Zum Hauptinhalt springen

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test: Alles "La Prima" für 30.000 Euro?

Das Modell soll den alternden 500X ablösen. Wir sind den Benziner gefahren

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test
Bild von: Motor1.com

Die Fiat 600 ist zurück. Und das, liebe Damen und liebe Herren, ist kein kleines Comeback, sondern – wenn es nach der verantwortlichen Marketing-Riege bei Fiat geht – gleich eine Hommage an die ganze automobile Geschichte Italiens. Und ein bisschen was ist da ja auch dran.

Denn wer erinnert sich nicht an den ersten Fiat 600 aus den 1950er Jahren, der mit Heckmotor und Charme halb Europa mobilisierte? Der Käfer des Südens. Hach. Jetzt ... rund 70 Jahre später ... sind aus den damals maximal 32 PS aber mittlerweile mindestens 100 PS geworden. Und auch sonst hat sich bis auf den Namen so ziemlich alles geändert.

Schnelle Daten Fiat 600 Hybrid (2024)
Motor 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner + Elektromotor im Getriebegehäuse
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Frontantrieb
Leistung 100 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment 205 Nm bei 1.750 U/min
Preis ab 29.490 Euro (La Prima, Angebotspreis)

Denn statt verstaubter Nostalgie bringt der neue Fiat 600 frischen Wind: als mild-hybridisierter Turbo-Benziner mit 100 oder 136 PS oder als rein elektrische Variante namens 600e. Da fragt man sich unweigerlich: Wie schlägt er sich gegen den altgedienten 500X und damit das letzte und eigentlich ziemlich beliebt gewesene Crossover der Fiat-Familie, welches nun ersetzt wurde? Um dies herauszufinden, hat uns der Hersteller ein vollausgestattetes Modell (in der "La Prima"-Ausführung) mit Basismotorisierung zur Verfügung gestellt.

Bildergalerie: Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Also ... nur Schein oder auch Sein? Wie viel Funktionalität steckt in dem Lifestyle-Crossover? Und sind rund 30.000 Euro gerechtfertigt? Finden wir es gemeinsam heraus ...


Springen Sie direkt zu ...

Exterieur | Interieur | Fahrbericht | Wissenswertes | Fazit


Exterieur

Der Fiat 600 Hybrid setzt auf kompakte Maße und ein auffälliges Design. Mit einer Länge von 4,17 Metern, einer Breite von 1,78 Metern und einer Höhe von 1,52 Metern ist er etwas kürzer, etwas schmaler und etwas flacher als der Fiat 500X, zeigt sich aber deutlich markanter und präsenter. Die Frontpartie mit dem "600"-Logo und den LED-Scheinwerfern samt "Wimpern" wirkt dabei deutlich frischer als die eher konservativere Optik des Vorgängers.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bilder von: Motor1.com
Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Die Silhouette selbst sieht dynamisch und leicht hochbeinig aus, die Farbpalette spielt mit kräftigen, unkonventionellen Tönen – ein schöner Schritt, der aus dem Grau der Konkurrenz heraussticht. Auch am Heck setzt Fiat auf klare Linien und moderne Akzente, die den Hybrid als Crossover positionieren.

Abmessungen & Gewichte Fiat 600 Hybrid (2024)
Länge x Breite x Höhe 4.178 mm x 1.779 mm x 1.525 mm
Radstand 2.557 mm
Kofferraumvolumen 385 Liter
Leergewicht 1.280 kg
Zuladung 427 kg
Anhängelast 1.100 kg (gebremst)

Optische Unterscheidungen zum vollelektrischen Derivat? Nun ja ... das Hybrid-Logo auf der Kofferraumklappe und ... der echte Auspuff, der aus der Heckschürze ragen darf.

Interieur

Im Inneren des Fiat 600 setzt sich die gelungene Mischung aus Retro-Charme und modernem Komfort fort. Die Mittelkonsole überrascht mit cleveren Lösungen wie einem tiefen Ablagefach mit schickem Kunstlederdeckel, das praktischen Nutzen mit ansprechender Optik kombinieren soll. Aber aufpassen: In den Tiefen kann ein kleines Smartphone auch schnell mal verloren gehen. Oder man vergisst gleich eine ganze Thermoskanne. 

Die digitalen Instrumente und das 10,25-Zoll-Infotainmentsystem sind intuitiv bedienbar und angenehm übersichtlich. Darüber hinaus hält Fiat an physischen Knöpfen für zentrale Funktionen wie Klimaanlage und Lautstärkeregler fest. Das macht die Bedienung während der Fahrt angenehm unkompliziert.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bild von: Motor1.com

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten: An den Türverkleidungen und anderen Bereichen dominiert Hartplastik. Während das den Preis drückt, könnte es die Erwartungen an Haptik und Wertigkeit enttäuschen.

Der Kofferraum mit 385 Litern Volumen bietet jedoch eine positive Überraschung und stellt sicher, dass der 500X-Nachfolger sogar mehr laden kann als sein größerer Vorgänger und er für einen Wochenendtrip oder den Großeinkauf gut gerüstet ist.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bilder von: Motor1.com
Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Insgesamt bleibt der Innenraum des Fiat 600 luftig und freundlich. Zwar ist er kein Raumwunder – besonders im Fond merkt man die kompakte Bauweise – doch für ein Fahrzeug seiner Klasse ist das Platzangebot völlig akzeptabel.

