Unterwegs im neuen BMW-Dreizylinder-Benziner

Leichter, sparsamer, aber trotzdem nicht spaßfrei: Das ist die Strategie, mit der BMW seit 2007 seine Fahrzeuge entwickelt. ,EfficientDynamics" lautet das Zauberwort, unter dem an neuen Materialien und Antrieben geforscht wird. Natürlich nicht uneigennützig, man denke nur an die strengen EU-Vorgaben zur Senkung des CO2-Ausstoßes. In diesem Zusammenhang wird den BMW-Fans bald ungewohnte Kost serviert: In den nächsten Jahren werden auch Fahrzeuge mit Frontantrieb und Dreizylindermotoren von den Bändern rollen. Einen ersten Vorgeschmack auf den Dreizylinder konnten wir schon jetzt bekommen.

Weniger ist mehr
Erinnern Sie sich noch? Anno 1955 erklärte DKW, dass ihr neuer Dreizylinder-Zweitakter so laufruhig sei wie ein Sechszylinder. Die Formel lautete ,3=6". Der Zweitakter ist natürlich längst Vergangenheit, die Gleichung hingegen nicht. Aktuell kommt der Dreizylinder wieder verstärkt in Mode. Vorbei die Zeiten, als nur in Kleinstwagen aus Platzgründen ein Trio unter der Haube rasselte. Ford nennt seinen aufgeladenen Dreizylinder ,EcoBoost" und setzt ihn künftig mit 120 PS Leistung sogar im neuen Mondeo ein. Weniger Zylinder gleich weniger Hubraum gleich weniger Verbrauch lautet die Devise hinter dem Kampfbegriff ,Downsizing". BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess fasst die Vorgabe in konkreten Zahlen zusammen: Gegenüber 2008 will das Unternehmen bis 2020 den Verbrauch respektive CO2-Ausstoß seiner globalen Modellpalette um 25 Prozent senken.

Drei Halbe, bitte!
Ein wichtiger Baustein, um dorthin zu kommen, ist die komplett neue Motorenfamilie, deren prominentestes Mitglied nur drei Zylinder hat. Grundlage hierfür ist ein einheitliches Konstruktionsprinzip in Reihenanordnung. Der Grundmotor basiert auf optimierten Zylindern mit Einzelhubräumen von 500 Kubikzentimeter. Dieser Wert ist natürlich nicht entstanden, weil er in Münchner Wirtshäusern als ,Halbe" ausgeschenkt wird. Vielmehr stellt er für BMW das thermodynamische Optimum für den Einsatz im Pkw dar. Der neue Dreizylinder bietet also 1,5 Liter Hubraum, der Vierzylinder zwei Liter und mit sechs Töpfen sind es drei Liter. Die Zylinderleistung der Benziner liegt zwischen 30 und 55 Kilowatt, also etwa 42 bis 75 PS, das maximale Drehmoment zwischen 60 und 80 Newtonmeter. In Diesel-Ausführung sind es pro Zylinder 20 bis 45 Kilowatt (27 bis 61 PS) und 75 bis 110 Newtonmeter. Rechnen wir kurz zusammen: Ein Dreizylinder könnte bei BMW also zwischen 122 und 225 PS haben. Die Maschine, die wir erproben dürfen, liegt mit 130 Kilowatt und 177 PS in der Mitte und damit auf dem Niveau des aktuellen 118i.

Geladene Einheit
Was macht das Trio unter der Haube so stark? Erster Baustein ist die variable Ventilsteuerung namens ,Valvetronic". Sie nutzt in ihrer neuesten Ausführung eine präzise Mechanik mit Exzenterwelle, um den Ventilhub auf der Einlassseite zu variieren. Weil damit die Regelung der benötigten Luftmasse innerhalb des Motors stattfindet, können die Drosselverluste beim Ladungswechsel reduziert werden, was Sprit spart. Der neue Dreizylinder nutzt die gleiche Technik wie der TwinPower-Turbo-Sechszylinder aus dem BMW 335i. Damit weist auch die halbe Portion sowohl Direkteinspritzung als auch einen Turbolader mit zwei Abgaseinströmöffnungen (deshalb TwinPower) auf. Soweit, so gut, aber wie steht es mit der Laufruhe eines solchen Motors? Laut BMW ist der Dreizylinder frei von Massenkräften der ersten und zweiten Ordnung. Das im Vergleich zum Sechszylinder erzeugte geringe Wankmoment wird durch eine Ausgleichswelle eliminiert. Zusätzlich gibt es Drehschwingungstilger, die nach dem Prinzip des Fliehkraftpendels arbeiten.

Schöne Töne
Und wie klingt der BMW-Dreizylinder nun in der Realität? Für eine erste Probefahrt haben die Entwickler ihr Baby in einen 1er mit Acht-Stufen-Automatik gebaut. Bei dieser Modellreihe dürfte auch die Obergrenze für den Einsatz des kleinen Motors liegen, für einen 5er käme er nicht in Frage, wie uns klar gesagt wird. Los geht's, im Stand ist das Aggregat kaum wahrnehmbar. Beim Gasgeben ist ein typischer Dreizylinder-Sound zu hören, der aber nicht unangenehm auffällt. Insgesamt ist die Tonlage eher tief mit manchmal fast dieseliger Note. Eine Überraschung gibt es in hohen Drehzahlbereichen: Hier hört man entfernt sogar einen turbinenartigen Klang heraus. Nebeneffekt der kompakten Baugröße des Dreizylinders: Der Test-1er lässt sich sehr agil im Slalom bewegen.

Gleich geht es weiter
In der Serie soll der Motor nochmals diskreter klingen, unterstreichen die BMW-Experten. Apropos Serie: Durch den neuen Motorenbaukasten sind höhere Stückzahlen möglich, zugleich sinken die Produktionskosten. Innerhalb der Benziner- respektive Dieselfamilie steigt der Anteil der Gleichteile auf bis zu 60 Prozent. Die baulichen Übereinstimmungen zwischen Benzin- und Dieselmotoren betragen rund 40 Prozent. Die Drei- und Vierzylinder der neuen Familie sind sowohl für den Längs- als auch für den Quereinbau in künftigen BMW- und Mini-Modellen geeignet.

In Serie ab 2013
Wo werden wir den Dreizylinder ab 2013 wiedersehen? Aus Gründen der Standfestigkeit dürfte die Obergrenze bei etwa 140 PS liegen. Eine Ausnahme macht ab Anfang 2014 der BMW i8 mit Plug-in-Hybrid, bei dem der Dreizylinder über 200 PS bereitstellen soll. Als gesetzt für den neuen Motor gelten bereits das Serienmodell der Studie Concept Active Tourer und der neue Mini, die beide Ende 2013 auf den Markt kommen.

Gallery: Drei gleich sechs