Die Reinkarnation des legendären Lancia Stratos auf Asphalt und (sehr quer) im Dreck

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Wir wissen nicht genau, ob man anfängt, manisch Gebetsbuch-Befehle von sich zu geben, sobald man den New Stratos sieht, aber verstehen könnten wir es schon. Unsere lieben Kollegen von Motor1.com Italia hatten kürzlich sehr exklusiven Zugang zur Reinkarnation des glorreichen Lancia Stratos und sie hüpfen vor Freude vermutlich immer noch den ganzen Tag im Kreis. 

Glücklicherweise haben Sie uns auch eine ganze Stange hervorragender Bilder eines traumhaft blauen New Stratos mit güldenen Rädern mitgebracht. Und es gibt ein Video, in dem der glückliche Kollege Andrea Farina das 540-PS-Monstrum mit dem beängstigend kurzen Radstand auf Asphalt und Schotter fährt. Leider ist es auf Italienisch, aber wen juckt das wirklich, wenn ein massiv getunter 4,3-Liter-V8-Sauger aus Maranello permanent um Aufmerksamkeit brüllt.

Der New Stratos ist die Idee des Coburgers Michael Stoschek, seines Zeichens Vorsitzender des deutschen Automobilzulieferers Brose. Bereits 2008 lässt er von Pininfarina die Idee einer Neu-Interpretation des Lancia Stratos auf Basis eines Ferrari F430 Scuderia umsetzen. Das Ergebnis wird 2010 präsentiert und ist atemberaubend, aber Ferrari verweigert die Zustimmung zur Fertigung einer Kleinserie. 

Nach diversen gescheiterten Verhandlungen mit Kleinserienherstellern geht der Auftrag zum Bau von 25 New Stratos im Jahr 2017 an Paolo Garella. Garella hatte zahlreiche Sonderprojekte für Pininfarina durchgeführt, darunter auch den ursprünglichen New Stratos. 2014 gründete er mit Sohn Riccardo sein eigenes Unternehmen, die Manifattura Automobili Torino. Der neue und endgültige New Stratos wird dann im März 2018 auf dem Genfer Autosalon präsentiert. 

Prova New Stratos
Prova New Stratos

Es bleibt bei der Ferrari-F430-Scuderia-Basis. Aus der Topversion des 2008er-Mittelmotor-Supercars stammen das Chassis (das man jedoch um 20 Zentimeter gekürzt hat) und der frei saugende 4,3-Liter-V8. Im New Stratos leistet das Aggregat dank einer neuen Motorsteuerung und eines vermutlich entsetzlich teuren Edelstahl-Auspuffs von Capristo 30 PS mehr. Außerdem wiegt das Auto fast 150 Kilo weniger, ist laut Stoschek aber 30 Prozent steifer als das Ferrari-Spenderauto. Die Gewichtsverteilung liegt bei 44:56 Prozent. Die Fahrleistungen der gerade mal 1.250 Kilo schweren Neuauflage sind atemberaubend: Von 0-100 km/h geht es in 3,3 Sekunden, 200 Sachen liegen nach knapp unter zehn Sekunden an.

Prova New Stratos
Prova New Stratos

All das sieht absolut glorreich aus und fährt sich vermutlich auch so. Unseren Mann vor Ort, Andrea Farina, scheint der New Stratos jedenfalls ziemlich berührt zu haben: "Komplett eingetaucht in den Stratos, so kompakt, aber gleichzeitig in seiner neuen Natur gefestigter und raffinierter, tanzt du auf dem Asphalt mit einem immer schnelleren Rhythmus. Stabil, überschwänglich, schnell, scharf und aggressiv. Der New Stratos ist nicht elektronisch, er lebt von einer analogen Seele. Rein von der ersten Pedalberührung an. Umso mehr, wenn du von der Straße auf unbefestigte Wege kommst. Abstimmung und Balance ermöglichen einen ungefilterten Spaß." 

25 Exemplare des New Stratos sollen zum Stückpreis von 550.000 Euro entstehen. Und das in gleich drei verschiedenen Versionen. Kunden haben die Wahl zwischen einem alltagstauglichen Supercar, einem GT-Rennwagen oder – und jetzt darf das eigene Herz ruhig ein bisschen höher hüpfen – einer speziellen Safari-Rallye-Version.

 

 

Bildergalerie: Manifattura Automobili Torino New Stratos