Fahrbericht

Der 100 PS starke Mild-Hybridantrieb kombiniert einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit einem 29 PS starken Elektromotor, der im Getriebegehäuse untergebracht ist. Diese Kombination ermöglicht kurze elektrische Fahrten bei niedrigen Geschwindigkeiten. Etwa beim Rangieren oder im Stop-and-Go-Verkehr.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in knapp 11 Sekunden. Das ist nicht spektakulär, aber ausreichend für den Alltag. Und der Hybrid zielt ohnehin eher auf Effizienz ab. Im Stadtverkehr konnten wir Verbrauchswerte von 4,8 Litern auf 100 Kilometern erzielen.

Außerorts schnitt der 600 Hybrid mit 5,9 Litern auch ganz gut ab. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch dann auf etwa 7,1 Liter. Insgesamt pendelte sich der Mixverbrauch dann bei 6,2 l/100km ein. Für unser Test-Fahrprofil mit eher mehr Autobahn und Landstraße ein okayer, aber nicht herausragender Wert. 

Fahrleistungen Fiat 600 Hybrid (2024)
0-100 km/h 10,8 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h
Verbrauch 4,8 - 4,9 l/100km (WLTP) / 6,2 l/100 km (Testverbrauch)
CO2-Emission 109 g/km (WLTP)

Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und bügelt kleinere Unebenheiten souverän aus. Schlaglöcher und Gullideckel bringen den 600 nicht aus der Ruhe, auch wenn bei schnelleren Kurven leichte Seitenneigungen spürbar werden. Die Lenkung bleibt jedoch – typisch Fiat – etwas zu leichtgängig und vermittelt wenig Rückmeldung. Das mindert den Fahrspaß, ist aber im urbanen Umfeld irgendwie ganz praktisch.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bild von: Motor1.com

Ein Pluspunkt ist in jedem Fall das für ein Doppelkupplungsgetriebe ziemlich geschmeidige 6-Gang-DCT, das die Kraftverteilung präzise regelt. Der Übergang zwischen Benzin- und Elektromotor erfolgt ruckfrei und ziemlich komfortabel. Das Bremspedal kann man ebenfalls loben. Es fühlt sich erfreulich direkt an.

Auch bei der Geräuschdämmung hat Fiat einen guten Job gemacht. Der Innenraum bleibt leise und der Motor tritt nur bei hoher Last akustisch hervor. Allerdings machen sich ab Tempo 130 Wind- und Abrollgeräusche bemerkbar.

Wissenswertes

Das Modell geizt nicht damit, einem an jeder erdenklichen Ecke mitzuteilen, um was es sich handelt. 600er-Logos finden sich deshalb eigentlich überall am Fahrzeug. An der Front ist klar. Am Heck in der Schürze auch noch halbwegs. Dazu kommen Schriftzüge mit der Zahl in den Scheinwerfern, den Heckleuchten, den Seitenschwellern, den Radnabenabdeckungen und auf den Sitzen sowie dem Lenkrad.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bilder von: Motor1.com
Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Und falls man vor lauter 600-Overload vergessen sollte, dass man in einem Fiat sitzt, erinnert einen der Hersteller mit Kontraststickereien auf den Sitzflächen daran. Danke. Und apropos Sitze: Der Fahrer kann sich massieren lassen. Nett. Aber die Sitzheizung braucht ziemlich lange, um durch das dicke Leder zu wärmen. Nicht so nett an kalten Tagen.

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Fiat 600 Hybrid (2024) im Test

Bild von: Motor1.com

Aufgefallen im Test ist übrigens auch die Verkehrszeichenerkennung, die sich eher an alternativen Fakten orientiert. Das ist vor allem nervig in Verbindung mit der akustischen Warnung bei (wenn auch nur vermeintlichen) Tempoverstößen.

Übrigens: Wer mit etwas weniger Technik und nicht dem allerneuesten Lifestyle-Schrei auskommt, kann immer noch quasi neue 500X-Modelle kaufen. Die gibt's vollausgestattet, als 2024er-Erstzulassung und mit 131 PS starkem Mild-Hybrid noch aus FCA-Zeiten für rund 25.000 Euro.

Fazit: 6,5/10

Der Fiat 600 Hybrid mit 100 PS ist wie ein Espresso: klein, voller Energie und mit ordentlich Crema. Sorry ... mit ordentlich Charme. Mit seinem auffälligen Design ist er ein schicker Begleiter, der trotzdem und auch gegenüber seinem Vorgänger immer noch ganz praktisch ist.

Der Hybridantrieb ist eher ein stiller Helfer als ein Sprinter, macht aber den Alltag (vor allem im Stadtverkehr) angenehm sparsam. Klar, das Hartplastik im Innenraum erinnert ein wenig an italienische Plastikliegen am Strand von Rimini. Aber hey, die sind auch Kult.

Wer also ein komfortables, stylisches und alltagstaugliches Auto sucht, bekommt mit dem 600 ein kleines Crossover mit viel Dolce Vita. Ob das Modell allerdings vollausgestattet mit über 30.000 Euro auch ins Portemonnaie passt, muss man mit der persönlichen Finanzplanung überprüfen.