen an Leistung, modernste Technologien und er wird in den Straßen von London, Dubai, Shanghai oder Los Angeles auffallen, wie kaum ein anderes Gefährt. Zu schade, dass McLaren nur 106 Speedtails bauen wird. Und bitte, liebe ultrareiche Motor1.com-Leser, machen Sie sich keine Hoffnungen, denn natürlich sind alle längst weg. Die paar Glücklichen, deren Name es auf die Speedtail-Liste geschafft hat, können Anfang 2020 mit der Auslieferung ihres windschlüpfrigen Hypercars rechnen.

 

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