TU-Passat ist selbstständig unterwegs – auch Google fährt autonom

Das Ereignis war sogar der altehrwürdigen 20-Uhr-Tagesschau eine Meldung wert: Erstmals fuhr ein Fahrzeug automatisch im alltäglichen Stadtverkehr. Der entsprechend ausgerüstete VW Passat hört auf den Namen Leonie und ist im Rahmen des Forschungsprojekts ,Stadtpilot" der TU Braunschweig unterwegs.

Selbstständig über den Stadtring
Bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h kann ,Leonie" auf der zweispurigen Fahrbahn des Braunschweiger Stadtrings die Spur halten, Kreuzungen berücksichtigen, Hindernisse beachten sowie Abstände und Geschwindigkeiten dem fließenden Verkehr anpassen. Während der Fahrt war ein Sicherheitsfahrer, der notfalls eingreifen kann, an Bord. Ein weiterer Fahrer gibt derzeit noch die Ampelphase ein, die vom Fahrzeug noch nicht erkannt wird. Das Land Niedersachsen hat eine Ausnahmegenehmigung für die Fahrten im Stadtverkehr erteilt. ,Leonie" ist ein VW Passat Variant 2.0 TDI. Via Satellitenortung kann der Wagen seine Position im Straßenverkehr berechnen. Verschiedene Laserscanner und Radarsensoren sorgen dafür, dass der Kombi sein Umfeld jederzeit wahrnehmen und dann im Rechner weiterverarbeiten kann.

Auf dem Weg zum realen Verkehr
Bereits im Jahr 2007 hatte die TU Braunschweig mit dem VW Passat Variant ,Caroline" an der Urban Challenge, dem weltweit wichtigsten Wettbewerb für autonome Fahrzeuge teilgenommen und war einer von elf Finalisten. Organisiert wird die Urban Challenge von der DARPA, einem Zweig des US-Verteidigungsministeriums. ,Der Sprung von ,Caroline" zu ,Leonie" ist groß", erläutert TU-Professor Markus Maurer. ,Es gilt nun, das reale Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Wir haben es mit vielfältigen Verkehrsteilnehmern zu tun, die unterschiedlich und manchmal sogar regelwidrig fahren." ,Leonie" muss ihre Umwelt sehen, ,sie muss Entscheidungen treffen und alleine Gaspedal, Bremse und Lenkrad bedienen", so Projektleiter Jörn Marten Wille. Das Ziel des Projekts ,Stadtpilot" in den nächsten Jahren ist es, den Braunschweiger Stadtring vollständig autonom umfahren zu können.

Google: Die Konkurrenz aus Kalifornien
Nicht nur in Niedersachsen wird am autonomen Auto geforscht. So arbeitet Mercedes bereits mit ähnlicher Technik, um neue Modelle zu erproben und die Testfahrer zu entlasten. BMW entwickelt ein System, bei dem das Auto bei einem Ausfall des Fahrers, etwa durch Herzinfarkt, selbstständig auf den Seitenstreifen lenkt und dort hält. Zeitgleich mit dem Braunschweiger Erfolg teilte Google mit, dass autonome Autos des Unternehmens bereits über 140.000 Meilen durch Kalifornien gefahren seien. Federführend dabei ist Professor Sebastian Thrun von der Stanford University. Im Jahr 2005 entwickelte er gemeinsam mit dem Volkswagen Electronics Research Laboratory (ERL) in Palo Alto den ,Stanley", einen vollautomatischen VW Touareg. Ohne menschlichen Eingriff kam Stanley damals bei der DARPA Challenge nach 212 Kilometern durch die Mojave-Wüste südlich von Las Vegas ins Ziel. Das Google-Team von Thrun speist sich aus ehemaligen Teilnehmern der Challenge, darunter Anthony Levandovski, der das erste autonome Motorrad entwickelte. Die Google-Autos setzen auf Videokameras, Radarsensoren und Laserscanner, um den Verkehr zu erkennen. Hinzu kommt Kartenmaterial aus dem Google-Bestand, zudem fährt stets zur Sicherheit ein Mensch mit.

Warum autonomes Fahren?
Google gibt bereits eine Aussicht auf die Zukunft der autonomen Technik. Die Amerikaner sehen hierin das Potenzial, die Zahl von bislang 1,2 Millionen Verkehrstoten weltweit pro Jahr mehr als halbieren zu können. Neben dem Punkt der Sicherheit geht es zudem um Umweltaspekte. Autonome Autos machen nicht nur Sinn beim Car-Sharing, es könnten zudem ,highway trains" zusammengestellt werden, also Autos, die mit gleichem Abstand und gleicher Geschwindigkeit auf Schnellstraßen unterwegs sind. Zu guter Letzt spielt auch der Erholungsaspekt eine Rolle. Laut dem US-Verkehrsministerium wenden US-Bürger jeden Tag 52 Minuten für den Arbeitsweg auf. Mit einem autonomen Auto könnte diese Zeit für andere Tätigkeiten genutzt werden, etwa die Arbeit mit einem Laptop im Fahrzeug.

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