86-PS-Benziner im Test: Die nüchterne Neuauflage verbeißt sich alle Star-Allüren

,Einen Schreibtisch entwerfen, der teuer und gut ist, das kann jeder", sagte Ikea-Gründer Ingvar Kamprath einmal. ,Aber einen guten Schreibtisch bauen, der günstig ist, das ist eine wirkliche Leistung." Genau diese Leistung wird Kleinwagen-Konstrukteuren abverlangt. Dabei kann man die Akzente aber ganz verschieden setzen. Der 1999 eingeführte Skoda Fabia war von Anfang an kein Designwunder für Yuppies, sondern ein eher nüchternes, praktisches Gefährt. Wir wollten wissen, ob sich die zweite Generation, die im März 2007 an den Start geht, hier vom alten Modell unterscheidet und haben den kleinen Tschechen für Sie getestet.

Kaum länger
Optisch hat sich der kleine Skoda stark verändert. Dabei wurde das Auto von innen nach außen gestaltet, das heißt: Die Geräumigkeit hatte Vorrang vor Stilfragen. Typisch Skoda, denn Geräumigkeit zählen die Tschechen zu den Haupttugenden der Marke. Während andere Kleinwagen in der neuesten Generation stark gewachsen sind, hat sich der Fabia von der Größe her kaum verändert. Der Fabia hatte aber auch schon in der alten Generation die Größe, die die Konkurrenz erst jetzt erreicht: runde vier Meter Länge. So ist der Skoda nun gerade mal zwei Zentimeter gewachsen. Dabei blieb der Radstand exakt gleich. Der vordere Überhang nahm etwas zu, was ebenso wie die höhere Motorhaube dem Schutz von Fußgängern bei Kollisionen zugute kommt. Auch die Gesamthöhe legte um vier Zentimeter zu.

Nichts für Fashion-Victims
Von vorne wirkt das Auto rundlicher als der Vorgänger, was am gefälligeren Grill und den Leuchten liegt. An der Seite fallen die ausgestellten Schultern auf – Vorbilder wie der Mini oder der Suzuki Swift lassen grüßen. Am Heck wurden vor allem die Leuchten verändert. Insgesamt sieht der Fabia nicht schlecht aus, aber für ,Fashion-Victims" oder Leute mit Designfimmel ist das Auto nichts – der Fiat Grande Punto ist hübscher.

86-PS-Benziner
Bei den Motoren gab es Änderungen im Detail. Die Benziner bekamen alle ein paar PS mehr. Die stärkeren Ottomotoren wie der 100- und der 115-PS-Benziner werden (noch) nicht angeboten. Wir fuhren den 1.4 16V mit 86 PS, der im alten Modell noch 75 PS hatte. Das Aggregat lässt den Fabia in recht vernünftigen 12,3 Sekunden die Tempo-100-Marke erreichen und bringt ihn auf eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h. Den Verbrauch gibt Skoda mit 6,5 Litern an. Damit werden 155 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer emittiert – eigentlich traurig, dass selbst ein nur mittelprächtig motorisierter Kleinwagen die 140-Gramm-Grenze nicht erreicht, die sich die Autoindustrie als Ziel gesetzt hat. Wie üblich wird der Verbrauch in der Praxis noch etwas höher als die Werksangabe liegen. Der Bordcomputer unseres Testwagens zeigte Werte zwischen 8,3 und 8,9 Liter an.

Angenehm leiser Motor
Dafür fährt sich das Aggregat angenehm leise, und das Beschleunigungsgefühl ist auch nicht schlecht. Aus dem Drehzahlkeller kommt der Stadtflitzer ebenfalls mit Würde heraus. 132 Newtonmeter Drehmoment stehen ab 3.800 U/min zur Verfügung, und bei 2.000 Touren sind es immerhin schon etwa 110 Newtonmeter. Der Motor wird serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe verbunden, das sich ohne Probleme bedienen lässt.

Pluspunkte fürs Fahrwerk
Einen starken Pluspunkt für den Fabia stellt sein Fahrwerk dar. Es ist straff, und so kann man mit viel Lust und wenig Seitenneigung auch mal mit hohem Tempo eine enge Kurve nehmen. Der Komfort bleibt allerdings etwas auf der Strecke. Denn bei Bodenunebenheiten stuckert das kleine Auto, und auch die Lenkung bleibt davon nicht unbeeindruckt: Das Steuer ruckelt hin und her.

Mäßige Sitze, trister Innenraum
Vielleicht damit man sich durch das gute Fahrwerk nicht zu übermäßig sportlicher Gangart verleiten lässt, hat der Fabia Sitze mit nur wenig Seitenhalt. Auch die Gestaltung des Innenraums in unserem gut ausgestatteten Testwagen wirkt ein wenig trist. So fällt das altmodisch gerippelte Hartplastik an den Türgriffen und an Teilen des Armaturenbretts negativ auf. In puncto Materialqualität und Innenraumdesign bieten andere Kleinwagen mehr. Dafür sitzt man im Fond des Fabia ausgesprochen gut: Die hervorragende Kopffreiheit und die ebenfalls über dem Klassendurchschnitt liegende Kniefreiheit sind lobenswert. Unser Testfahrzeug hatte drei in der Sitzlehne verankerte Dreipunktgurte und drei Kopfstützen im Fond. Außerdem war die Rücksitzbank geteilt umklappbar – all das war beim Vorgängermodell zumindest in der Basisausstattung nicht Serie. Doch da Skoda die genaue Ausstattung noch nicht festgelegt hat, lohnt eine Diskussion dieser Details noch nicht.

