Mit Lamborghini-Kriegsbemalung und 355-Turbo-PS in Richtung 300-km/h-Marke

Diese Farbe ist der Hammer. Ein Hingucker sondergleichen. Schon auf der Tuning World Bodensee 2005 fiel uns dieser Audi TT auf. Doch woher kennen wir diesen Farbton? Nach einem kurzen Gespräch mit Herrn Heubach von PPI war klar, die Lackierung kommt von Lamborghini und hier wurde nicht nur eine geniale Optik geschaffen, dieser Sportwagen hat Potenzial. Die Liste der Modifikationen ist lang und herausgekommen ist der Audi RS TT. Eine Testfahrt soll klären, ob die Praxis der Theorie standhält: 355-Turbo-PS, neue Öl- und Wasserkühler und größere Bremsen lassen einiges erwarten.

Ein Meer von Blau
Wer im Erstlingswerk von PPI Platz nimmt, den empfängt eine blaue Offenbahrung. Der Tuner, der langfristig seinen Platz in Deutschland auf einer Stufe mit Abt, JE Design und anderen Marktgrößen sieht, will hier zeigen, was möglich ist – selbst der Dachhimmel ist mit blauem Alcantara bezogen. Der maritime Supergau ist ein wenig viel für die Augen, aber so wird schnell klar, was möglich ist. Möglich ist es auch, in den Sportsitzen eine gute Sitzposition zu finden. Sie bieten weit mehr als guten Seitenhalt. Die Sitzwangen halten den Piloten ausgezeichnet fest und auch der Rücken hat in diesem Gestühl wenig Platz zum Ausweichen. Einziger Wehmutztropfen: Wer der Völlerei zu sehr gefrönt hat, wird Schwierigkeiten haben zwischen die Wangen zu gleiten.

Turbo-Anzeige statt frischer Luft
Irgendetwas ist anders. Doch was? Bläst nicht beim Serien-TT eine Luftdüse links vom Lenkrad dem Fahrer bei Bedarf frische Luft um die Nase? Beim RS TT von PPI muss hierauf verzichtet werden. Ein hochinteressantes Rundinstrument hat die Stelle der Frischluft-Quelle eingenommen und zeigt nun den momentanen Ladedruck des verbauten Turboladers an. Akustisch unterstützt wird der Blickfänger durch ein lautes Piepen, das den Fahrer beim Überschreiten des maximalen Ladedrucks zur Raison ruft und zum Gaswegnehmen mahnt.

Original-Tacho bis 260 km/h
In Anbetracht des Zusatzinstruments wundert es ein wenig, das im RS TT ein Serien-Tacho zum Einsatz kommt. Auf die Frage nach dem Topspeed winkt der PPI-Mann ab: ,Wir haben noch keine exakten Messwerte. Aber glauben sie mir, der geht schneller als 260." Wir glauben dem netten Mann von PPI und starten unsere erste Testfahrt. Vorweggenommen: Es wird nicht die letzte gewesen sein.

Zweimal 100 Millimeter, gleich Gänsehaut
Ohne Meckern oder Zetern springt der Wagen an. Klack, der Gang ist drin und los geht die Fuhre. Bereits die ersten Kilometer zeigen eins ganz deutlich: keine Spur von überzüchtetem Seriensportler oder bockigem Fahrverhalten. Diesen aufgeblasenen TT kann man auch für die Fahrt zur Arbeit nutzen. Gut, das verbaute Fahrwerk ist recht hart und die reduzierte Bodenfreiheit macht grobe Bodenwellen zum Problem, aber wer schnell sein will, muss leiden. Und schnell ist der RS von PPI. Und nicht nur das: Er macht Eindruck. Ob beim Cruisen durch die Stadt oder auf der Hatz über die Autobahn, Lackierung und Auspuffsound lassen aufmerken. Von vorn bis hinten zieht sich der Sportauspuff aus Edelstahl. Und an seinem Ende entweicht ihm ein böses Fauchen. Im Stand noch brav und zurückhaltend, lässt er bei höheren Drehzahlen den Donnergott hören und verführt den Piloten zu immer neuen Drehzahlorgien.

Tachonadel ade
Schiffeversenken kannten wir ja, aber Tachonadel versenken ist uns neu. Doch man lernt ja bekanntlich nie aus. Aber der Reihe nach: Wir lenken den gedopten Sportler aus Ingolstadt auf die Autobahn und kurz nach der ersten Baustelle wollen wir sehen, was geht. Also Pedal aufs Blech gedrückt und den Blick konzentriert auf die Straße gerichtet. Die Tachonadel rennt über die 200-km/h-Marke hinaus und klettert weiter. Doch da kommt schon die nächste Baustelle. Die Brembo-Bremsen beißen zu und verlangsamen das Geschoss problemlos auf 60 km/h. In der Baustelle ziehen wir neidische Blicke einiger Möchtegern-Tuner auf uns, um dann am Ende der Geschwindigkeitsbeschränkung wieder die Muskeln spielen zu lassen. In Windeseile hat die Nadel die 230 erreicht und der Vorwärtsdrang reißt nicht im Geringsten ab. Die 260 markiert das Ende der Skala, doch von Müdigkeit noch immer keine Spur. Der Piepton des Turbos warnt, doch der PPI-Mann auf dem Beifahrersitz nickt und wir bleiben drauf. Und dann: Die Nadel wandert weiter und rutscht fast bis in die LED-Anzeige. Versenkt!

Kein Tempo-Hecktiker
Selbst bei hohen Tempi zeigt sich der Audi RS TT von seiner beherrschbaren Seite. Kein wildes Rillen-Folgen, hecktisches Poltern oder nervöses Lenkradflattern. Allradantrieb und 225er-Reifen sei Dank. Zwar reist man in einer Oberklasse-Limousine luxuriöser und entspannter, doch die PPI-Kreation verkörpert absolutes Suchtpotenzial. Zielgenau lässt sich der in Lamborghini-Farbe lackierte Porscheschreck auch bei Tempo 260 durch die Autobahnkurve zirkeln, um direkt im Anschluss geschmeidig weiter zu beschleunigen. Untermalt von gelegentlichem Piepen des Turbowarners.
(jk)

Bildergalerie: Audi RS TT von PPI