Wir testen das Korea-SUV in der Top-Motorisierung

Von der Seite wirkt der Wagen einfach riesig, aber von hinten sieht er aus, als würde er die Beine zusammenkneifen. Und im Rückspiegel macht er leider nichts her: Null Überhol-Image. Dabei kann der Chevrolet Captiva 3.2 ganz schön losbrennen.

Image-Island
Captiva Island ist eigentlich eine tropische Insel vor der Küste Floridas. Chevrolet behauptet zwar, der Fahrzeugname hätte nichts mit der Insel zu tun, aber diese Assoziation kann den Südkoreanern nur recht sein. Seit die Daewoo-Modelle sich den Namen Chevrolet umhängen dürfen, verkaufen sie sich um Längen besser. Das Ami-Image ist für die aus europäischer Sicht geschichtslosen Autos aus Südkorea Gold wert. Den Wagen gibt es auch mit leicht modifizierter Abstimmung von Opel. Dort heißt er Antara, Namentricks sind hier nicht notwendig.

Keine Kratzwelt
Der Innenraum des Captiva kommt so völlig untypisch daher: Der Kunststoff wirkt kratzresistent und hochwertig verarbeitet. Die klar angeordneten Instrumente sind gut ablesbar. Allerdings sind weder die Einstellanzeige der Automatik noch die Knöpfe für die Innenraumbeleuchtung beleuchtet. Nachts ist manchmal das Suchen nach dem richtigen Knopf angesagt.

Kurze dritte Reihe
Den Captiva gibt es im Gegensatz zu seinem Modellbruder Opel Antara mit optionaler dritter Sitzreihe. Diese ist aber allerhöchstens für Kinder geeignet, und zwar für kleine Kinder. Nur mit Geschick erreicht man die letzte Bank. Wer dort als Erwachsener Platz nimmt, muss seine Füße in genau eine mögliche Position setzten. Dann werden die Sitze vor ihm hochgeklappt, und er fühlt sich wie eingemauert. Beklemmende Gesichtsausdrücke und schlechte Stimmung sind die Folgen. Die ersten beiden Reihen sind hingegen für Menschen aller Größen herrlich bequem, unter Platzmangel leidet hier niemand. Die Rückbank der dritten Reihe lässt sich übrigens sehr komfortabel umlegen: Beim Ziehen des entsprechenden Griffs klappt die Kopfstütze automatisch mit weg.

Gutes Untergrund-Gefühl
Eins ist ganz klar, der Captiva zählt zu den SUVs (Sports Utility Vehicle), die nur optisch offroadtauglich sind. Der Allradantrieb schaltet sich über eine Hydraulik-Kupplung nur bei Bedarf zu, Differenzialsperren oder eine Untersetzung sucht man vergebens. Aber auf der Straße schlägt sich der Koreaner gut. Selbst bei tiefen Schlaglöchern ärgert er die Gäste nicht mit dem typischen SUV-Trampeln. Kleinere Unebenheiten und Querrillen auf der Autobahn sind nur zu hören, nicht zu spüren. Selbst in schnellen Kurven bleibt der Wagen, gemessen an seiner Größe, recht souverän, wobei man es nicht übertreiben sollte. Das teilweise in dieser Fahrzeugklasse auffällige Wanken und Nicken wird auch im Chevy geboten. Insgesamt wurde das Fahrwerk des Captiva mit dem Schuss Bequemlichkeit versehen, die dem Konzernnamen ,Chevrolet" alle Ehre macht. Dabei ist die Lenkung alles andere als schwammig, bei hohen Geschwindigkeiten wirkt sie durchaus direkt.

Dicker Säufer
Die Topmotorisierung des Captiva stellt zur Zeit ein V6-Benziner mit 3,2 Litern Hubraum. Diese legen 230 PS an die Räder. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h, wobei die 100-km/h-Schallmauer innerhalb von recht knackigen 8,8 Sekunden fällt. In der Tat spurtet das Fahrzeug in unteren Geschwindigkeitsregionen gut ab. Jenseits der 100 km/h sieht es da schon anders aus. Hier frisst die weiche Fünfstufen-Automatik eine gehörige Portion Kraft weg und das auf dem Papier ordentliche Drehmoment von 300 Newtonmetern scheint sich in Luft aufzulösen. Nur ganz langsam und unter heftigem Motorgedröhne kämpft sich das Aggregat nach oben. Umso misslicher ist das, wenn man auf der Überholspur der Autobahn hart abbremsen muss, wenn kurz vor einem ein Fahrzeug unbedacht ausschert. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man die 180 km/h wieder erreicht hat. Ist man dort angekommen, geht es richtig sportlich weiter. Dabei wird der Spritvorrat schamlos weggezecht: 14,7 Liter soff unser V6 im Schnitt auf 100 Kilometern in sich hinein, maximal waren es sogar 17,3 Liter. Die Strecke Berlin München wird also von einem Tankstopp unterbrochen – mindestens.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Chevrolet Captiva mit 3,2-Liter-Motor lässt sich erstaunlich sportlich durch den Verkehr bewegen. Allerdings wird dafür eine bittere Rechnung an der Zapfsäule aufgerufen.

    Die dritte Sitzreihe kann man getrost in der Pfeife rauchen, aber ansonsten bietet der Wagen bequemen Platz für eine vierköpfige Familie. Für 36.090 Euro bekommt man einen großen praktischen Wagen ohne nennenswerte Höhen und Tiefen.

  • Antrieb
    80%
    ermöglicht sportliches Fahren
    schamloser Säufer
  • Fahrwerk
    80%
    gute Dämpfungseigenschaften
    wankt und nickt
  • Karosserie
    80%
    angemessen für vier Personen
    dritte Reihe viel zu eng
  • Kosten
    80%
    Einstiegspreis für diese Größe moderat
    hohe Spritkosten

Preisliste


Chevrolet Captiva 3.2

Grundpreis: 36.090 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 850
Metalliclackierung 490
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Automatische Niveauregelung hinten Serie
Regensensor Serie
Frontscheibenheizung Serie
Einparkhilfe mit Abstandsmelder Serie
Dachreling Serie
Edelstahl Einstiegleisten Serie
Handschuhfach mit integriertem Kühlfach Serie
Sechsfach-CD-Wechsler und acht Lautsprecher Serie
Steckdose im Fond Serie
Laderraumabdeckung Serie
Gepäcknetz Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.195 
Leistung in PS 230 
Leistung in kW 169 
bei U/min 3.200 
Drehmoment in Nm 297 
Antrieb automatisch zuschaltender Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatikgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.562 
Spurweite hinten in mm 1.572 
Radaufhängung vorn McPherson-Federbeine 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet,, 296 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 303 mm 
Wendekreis in m 11,5 
Räder, Reifen vorn 235/55 R18 auf 7,0J x 18 
Räder, Reifen hinten 235/55 R18 auf 7,0J x 18 
Lenkung Zahnstange mit Hydraulikunterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.635 
Breite in mm 1.870 
Höhe in mm 1.755 
Radstand in mm 2.705 
Leergewicht in kg 1.880 - 1.965 
Zuladung in kg 560 
Kofferraumvolumen in Liter 465 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 930* 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 65 
Kraftstoffart Superbenzin 95 ROZ 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 204 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 16,4 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,6 
Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 12,1 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 14,7 
CO2-Emission in g/km 264 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 21 
Teilkasko-Klasse 21 
Vollkasko-Klasse 22 
Weitere Informationen
1/moreName Beladung bis zur Fensterunterkante 

Bildergalerie: Bequeme Insel