Neuer Unimog für den Schieneneinsatz

Vermutlich gibt es weltweit kein Fahrzeug, dass so vielseitig talentiert ist wie der gute alte Unimog. Und sollte sich irgendein Hersteller ernsthaft Hoffnungen auf eine Aufholjagd gemacht haben, dann kann er spätestens jetzt einpacken, denn Mercedes zeigt auf der Berliner Innotrans (für die nicht ganz so Gleis-affinen Leser: Das ist die internationale Leitmesse für die Eisenbahnbranche) den neuen Unimog U423. Und der zieht Züge. Auf echten Gleisen.

Zieht bis zu 1.000 Tonnen
Nach dem leicht absurden Smart Forrail haben wir es hier also bereits mit dem zweiten Mercedes-Zug innerhalb eines knappen Jahres zu tun. Auch wenn die Ab- und Aussichten des neuesten Unimog deutlich seriöser sein dürften. Angetrieben wird der Unimog mit langem Radstand von einem 5,1-Liter-Turbodiesel mit 231 PS und gut 900 Newtonmeter Drehmoment. Damit hat er offenbar genug Dampf im Kessel, um bis zu 1.000 Tonnen schwere Lasten zu ziehen. Sprich: Sie hängen diesem Unimog eine Million Kilo an den Haken und er braust völlig unbeeindruckt von Dannen. Möglich wird der irre Kraftakt durch das ,einzigartige Fahrwerkskonzept" mit permanentem Allradantrieb, einer Wandlerschaltkupplung und dem Antrieb auf der Schiene (über die Räder des Unimog).

Alles per Fernbedienung
Dank einer speziellen Waggonbremsanlage darf der Unimog auch ziemlich lange Züge ziehen. Alles bis zu 52 Waggonachsen ist machbar. Weiterer raffinierter Eisenbahn-Hightech umfasst absenk- und liftbare Bahnräder, die sogenannte ,Drehschemel-Schienenführung" für besonders enge Kurvenradien (zum Beispiel bei Straßenbahn-Gleisen), sowie eine Fernsteuerung, mit der sich der Mog auch von seiner ausgefahrenen Arbeitsbühne aus steuern lässt. Die Fahrgeschwindigkeit ist dabei stufenlos einstellbar. Die Maximal-Geschwindigkeit von 50 km/h würden wir allerdings nicht unbedingt empfehlen, wenn man sich gerade fachmännisch an einer defekten Oberleitung zu schaffen macht.

Jetzt auch mit Euro-5
Besonders wichtig ist Mercedes offenbar die hohe Wirtschaftlichkeit des neuen Bahn-Unimogs. Von günstigen Wartungskosten und geringem Kraftstoffverbrauch ist die Rede. Einen Wert nennt man nicht, bei 5,1 Litern Hubraum vermutlich aus gutem Grund. Allerdings gibt es weitere Vorzüge: Der Wechsel von Schiene auf Straße soll sehr fix vonstatten gehen, dank spezieller Felgen und Reifen kann der Unimog auf den verschiedensten internationalen Spurgrößen fahren und weil er neuerdings über eine Brandmelde- und Brandlöschanlage im Motorraum verfügt, darf er künftig sogar während des Fahrgastbetriebs in Tunneln eingesetzt werden. Der finale Schachzug, der dem neuen U423 auch international ,bahnbrechenden" Erfolg bescheren soll: Dank Euro-5-Norm kann er nun auch in außereuropäischen Märkten wie China oder Russland seine Arbeit verrichten.

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