Alternative zu Mais, Getreide und Zuckerrüben: GM propagiert Zellulose als Quelle

Bioethanol als Kraftstoff hatte in letzter Zeit eine eher schlechte Presse – unter anderem wegen der so genannten Tortilla-Krise: Weil die US-Amerikaner ihren Biosprit aus Mais machen, sind die Preise für das Nahrungsmittel in Mexiko so stark gestiegen, dass Arme das Grundnahrungsmittel kaum mehr bezahlen können. Bioethanol aus Nahrungsmitteln ist also nicht immer die beste Lösung zur Lösung des CO2-Problems. Besser hört sich an, was General Motors nun propagiert: die Herstellung aus Zellulose. Die Hintergründe erklärte der Autohersteller nun bei einer Veranstaltung in einer Zellulose-Ethanol-Fabrik in Lake Odessa im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan.

,Grassoline" aus Stängeln, Spänen oder Gras
Maisstängel, Sägespäne oder auch einfach Gras, wie es beim Rasenmähen anfällt, könnten als Zellulosequellen dienen. "Ich nenne den Zellulose-Ethanol gerne 'grassoline', weil er buchstäblich aus Gras gewonnen werden kann", sagt der Biomasse-Forscher Bruce E. Dale von der Michigan State University. Das Wortspiel "Grassoline" kombiniert die englischen Wörter für Gras (grass) und Benzin (gasoline). Die Pflanzenmaterialien können ohne hohe Kosten in Zellulose-Ethanol umgewandelt werden, so GM. Allerdings nicht ganz so einfach wie bei der Gewinnung aus Mais. Bei der Gewinnung aus Zellulose-Quellen muss ein Zwischenschritt eingeschoben werden, bei dem die Zellulose in Zuckermoleküle aufgespaltet wird. Dieser Schritt ist bei Mais nicht notwendig, da das Nahrungsmittel den für die Ethanolherstellung benötigten Zucker schon enthält.

Bis zu 30 Prozent des Sprits aus Biomasse
Der Zellulose-Alkohol könnte zusammen mit Ethanol aus Mais im Jahr 2030 bis zu 30 Prozent des US-Spritbedarfs decken. Das hat das vom US-Energieministerium betriebene National Renewable Energy Laboratory (NREL) errechnet. Zellulose-Ethanol könnte in nächster Zukunft für etwa 1,30 US-Dollar pro Gallone produziert werden, was etwa 0,25 Euro pro Liter entspricht. Bis 2020 könnte der Preis auf etwa einen Dollar pro Gallone oder 0,20 Euro pro Liter fallen.

Weniger Kohlendioxid
Als Treibstoff soll Bioethanol, also aus Biomasse hergestellter Alkohol, die Kohlendioxidemissionen senken. Zwar enthalten die Abgase des Fahrzeugs annähernd gleich viel Kohlendioxid wie bei Verbrennung von konventionellem Benzin. Aber die Pflanzen haben ja bei ihrem Wachstum auch viel Kohlendioxid aus der Luft aufgenommen. Die Gesamtbilanz könnte deshalb günstiger sein als bei der Verwendung von Benzin oder Erdgas. Strittig ist allerdings, ob bei Einbeziehung aller Prozesse von der Erzeugung der Biomasse – unter Einsatz dieselbetriebener Traktoren – bis zur Destillation des Ethanols die Gesamtbilanz immer noch positiv ist.

USA: Schon mehr als zwei Millionen E85-Autos
Mehr als zwei Millionen Bioethanol-Fahrzeuge aus dem General-Motors-Konzern fahren bereits auf amerikanischen Straßen. Etwa 400.000 Fahrzeuge kommen jedes Jahr hinzu. Bis 2012 soll die Hälfte der von GM produzierten Autos mit Bioethanol fahren können – vorausgesetzt, der Kraftstoff E85 wird bis dahin in ausreichender Menge produziert und auch an den Tankstellen angeboten. In Europa bietet die GM-Tochter Saab den Mittelklassewagen 9-5 in einer bioethanoltauglichen Version an.

Bildergalerie: Sprit aus Gras