Erhellung bei Mercedes: Von der Kerzenlampe zum Autobahnlicht

Die Geschichte des Autoscheinwerfers beginnt mit der Geschichte des Automobils: Es galten Kutschenmaßstäbe. Das bedeutete: Laternen mit Kerzen galten bereits als fortschrittlich, wenngleich sich der Fahrer im Kerzenschein buchstäblich durch die Nacht tasten musste. Folglich zogen die Automobilisten die logische Konsequenz und ließen ihre Motorkutschen bei Dunkelheit besser zu Hause.

Licht aus Karbid: 35 Liter Gas pro Stunde
Die Methode, mit der die Autoscheinwerfer die nächtlichen Wege erhellten, blieb den eigenen Vorlieben überlassen. Neben Kerzen leuchten den Automobilisten auch Petroleumlampen und Acetylenbrenner heim. Vor allem die Acetylenscheinwerfer – besser als Karbidlampen bekannt – galten als zukunftsweisend, verbrauchten jedoch pro Stunde bis zu 35 Liter Gas.

Elektrolampen: Dynamo als Energiequelle
Abhilfe schafften elektrische Scheinwerfer mit Batterie, mit denen Mercedes-Modelle ab 1910 ausgerüstet wurden. Dabei war diese Art der Beleuchtung keineswegs unproblematisch. Um Licht zu erzeugen, war Strom notwendig, den die Batterie aber nur für kurze Zeit liefern konnte. Den Durchbruch erzielten die elektrischen Scheinwerfer deshalb erst, als Dynamos den benötigten Strom erzeugten.

1913: Bosch-Licht
Im Jahre 1913 dachte die schwäbische Firma Bosch diesen Gedanken zu Ende und brachte das ,Bosch-Licht" auf den Markt. Als komplettes System ersparte es dem Kunden, Scheinwerfer, Lichtmaschine und Lichtmaschinen-Regler mühevoll als Einzelteile zu kaufen. Elektrische und petroleum- oder acetylenbetriebene Scheinwerfer existierten bis nach dem Ersten Weltkrieg nebeneinander. Erst in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts setzte sich die Elektrik in der Automobiltechnik durch.

Bilux-Lampe: Eine für alles
Im Jahre 1924 ersann der Lampenspezialist Osram die Zweifaden-Glühlampe: Sie vereinte Abblend- und Fernlicht in einem Reflektor. Die Lampe erzeugte zwei verschieden starke und unterschiedlich geneigte Strahlenbündel und brachte als so genannte Bilux-Lampe Licht ins Dunkel. 1956 entwickelten die Ingenieure eine neuartige, asymmetrische Lichtverteilung mit nach rechts ansteigender Hell-Dunkel-Grenze.

Halogentechnik: Lichtleistung verdoppelt
1962 feierten die Halogen-Glühlampen als H1-Lampe ihr Debüt in Zusatzscheinwerfern von Hella. In die Hauptscheinwerfer hielt diese Lampentechnik drei Jahre später Einzug: Ab 1965 machte ein Bi-Focus-Reflektorsystem mit zwei H1-Glühlampen für Abblend- und Fernlicht den bisherigen Bilux-Lampen Konkurrenz. Vorteil: Die Halogenlampen verloren ihre Leuchtkraft nicht mit zunehmenden Betriebsstunden. Erst die Zweifaden-Halogen-Glühlampe mit der Bezeichnung H4 brachte den Durchbruch. Sie trug im Innern zwei Glühwendeln; eine Kalotte schirmte die obere Wendel als Abblendlicht ab. 1971 wurden die ersten Hauptscheinwerfer mit der H4-Zweifadenlampe ausgerüstet.

Projektionsscheinwerfer: Licht aus der Linse
Aber nicht nur die Lampentechnik entwickelte sich weiter, auch die Form der Scheinwerfer und Reflektoren erlebte mehr als einen Wandel. Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts leuchteten die ersten rechteckigen Scheinwerfer die Fahrbahn aus. Und 1983 brachte der DE-Projektionsscheinwerfer einen großen Fortschritt. Er bringt das Licht nach dem Prinzip eines Diaprojektors auf die Straße und erzielt auf diese Weise bei kleinerer Austrittsfläche eine wesentlich höhere Lichtausbeute.

Xenon: Licht aus Gas
Noch mehr Licht ins Dunkel brachte jedoch eine Erfindung, die Mercedes-Benz 1991 erstmals präsentierte: Xenon-Scheinwerfer mit Gasentladungslampen. In ihren Quarzglaskörpern dienen das Leuchtgas Xenon und Spuren verschiedener Metallsalze als Lichtquelle. Ein elektronisches Vorschaltgerät erzeugt durch einen kurzzeitigen Spannungsimpuls einen Plasma-Lichtbogen zwischen den Elektroden der Lampe. Dieser Lichtbogen ersetzt die Glühwendel der bisherigen Lampen.

Bi-Xenon: Fern- und Abblendlicht
1999 gingen die Bi-Xenon-Lampen erstmals in Serie. ,Bi-Xenon" bedeutet, dass Scheinwerfer mit Gasentladungslampen nicht mehr nur als Abblendlicht fungieren, sondern auch für den Hauptbestandteil des Fernlichts zuständig sind. Beim Umschalten auf Abblendlicht schiebt sich eine Blende in das Lichtbündel des Fernlichts und deckt einen Teil davon ab. Innovationen wie Kurven- und Abbiegelicht zählen zu den weiteren Highlights der Lichtentwicklung.

Intelligent Light System ab 2006
Das Kurven- und Abbiegelicht bündelt Mercedes-Benz ab 2006 zusammen mit drei neuen Lichtfunktionen zu einem Paket: dem Intelligent Light System. Die E-Klasse ist das erste Automobil mit dieser Technik. Ihre intelligenten Autoscheinwerfer passen sich der jeweiligen Fahr- oder Wettersituation an. Neben dem Kurven- und Abbiegelicht beinhaltet das System ein neu entwickeltes Landstraßenlicht, ein weit reichendes Autobahnlicht und ein erweitertes Nebellicht.

Es werde Licht