Ultraleichter Raum-Blitz

Wenn der Italiener "in un baleno" sagt, dann meint er ,blitzschnell". Wie schnell das nun genau ist, hängt sicher von der Art des Italieners ab, von der Tageszeit, der Temperatur und so fort. Wenn wir hier ,in einem Baleno" sagen, dann meinen wir, dass wir im neuen Suzuki-Kleinwagen unterwegs waren. Wir haben den am 4. Juni 2016 startenden, neuen Polo-Konkurrenten getestet und herausgefunden, ob er tatsächlich so schnell ist, wie der Name nahe legt.

Zwei Motoren
Der stets fünftürige Baleno ist mit knapp vier Meter Länge der große Bruder des elf Zentimeter kürzeren Swift. In dem neuen Suzuki wird neben dem bekannten 1,2-Liter-Vierzylinder mit 90 PS ein neu entwickelter 1,0-Liter-Turbobenziner mit drei Zylindern angeboten. Der 111 PS starken Direkteinspritzer, ein Verwandter des 1.4 Boosterjet aus dem Vitara, steht mir für unseren Test zur Verfügung.

Anzeige für die g-Kräfte
Innen im Auto empfängt mich ein schwarzes Cockpit mit silbernen Akzenten. Die Materialien sind nicht hinterschäumt, und besonders die Plastikteile im Metall-Look wirken wenig wertvoll. Aber der Bereich um das Display in der Mittelkonsole strahlt mit seinem schwarzen Pianolack eine gewisse Eleganz aus, und die blauen Instrumentenskalen sind ein weiteres Plus. Eine nette Besonderheit ist auch das Farbdisplay dazwischen, das nicht nur Fahrdaten wie Verbrauch und dergleichen anzeigt, sondern auch Grafiken für Drehmoment, Leistung sowie Quer- und Längsbeschleunigung.

Gutes Beschleunigungsgefühl
Braucht man in einem Kleinwagen eine Anzeige für die auf den Fahrer einwirkenden g-Kräfte? In einem normalen Kleinwagen vielleicht nicht, aber in einem Suzuki mit dem Namen Blitz vielleicht? Mal sehen. Ich starte den Motor per Knopf und fahre los. Dank Turbo beschleunigt das Auto gut aus dem Drehzahlkeller heraus – gar kein Vergleich zu den Saugbenzinern, auf die sich Kleinwagenkäufer lange beschränken mussten. 170 Newtonmeter sind schon recht ordentlich, auch wenn etwa Audi im A3 1.0 TFSI aus dem gleichen Hubraum 250 Newtonmeter holt. Akustisch erfreut der Dreizylinder bei starkem Gaseinsatz ab etwa 4.000 Touren durch einen knurrigen, tiefen Ton, der richtig nach Motorsport klingt. Dieses Drehzahlniveau könnte auf deutschen Autobahnen durchaus öfter erreicht werden, wenn man sich mit den fünf Gängen an die Spitze von 200 km/h herantastet.

Weiches Fahrwerk, wenig Halt in den Sitzen
Wenig zum stürmischen Temperament des Baleno passt das weiche Fahrwerk. Zusammen mit den haltlosen Sitzen ergibt sich dadurch für die Frontinsassen oft eine erhebliche Schräglage, gerade wenn man auf den Serpentinen rund um das Montserrat-Massiv bei Barcelona unterwegs ist. Mich stört auch, dass ich auf dem nicht höhenverstellbaren Beifahrersitz schon auf das oberste Fünftel der Frontscheibe gucke – ich sitze zu hoch.

Viel Platz in Fond und Kofferraum
Ansonsten ist das Innenraumangebot eine Stärke des Baleno. Im Fond ist die Beinfreiheit für diese Klasse überragend, über dem Kopf ist sie immerhin klassentypisch. Der 355 bis 1.085 Liter große Kofferraum liegt im Konkurrenzvergleich ebenfalls gut, auch wenn der Rekord des Honda Jazz (354 bis 1.314 Liter) nicht wirklich gefährdet ist.

Eher mittelprächtiger Normverbrauch
Nicht ganz so gut schneidet der Baleno in puncto Sprintwert und Normverbrauch ab: Mit 11,4 Sekunden fährt er den meisten Konkurrenten hinterher. Und 4,5 Liter sind zwar nicht viel, aber im Vergleich zur Konkurrenz nur mittelprächtig. Ein Start-Stopp-System würde helfen. Laut Bordcomputer brauche ich trotz bergigem Fahrprofil und zügiger Fahrweise 5,8 Liter, also etwa 30 Prozent mehr – nach meinen Erfahrungen würde ich hinzufügen: ,nur" 30 Prozent mehr.

