Kia Seltos (2026) im Test: Sekt oder Seltos?
Das neueste Kompakt-SUV der Koreaner ist bei Innenraum/Bedienung die neue Benchmark der Klasse. Woanders hakt es aber noch ein wenig
Entschuldigen Sie bitte die platte Überschrift, aber manche Gelegenheiten muss man einfach ergreifen. Und damit zu den wichtigen Dingen: Wer Platzangst hat, sollte sich derzeit nicht mit Kias Modellpalette im C-Segment anlegen. Meine Herren, ist da ein Gedränge. Wir hätten aktuell alleine im SUV-/Crossover-Bereich den frisch überarbeiteten XCeed, den Niro, den Sportage oder wenn Sie es lieber elektrisch mögen, den EV4 und den EV5. Ach ja, und der neue Seltos rutscht da jetzt auch noch mit rein.
Warum er das tut, hat gute Gründe. Es ist die zweite Generation eines absoluten Bestsellers. Der Seltos ist wohlgemerkt der zweitbestverkaufte Kia weltweit. Das wiederum liegt an einem relativ großen Markt namens Indien. Dort wurde Generation 1 ab 2019 zum Superstar. Jetzt möchte man auch uns den lieben Seltos nicht mehr vorenthalten. Und das ist eine gute Nachricht, wie der erste Test des VW T-Roc-Konkurrenten zeigt.
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Abmessungen/Design I Antrieb I Fahrverhalten I Innenraum/Infotainment/Kofferraum I Fazit
Was ist das?
Wobei das so eine Sache ist mit der Konkurrenz. Kia selbst wehrt eher ab, wenn man den T-Roc oder einen BMW X1 als Gegnerschaft nennt. Selbst sieht man sich mehr im Umfeld eines Toyota Corolla Cross oder Honda HR-V. Ich persönlich würde noch zu Protokoll geben wollen, dass der Seltos eine ganz eigene Note ins Kompakt-SUV-Segment einfliessen lässt.
Von außen so ein wenig und vor allem von innen im Cockpit kokettiert er mit der Rolle des kernigen Offroaders im Sinne eines Mini-Toyota Land Cruiser oder -Land Rover Defender. Das ist er natürlich nicht, aber eine gewisse Kantigkeit im Außendesign und das sehr senkrecht stehende Armaturenbrett spielen mit der Idee und das durchaus gelungen.
Den Unterbau für den Seltos liefert Hyundai/Kias K3-Plattform, die unter anderem auch im Kia K4 oder dem Niro zum Einsatz kommt. Zum Marktstart gibt es drei verschiedene Varianten des 1,6-Liter-Turbobenziners. Alle leisten 180 PS, Sie entscheiden allerdings, ob Sie selber schalten wollen oder diese Arbeit lieber von einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erledigen lassen. Der Handschalter hat grundsätzlich Vorderradantrieb, für die Automatik-Variante ist auch Allradantrieb verfügbar.
Ende 2026 folgt dann noch eine Vollhybrid-Version. Der 1.6 GDI-HEV wird als Fronttriebler 154 PS leisten. Erstmals bei einem Kia-Hybrid wird es zudem eine Variante mit elektrisch angetriebener Hinterachse geben. Der E-Allradler leistet 178 PS und verfügt über eine Vehicle-to-Load-Funktion, sprich: Es gibt eine Steckdose im Heck mit der externe Geräte über die Hochvoltbatterie geladen werden können. Erstmals im Konzern kommt hier auch das sogenannte Smart Regenerative Braking 3.0 zum Einsatz.
| Technische Daten | Kia Seltos 1.6 T-GDI |
| Motor | Vierzylinder-Turbobenziner; 1.598 ccm |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung |
| Leistung | 132 kW (180 PS) bei 6.000 U/min |
| max. Drehmoment | 265 Nm |
| 0-100 km/h / Vmax | 9,2 s / 200 km/h |
| Gewicht inkl. Fahrer | 1.515 kg |
| Verbrauch | WLTP: 6,9 l; Test laut BC: 6,7 l |
| Grundpreis | 34.190 Euro |
Dazu passt eine ganze Armada an Level 2-Fahrassistenten, unter denen die Koreaner besonders den neuen Tempolimit-Assistenten hervorheben, der Verkehrszeichen erkennt und automatisch das Tempo anpasst. Zudem gibt es einen fernbedienbaren Parkassistenten und KI-basierte Sprachsteuerung.
