Der neue Mercedes SLK 55 AMG kommt mit Zylinderabschaltung

Eines ist für AMG-Chef Ola Källenius völlig klar: ,Der beste Platz in einem AMG ist vorne links". Doch pure Kraft und maximaler Fahrspaß sind mittlerweile nicht mehr die einzigen Ziele der Mercedes-Sportwagenschmiede. Im Fall des nächsten SLK 55 AMG heißt das neue Zauberwort Effizienz.

Ein offenes Geheimnis
Bilder des künftigen SLK-Spitzenmodells werden noch nicht herausgerückt, allerdings konnten wir bereits einen ersten Blick auf den kräftigen Roadster werfen. Optische Highlights sind die geänderten Stoßfänger, hinzu kommen vier markante Endrohre. Der schwarz lackierte Einsatz unterhalb des vorderen Kennzeichens zeigt Parallelen zum C 63 AMG Coupé. Direkt neben den bulligen Felgen prangt ein ,V8 AMG"-Schriftzug auf dem Kotflügel. In eben diesen Achtzylinder haben die Entwickler viel Gehirnschmalz investiert, um ihn zum ,effizientesten V8 auf der Welt" zu machen, wie Friedrich Eichler, Leiter der Abteilung Triebstrang, sagt.

Mehr Power, weniger Durst
Wir werfen zunächst einen Blick auf die Grunddaten des Aggregats mit der internen Bezeichnung M 152: Der Saugmotor basiert auf dem 2010 vorgestellten 5,5-Liter-Biturbo namens M 157, der unter anderem im E 63 AMG zum Einsatz kommt. Zahlreiche Komponenten wie der Hubraum, das Bohrung-Hub-Verhältnis, der Zylinderabstand und die Direkteinspritzung übernimmt der M 152 vom stärkeren Bruder. Unterschiede gibt es zum Beispiel bei der Ansaugluftführung und den Zylinderköpfen. Dennoch wird der künftige SLK 55 AMG richtig Pfeffer unter der Haube haben: Die Leistung steigt gegenüber dem Vorgänger um 62 PS auf 422 Pferdestärken, das maximale Drehmoment legt auf 540 Newtonmeter zu. Bemerkenswert ist vor allem der Verbrauch, mit 8,5 Liter auf 100 Kilometer wurde der Durst um 3,5 Liter gekappt. Das macht 199 Gramm CO2 pro Kilometer und Ola Källenius stolz: ,Für uns fühlt es sich wie ein 99-Gramm-Auto an".

Zylinder in Teilzeitarbeit
Um diese Werte zu erreichen, haben sich die AMG-Ingenieure einiges einfallen lassen. Dazu zählen eine Benzin-Direkteinspritzung mit 200 bar Druck und eine Siebengang-Automatik plus Start-Stopp-System. Das wichtigste Element ist eine aus der Formel 1 übernommene Idee: die Zylinderabschaltung. Im Teillastbereich werden die Brennräume zwei, drei, fünf und acht des M 152 abgeschaltet. Möglich machen das unter anderem 16 hydraulisch schaltbare Ausgleichselemente in den Zylinderköpfen. Sie halten die jeweiligen Ein- und Auslassventile geschlossen. Zudem werden Kraftstoffzufuhr und Zündung deaktiviert, um Ladungswechselverluste zu reduzieren. Zwischen 800 und 3.600 Umdrehungen pro Minute ist ein Betrieb mit vier Töpfen möglich, wenn das Getriebeprogramm C (Controlled Efficiency) gewählt wird. Zur Verfügung stehen dann immer noch 230 Newtonmeter Drehmoment. Im Kombiinstrument wird der Fahrer informiert, ob die Abschaltung aktiv ist und wie viele Zylinder gerade in Betrieb sind. Der Übergang von halber zu voller Power soll sich in 30 Millisekunden vollziehen.

Was ihr wollt
Wer angesichts dieser ganzen Sparmaßnahmen befürchtet, dass der Fahrspaß flöten geht, kann beruhigt werden. Wählt der Pilot die Programme Sport (S) oder Manuell (M), bleiben Start-Stopp und Zylinderabschaltung außer Funktion. Auch im C-Modus können beide Systeme per Tastendruck deaktiviert werden. Damit der Klang beim neuen SLK 55 AMG nicht zu kurz kommt, setzt das Unternehmen erstmals eine Sportabgasanlage mit je einer Abgasklappe pro Seite ein. Abhängig vom Lastbereich und der Drehzahl öffnen sich die Klappen immer weiter. Die Bandbreite der Tonleiter soll dabei von dezent bis kräftig reichen.

Manche mögens grün
Freunde des Super-SLK müssen sich allerdings noch bis September 2011 gedulden, dann debütiert der Roadster auf der Frankfurter Automesse IAA. Bis dahin könnten potenzielle Kunden sich die Zeit im Affalterbacher AMG-Musterraum vertreiben. Gemeinsam mit dem neuen Markenbotschafter David Coulthard staunen wir über die fast unendliche Vielfalt an Stoffen, Lacken und Dekoreinlagen. Ob hellgrünes Leder oder blaue Karbonleisten: Nichts ist unmöglich, sofern der Kunde zahlt. Rund fünf Prozent aller AMG-Kunden wählen die individuelle Veredelung. In Kürze dürften neue Fans hinzukommen, wenn die ersten reinen AMG-Händler in Peking und Hongkong starten.

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