Der leichteste Kleinwagen auf dem Markt
Der nicht rekordverdächtige Normverbrauch ist umso erstaunlicher, als der Baleno mit 980 Kilo der leichteste Kleinwagen auf dem Markt ist. Schon Nummer zwei, der Mazda 2 mit 115-PS-Benziner, wiegt fast 100 Kilo mehr. Möglich macht das die ,New-Generation Platform" von Suzuki mit ihrer optimierten Struktur und hochfesten Stahlsorten. Wirft man eine Fondtür ins Schloss, merkt man dem Auto diese Leichtbauweise an. Nicht unbedingt dieser Leichtbauweise zuzurechnen ist jedoch das EuroNCAP-Crashtestergebnis: drei von fünf Sternen für den Basis-Baleno klingen nicht so toll. Allerdings haben die Crashexperten die Anforderungen auch immer wieder verschärft, gerade elektronische Assistenten werden immer wichtiger. Mit dem optionalen Antikollisionssystem ausgerüstet, erhält der Baleno schon vier Sterne. Auch hier wurde aber eine nicht optimale Entfaltung des Vorhangairbags bemängelt.

Hoher Basispreis
Ein wunder Punkt beim Baleno 1.0 Boosterjet ist der Preis. Der fällt mit 17.990 Euro schon arg hoch aus. Das liegt aber daran, dass es das Auto zum Start nur in der Topausstattung Comfort gibt – mit jeder Menge Sachen, die Kleinwagenfahrer in den meisten Fällen gar nicht brauchen, weil sie vor allem in der Stadt unterwegs sind, oder für die sie zumindest nicht gerne Geld ausgeben. Zur Serienausstattung des Comfort-Baleno gehört jede Menge Luxus: Klimaautomatik, Xenonscheinwerfer, Abstandstempomat und radarbasiertes Antikollisionssystem, Navigationssystem, Sitzheizung, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, Rückfahrkamera und noch einiges mehr.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Zu den Stärken des Baleno gehören das niedrige Gewicht, das gute Innenraumangebot und der angenehme Turbobenziner. Zu seinen Nachteilen zählen das zu weiche Fahrwerk, die sehr weichen Vordersitze und vor allem der hohe Basispreis. Letzterer kommt durch die reichhaltige Ausstattung zustande, für die sicher nur wenige Kleinwagenkunden zahlen wollen. So wie er jetzt ist, ist der Baleno 1.0 Boosterjet Comfort ein Auto für Leute, die eine gute Motorisierung wollen, aber nicht schnell in die Kurve fahren, für Leute, die eine hervorragende Ausstattung wollen, aber denen ein edler Innenraum unwichtig ist – eine ziemlich spezielle Zielgruppe.

    + schwungvoller Turbobenziner, gutes Innenraumangebot, sehr niedriges Leergewicht, umfangreiche Comfort-Ausstattung mit etlichen klassenuntypischen Extras wie Abstandstempomat

    - extrem hoher Basispreis, wenig Seitenhalt in den Sitzen, weiches Fahrwerk

  • Antrieb
    85%
  • Fahrwerk
    70%
  • Karosserie
    80%
  • Kosten
    70%

Preisliste


Suzuki Baleno 1.0 Boosterjet Comfort

Grundpreis: 17.990 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe 1.500 (6 Stufen)
Bildschirmnavigation Serie
Metalliclackierung 450
Leichtmetallfelgen Serie (16 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Abstandstempomat, radargestütztes Antikollisionssystem RBS Serie
Lichtsensor Serie
schlüsselloses Zugangs- und Startsystem Serie
Rückfahrkamera Serie
Sitzheizung vorne Serie
Kofferraum-Einlegeboden Serie
Audiosystem mit Smartphone-Anbindung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, USB-Anschluss Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbobenziner, Direkteinspritzung, DOHC 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 998 
Leistung in PS 111 
Leistung in kW 82 
bei U/min 2.000-3.500 
Drehmoment in Nm 170 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Wendekreis in m 10,0 
Räder, Reifen vorn 6J x 16" mit Reifen 185/55R16 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.995 
Breite in mm 1.745 
Höhe in mm 1.470 
Radstand in mm 2.520 
Leergewicht in kg 980 
Zuladung in kg 450 
Kofferraumvolumen in Liter 355 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.085 
Anhängelast, gebremst in kg 1.000 
Tankinhalt in Liter 37 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 200 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 5,4 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,0 
CO2-Emission in g/km 105 
Schadstoffklasse Euro 6 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 16 
Teilkasko-Klasse 18 
Vollkasko-Klasse 23 
Service-Intervalle 12 Monate / 20.000 km 
Garantie 3 Jahre /100.000 km 


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