Der Seltos startet in Deutschland bei 34.190 Euro. Der Doppelkuppler kostet ab 36.190 Euro, Allrad gibt es ab 38.190 Euro. Zum Vergleich: Für den neuen Volkswagen T-Roc mit 150 PS und 7-Gang-DSG müssen Sie mindestens 37.145 Euro investieren. Der Toyota Corolla Cross mit 180 PS und Automatik ist ab 37.178 Euro zu haben.
Abmessungen/Design
Der neue Seltos ist 4,43 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der Radstand liegt bei 2,69 Meter. Damit ist er ein wenig größer als der T-Roc und ein wenig kleiner als ein BMW X1. Der Radstand ist für die Länge recht großzügig, was Kia dazu veranlasst, dem Seltos sehr großzügige Platzverhältnisse im Fond und den "klassenbesten" Kofferraum (536 bis 1.511 Liter) zu attestieren.
Bildergalerie: Kia Seltos (2026) im Test
Optisch muss man den Koreanern lassen, dass sie ihr stark futuristisches Design konsequent durch alle Klassen durchziehen. Es gibt wahrlich Schlimmeres, als derzeit einen Kia zu erblicken, auch wenn der Kia in aller Regel ziemlich Alien-esk daherkommt. Das gilt auch fürs leicht hemdsärmelige, geländewagige Design des Seltos. Die Boxigkeit mit der hohen, steil stehenden Front, dem recht großen Grill, den farblich abgesetzten Radläufen und den ziemlich progressiven Leuchteneinheiten vorne wie hinten wirkt in dieser Klasse durchaus erfrischend.
Die Räder messen 16, 18 oder 19 Zoll (wie auf den Bildern). Die ausfahrenden Türgriffe haben sich inzwischen wohl im Mainstream etabliert. Warum, weiß kein Mensch - selbst aerodynamisch halten sich die Vorteile in Grenzen.
Antrieb
Dummerweise (für den Seltos) starten wir den Testteil dieses Berichts mit der einen Kategorie, bei der das Auto eher schwächelt. Der 1,6-Liter-Turbo zählt nicht unbedingt zu den besten seiner Zunft. Er ist sehr präsent, brummig (etwas mehr Kapselung im Motorraum würde wirklich helfen) und wirkt deutlich angestrengter, als es ein 180-PS-Aggregat in einem halbwegs kompakten Gefährt sein sollte.
Die Gasannahme erscheint ein bisschen schläfrig, besonders drehfreudig ist der Bursche auch nicht und insgesamt wirkt er einfach etwas schwerfällig. Auch die Zahlen bestätigen das so ein wenig: 0-100 km/h in 9,2 Sekunden sind kein Ruhmesblatt, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h.
Auf den kurzen Tritt ins Pedal folgt erst ein kleines Gedenksekündchen, dann wirft sich das Auto panisch nach vorne und untermalt das Spektakel mit einem gehörigen Lautstärkepegel, der bei voller Ausnutzung des Drehzahlbandes schon strapaziöse Züge annimmt.
Im Sportmodus reagiert der Seltos nicht wirklich bissiger, die Automatik erhöht halt das Drehzahlniveau und schaltet später, womit wir wieder beim Lautstärkepegel wären.
Aber genug des Motoren-Bashings, man kommt schon durchaus flott voran im Seltos. Durch das Gedröhne wirkt er eben leider angespannter und damit auch träger als er ist. Zur Wahrheit gehört auch: Fordert man den Einssechser-Vierzylinder nicht maximal, bleibt er im Hintergrund und fällt nicht weiter auf. Das Getriebe schaltet zudem flott und ruckfrei. Löblich auch: Auf der Testroute, die Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr beinhaltete, lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei 6,7 Liter.
