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Fiat 500 Hybrid im Fahrbericht: La Dolce Vita mit kleinen Fehlern

Zweite Chance: Im ersten Fahrversuch fiel der kleine Fiat fast durch. Neuer Versuch auf heimischem Geläuf und besten Bedingungen

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Beim letzten Mal haben wir dem Fiat 500 Hybrid nicht gerade ein Ständchen gesungen. Zu schwach, zu teuer, zu viel Plastik bemängelten die Kollegen mit Recht. Aber dann kam die Einladung nach Norditalien, Comer See, Sonnenschein, enge Landstraßen durch malerische Dörfer. Und es reifte die Erkenntnis, dass man sich auf den kleinen Italiener nochmal einlassen sollte, und zwar mit Haut und Haaren. Also: Zweite Chance!

Bildergalerie: Fiat 500 Hybrid (2026) im Test

Schnelle Daten Fiat 500 Hybrid (2026)
Antrieb Dreizylinder-12V-Benziner, 999 ccm
Getriebe Sechsgang-Schaltgetriebe
Systemleistung / Drehmoment 48 kW (65 PS) / 92 Nm
0 - 100 km/h 16,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 5,3 Liter/100 km / 119 g/km
Basispreis ab 19.990 Euro

Platz ist in der kleinsten Hütte

Das Erste, was einem nach dem Einsteigen auffällt: Es ist überraschend viel Platz im kleinen Fiat. Selbst mit 1,87 Meter sitzt man auf den Vordersitzen richtig angenehm. Das Lenkrad in der Torino-Ausstattung lässt sich in Höhe und Weite verstellen, der Fahrersitz nicht in der Höhe, aber die etwas erhöhte Sitzposition stört kein bisschen. Die Sitzposition ist bequem und realtiv hoch, was auf kurvigen Landstraßen durchaus hilft.

Das Armaturenbrett kennt man vom Elektromodell, und es gefällt - zumindest mir. Die große, in Wagenfarbe lackierte Blende setzt einen echten Akzent. Bei unserem knallgelben Testwagen leuchtet das Interieur geradezu, was den Charakter des Autos perfekt trifft. Ja, es gibt viel Hartplastik. Aber wir reden hier von einem italienischen Kleinwagen, kein Mensch erwartet Nappa-Leder und Wurzelholz. Der Touchscreen funktioniert solide, das runde Digitaldisplay ist konfigurierbar und insgesamt ist die Bedienung flüssig.

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Handschaltung mit Charakter

Was wirklich Freude macht: der Schalthebel. Ein schöner, großer, runder Knauf, der schön hoch posituioniert ist und perfekt in der Hand liegt. Sechs Gänge, leichtgängig, nicht übermäßig präzise, aber für diese Art von Auto absolut passend. Die letzten verbliebenen Handschalter in Alltagsautos wirken meist eher deplatziert und störend. Mal ehrlich, wenn man nicht gerade in einem Sportwagen sitzt, möchte doch heute kaum noch jemand auf den Komfort eines Automatikgetriebes verzichten. In diesem kleinen Flitzer fühlt sich das dagegen komplett richtig an. So gehört das.

Zur Lenkung. Sie ist leicht, sehr leicht, PlayStation-Niveau, könnte man sagen. Wer Feedback und Handmoment sucht, findet sowas sicher woanders. In schnellen Kurven fehlt schlicht das Gespür für die Straße. Aber darum geht es hier sicher nicht. Wenn man den 500 in einen dieser kleinen Kreisverkehre wirft, ihn durch enge Dorfgassen scheucht und dabei das Steuer fast mit zwei Fingern dirigiert, dann ist diese Leichtgängigkeit kein Manko, sondern ein Genuss. Das Auto gehorcht augenblicklich und super direkt. Zudem ist es dank seiner geringen Breite auf einmal überraschend einfach, durch enge Stellen zu kommen. Diese Art Leichtigkeit kennt man heute auch nicht mehr und lernt sie schnell zu schätzen.

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Schwach, aber munter: Reichen 65 PS für Fahrspaß?

Der Motor macht auf dem Papier keinen Eindruck. 65 PS, Dreizylinder, kein Turbo. Und ein zweistelliges Drehmoment von 92 Nm. Das klingt 2026 tatsächlich nach extremem Verzicht. Und objektiv betrachtet ist es das auch. Die milde Hybridunterstützung durch den integrierten Startergenerator hilft beim spontanen Gasgeben ein bisschen, aber sie verändert das Wesen des Antriebs nicht grundlegend. Typisch Saugmotor dreht er sehr liniear hoch, braucht aber Drehzahl. 

