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Nach zehn Jahren ist es aus mit dem Stier
Produktionsende für den Lamborghini Gallardo

Stefan Leichsenring 
Von: Stefan Leichsenring
28. Nov. 2013 um 11:42 Uhr
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Sant'Agata Bolognese (Italien), 28. November 2013 – Eine klassische Corrida de toros wird beendet, indem der Matador dem Stier seinen Degen von oben herab, zwischen den Schulterblättern hindurch, direkt ins Herz stößt. Nicht ganz so dramatisch geht es zu, wenn ein Auto mit Stier auf der Haube ausläuft: Es rollt einfach das letzte Exemplar vom Band. So ging es nun dem Lamborghini Gallardo. Zehn Jahre nach der Präsentation auf dem Genfer Autosalon 2003 wurde die Produktion des Supersportlers eingestellt. Das letzte Exemplar ist ein LP 570-4 Spyder Performante in Rot, und er geht an einen privaten Sammler.
Garant größerer Stückzahlen
Verkauft wurde der Gallardo in mehr als 45 Länder der Erde. Mit genau 14.022 Exemplaren ist er der mit Abstand meistgebaute Lamborghini und markiert eine Zeitenwende bei der italienischen Marke. Denn in den ersten vier Jahrzehnten der Lambo-Geschichte, die 1963 begann, wurden im Durchschnitt gerade mal 250 Lamborghini pro Jahr gebaut. Auch mit der Übernahme durch Audi im Jahr 1998 änderte sich daran zunächst wenig. Vom ersten Modell der Audi-Ära, dem im Jahr 2001 gestarteten Murciélago, wurden in der gesamten, neunjährigen Produktionszeit nicht mehr als 4.099 Stück hergestellt, also durchschnittlich rund 450 Stück pro Jahr. Im Jahrzehnt des Gallardo erreichte die Lamborghini-Produktion dann mit jeweils rund 2.000 Exemplaren jährlich eine völlig neue Dimension. Doch auch so blieb ein Lamborghini ein sehr exklusives Auto. Vom Porsche 911 beispielsweise werden alleine in Deutschland jährlich etwa 6.000 Stück verkauft, während der Gallardo gerade mal auf ein Prozent davon kommt.
Mit Donckerwolcke-Design und E-Gear
Der Gallardo wurde wie der Murciélago vom belgischen Designer Luc Donckerwolcke gestaltet. Er gab beiden eine außergewöhnliche, kantige Form, die zum Erfolg entscheidend beitrug. Zum Technologiekonzept des Einstiegsmodells gehörte konsequenter Leichtbau mit einem Aluminium-Spaceframe, aber keine Scherentüren wie beim Murciélago. Statt eines V12 wie im großen Bruder arbeitet im Gallardo ein Zehnzylinder. Neben Allradantrieb erhielt das Auto ein neues, sequenzielles Getriebe namens E-Gear, das wegen der Schaltpausen gelegentlich Kritik abbekam.
Zunehmende Versionsvielfalt
2005 erschien die offene Version des Gallardo, zwei Jahre später der Gallardo Superleggera. Letzterer legte mit reduziertem Gewicht, der auf 530 PS gesteigerten Leistung und dem puristischen Design die Messlatte noch ein Stück höher. Im Jahr 2008 erhielt das Auto ein Facelift und den Beinamen LP 560-4. Mit neuem Design an Front und Heck, einem neuen Triebwerk mit Benzin-Direkteinspritzung und 560 statt 500 PS ging das Auto erneut an den Start. Im Jahr 2010 folgte die Neuauflage der Leichtbau-Version unter dem Namen Gallardo LP 570-4 Superleggera mit inzwischen 570 PS, diesmal auch als offene Version Gallardo LP 570-4 Spyder Performante. 2011 folgte mit dem LP 550-2 ein Modell mit Heckantrieb. 2012 erhielt der Gallardo LP 560-4 noch einmal eine neue Optik: Er besitzt seither vorne einen großen mittleren Lufteinlass.
Der Nachfolger scharrt schon mit den Stier-Hufen
Wem die zahlreichen Spezialversionen und Sondermodelle noch nicht individuell genug waren, der konnte sich das Auto mit dem ,Ad Personam''-Programm maßschneidern lassen. Im Jahr des 50-jährigen Jubiläums von Automobili Lamborghini findet die Erfolgsstory des Gallardo mit dem Exemplar Nummer 14.022 nun ihren Abschluss. Damit ist von den seit der Unternehmensgründung 1963 insgesamt rund 30.000 gebauten Lamborghini fast jeder zweite ein Gallardo. Nachfolger des Gallardo wird schon Anfang 2014 ein neues Modell namens Cabrera, von dem bereits Erlkönige gesichtet wurden. Auch ihn soll es wieder mit Heck- und Allradantrieb geben, und natürlich wird die Leistung weiter steigen – man munkelt von 600 PS.
Bildergalerie: Es ist aus mit dem Stier
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