Fahrverhalten
Der Seltos sieht sich klar auf der gemütlichen Seite der Fahrdynamik. Die Federung arbeitet mit großem Einsatz für das Wohlbefinden der Fahrgäste. So ziemlich alles, was einem die Straße an Gemeinheiten entgegenwirft, bügelt Kias Kernig-SUV mit bemerkenswerter Gelassenheit weg. Das Komfort-Niveau ist hoch.
Dynamischen Ambitionen (die dieses Auto gar nicht haben will) steht diese Auslegung natürlich so ein bisschen im Weg, aber wer braucht bei diesem Fahrzeugkonzept wirklich das Kurvenkönnen eines Sportwagens.
Gelassenheit ist Trumpf, dennoch hat man die Fahrwerkzeuge (Lenkung, Bremse) so präzise abgestimmt, dass man niemals das Gefühl hat, zu schwimmen. Stattdessen zeigt sich der Seltos einfach als sehr mühelos und entspannt zu bewegendes Fahrzeug. Anders als beim Antrieb ist auch der Geräuschkomfort aus dem Fahrwerksbereich sehr zufriedenstellend.
Innenraum/Infotainment/Kofferraum
Das größte Assett bei seiner Mission, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, ihn zu kaufen, sind aber ganz klar die inneren Werte des Seltos. Ich würde so weit gehen und behaupten, dass dieser Innenraum in Sachen haptischer Qualität, Optik (das Geländewagen-Armaturenbrett hat wirklich Charme), technischer Ausstattung und vor allem bei der Bedienbarkeit die neue Benchmark in dieser Klasse ist.
Zum einen hat man sehr geschickt mit der Matertialqualität gearbeitet und so einen wirklich modern, robust und hochwertig anmutendenen Innenraum geschaffen. Natürlich orientiert man sich recht stark an den eigenen Elektro-Geschwistern EV4 und EV5, aber die erwähnte Offroader-Note tut dem Seltos richtig gut.
Zum anderen hat man es geschafft, eine sehr einfache, logische und durchdachte Bedienbarkeit herzustellen. Die Auflösung der beiden 12,3-Zoll-Displays (in deren Mitte sich noch ein kleiner 5,3-Zoll-Klima-Screen eingeschmuggelt hat) ist herausragend. Darunter befinden sich zwei Leisten mit physischen Knöpfen und Tastern, mit denen man alles Klimatische steuert und in die wichtigsten Menüs kommt. Auch die Lenkrad-Bedienung (ebenfalls mit richtigen Knöpfen, man glaubt es kaum) gibt keinerlei Rätsel auf. So muss das sein.
Die Ausstattungsoptionen sind gewohnt üppig. Die diversen Ansichtsoptionen der 360-Grad-Kamera etwa sind auf Oberklasse-Niveau. Sitzheizung- und Belüftung sind auch in diesem Segment inzwischen nichts Besonderes mehr, die sehr geräumige Mittelkonsole mit auf Knopfdruck heraushüpfenden Becherhalten allerdings schon.
Vorne lümmelt man gemütlich auf sehr ordentlich gearbeitetem Gestühl mit angenehmer Sitzposition. Im Fond ist das Platzangebot für ein knapp 4,40 Meter langes Auto wirklich ordentlich. Über den laut Kia klassengrößten Kofferraum sprachen wir bereits. In selbigem findet man links und rechts diverse Lösungen für das Einhängen von Taschen oder das Spannen von Netzen, was die Variabilität des Kofferabteils erhöht.
Fazit: 7,5/10
Wäre der etwas müde wirkende und akustisch sehr kernige Antrieb auf höherem Niveau, würde ich dem neuen Seltos eine 9/10 geben. Das Fahrverhalten ist leichtgängig, mühelos und sehr komfortabel, die robust-futuristische Optik macht durchaus was her, außerdem sind Interieurgestaltung, Ausstattungsniveau und Bedienbarkeit auf absolutem Top-Niveau. Das Auto wirkt sehr modern und hochwertig.
So recht daran glauben will ich noch nicht, aber vielleicht reicht es ja mit den kommenden Hybriden für eine absolute Spitzenwertung. Letztlich ist der Seltos trotz Mängeln beim Antrieb eine klare Empfehlung im hart umkämpften C-SUV-Segment.
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