Man muss sich darauf einlassen. Und wenn man das tut, versteht man das Auto und seinen Antrieb endlich. Es ist ein Saugmotor, der dreht, der atmet, der reagiert. Und wenn man aufhört, auf Turboloch und Drehmomentberg zu warten, merkt man: Der klingt richtig gut. Kein nervöses Dreizylinder-Trommeln, eher ein knurriges, leicht raues Grummeln, das zum Charakter des Autos passt. Den Auspuffklang haben sie wirklich gut getroffen. Sonor, fast ein bisschen trompetenartig, sportlich ohne aufdringlich zu sein. Es macht Spaß, in engen Straßen das Fenster zu öffnen und Gas zu geben. Klingt gut und wirklich viel schneller wird man nicht (führerscheinfreundlich).

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Funfact: Einen Unterschied, den moderne Autos schon längst eliminiert haben, spürt man hier wieder ganz bewusst: Klimaanlage ein oder aus. Bei 65 PS macht das einen gewaltigen Unterschied. Das Auto reagiert mit ausgeschalteter Klimaanlage deutlich spritziger. Ein kleines Nostalgiegefühl für alle, die sich noch an die frühen Klimaanlagen-Jahrzehnte erinnern. Ich sag nur "55-PS Twingo mit Klima". Jedenfalls macht es erstaunlich viel Spaß, den kleinen Motor hochzujagen, auszudrehen und mit dem Schalthebel den Dirigenten zu machen. Zu schnell wird man dabei im Gegensatz zu anderen modernen Autos eher selten, hilft auch bei den Carabinieri ...

Knackig und wuselig, aber nicht bretthart

Das Fahrwerk ist knackig abgestimmt, direkt, lässt das Auto über Bodenunebenheiten leicht springen. Harte Schläge merkt man, das gehört zur Ehrlichkeit. Aber auf diesen italienischen Landstraßen, die mehr Kurven als Geraden haben, passt das Abstimmungsprinzip perfekt. Das Auto liegt direkt, kommuniziert mit dem Fahrer. Das Go-Kart-Gefühl, das gewisse Bayrisch/englische Marken für sich reklamieren, kann der 500 hier tatsächlich fast besser.

Noch ein kleiner Funfact am Rande: Dieser 500 Hybrid ist vermutlich das einzige Auto im gesamten Stellantis-Universum ohne den typischen Fahrwahlhebel und ohne Fahrmodus-Schalter. Kein Sport, kein Eco, kein Normal. Einfach fahren. Was für eine Erholung.

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Motor1.com Deutschland

Nachträglicher Verbrenner auf Kundenwunsch

Und weil wir schon beim Konzern sind: Man muss dem Ingenieursteam bei Fiat wirklich Respekt zollen. Dieses Auto war als reines Elektrofahrzeug konzipiert. Das Batteriepaket übernimmt im Elektromodell einen erheblichen Teil der Fahrzeugstruktur. Trotzdem haben sie nachträglich Tank, Getriebe, Auspuffanlage und alles, was zu einem Verbrenner gehört, in eine Karosserie gepackt, die dafür nie gedacht war. Der Kunde wollte es so, und zwar lautstark.

Das Ergebnis wirkt nicht improvisiert, sondern wie ein fertig gedachtes Fahrzeug. Dass ein Großkonzern wie Stellantis auf Kundenwünsche so konkret und mit so einem Ergebnis reagiert, ist alles andere als selbstverständlich.

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Was bleibt nach einem Tag am Comer See? Die Assistenzsysteme sind solide und schnell abschaltbar, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, die Navigation läuft über Smartphone-Spiegelung flüssig. Das Multifunktionslenkrad hat die Lautstärkeregelung auf der Rückseite, was nach kurzer Eingewöhnung erstaunlich intuitiv ist.

Nicht perfekt, aber emotional: typisch italienisch

Objektiv betrachtet ist der Fiat 500 Hybrid sicher immer noch kein überragendes Auto. Der Motor ist zahm, das Plastik billig, der Preis (ab 19.990 Euro) für das Gebotene sportlich. Aber dann fährt man die Fenster runter, lässt die Sonne auf das gelbe Armaturenbrett fallen, schaltet in den dritten Gang und fährt durch ein Dorf, in dem die Leute lächeln und zweimal hinschauen. Und plötzlich versteht man es. Die Italiener lieben ihren Cinquecento immer noch. Nicht obwohl er so ist, wie er ist, sondern genau deswegen.

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test
Bild von: Fiat

Ich muss zugeben, ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Auto. Dass dies ausgerechnet mit einem zahmen, schwächlichen Kleinwagen passiert, ist erstaunlich. Aber hier kamen einfach tolles Wetter, italienische Lebensfreude und ein Auto, das perfekt in die Umstände passt, zusammen.