Größerer Kofferraum
Der Kofferraum fasst nun 300 bis 1.163 Liter, während es bisher nur 260 bis 1.016 Liter waren. Legt man die Rücksitzflächen und -lehnen um, ergibt sich eine nicht ganz ebene Ladefläche. Autos wie der neue Opel Corsa oder der Toyota Yaris machen das besser. Neu sind einige praktische Details. So gibt es nun links und rechts jeweils einen ausklappbaren Haken für Plastiktüten sowie eine Art Korb, in die man Kleinkram legen kann. Solche Helfer würde man sich auch für den Basis-Fabia wünschen.

Noch keine Preise
Einen Fabia kauft man sicher auch wegen des Preises. Doch hier spannt uns Skoda noch bis zum Genfer Autosalon im März 2007 auf die Folter – erst dann werden Preise und Ausstattungen festgelegt. Den alten Fabia gab und gibt es ab 10.248 Euro. Dafür bekommt man den 55 PS starken Dreizylinder und fünf Türen. Das Preisniveau lag deutlich unter dem der Konkurrenz. VW etwa verlangt für den 55-PS-Polo mindestens 11.797 Euro, Opel für den 60-PS-Corsa 11.274 Euro und Ford für den Fiesta immerhin noch 11.050 Euro. Und wohlgemerkt, das alles für den Dreitürer, während beim Fabia schon immer fünf Türen Serie waren. Das entsprechende Modell des Fabia II ist fünf PS stärker, und das wird sich Skoda wohl auch bezahlen lassen. An der Ausstattung wird sich wohl nicht viel ändern: ESP ist bei 60-PS-Kleinwagen eigentlich immer aufpreispflichtig, ebenso wie elektrische Fensterheber oder eine Zentralverriegelung. So ist wohl von einem moderaten Preisanstieg auszugehen. Gut möglich, dass der Preis unter der psychologischen Marke von 11.000 Euro bleibt.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der alte Fabia lag sogar noch im Jahr 2006, am Ende seiner Verkaufszeit, an Platz vier der Kleinwagen-Verkaufsstatistik – hinter VW Polo, Opel Corsa und knapp hinter dem Ford Fiesta. Die anderen Importmarken hat Skoda deutlich distanziert. So ist davon auszugehen, dass der Fabia seinen Platz halten kann und vielleicht sogar den Fiesta überrunden könnte. Das bodenständige Image des günstigen Tschechen war dem Fabia wohl schon immer eher von Nutzen. Daran wollten die Skoda-Verantwortlichen wohl bei der neuen Version nicht allzu viel ändern und verlegten sich auf Detailverbesserungen. So gibt es nun etwas mehr Kofferraum, etwas mehr Kopffreiheit im Fond und etwas mehr PS.

    Geblieben sind die Tugenden, vor allem das gute Fahrwerk und die VW-Motoren. Der getestete 86-PS-Benziner ist eine vernünftige Lösung für dieses Auto. Optisch bietet der Fabia nicht die Eleganz eines Fiat Grande Punto, und der Innenraum sieht immer noch etwas trist aus. Aber der preis- und nutzenorientierten Klientel macht das wenig. Hoffentlich passt auch der Preis. Unserer Meinung nach wären 10.990 Euro am Anfang der Preisliste okay. Trifft diese Vermutung zu, dann verdient der Fabia sich damit die Maximalwertung von fünf Sternen. Denn dann ist der Fabia tatsächlich ein gutes Auto für wenig Geld, also ein Fahrzeug für Ingvar Kamprath.

  • Antrieb
    85%
    leiser 86-PS-Benziner
    CO2-Zielmarke von 140 Gramm nicht erreicht
  • Fahrwerk
    90%
    geringe Wankneigung
    etwas stuckerig bei Unebenheiten
  • Karosserie
    85%
    viel Platz im Fond, großer Kofferraum
    Optik nicht überragend, unebene Ladefläche
  • Kosten
    100%
    deutlich günstiger als Konkurrenz
    fünf Türen serienmäßig

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-Reihenmotor, DOHC, Multipointeinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.390 
Leistung in PS 86 
Leistung in kW 63 
bei U/min 3.800 
Drehmoment in Nm 132 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn McPherson-Aufhängung, Torsionsstabilisator 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse 
Bremsen vorn Scheibenbremsen 
Bremsen hinten Trommelbremsen 
Wendekreis in m 10,0 
Räder, Reifen vorn 5.0J x 14, 165/70 R14 
Räder, Reifen hinten 5.0J x 14, 165/70 R14 
Lenkung elektrohydraulische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.992 
Breite in mm 1.642 
Höhe in mm 1.498 
Radstand in mm 2.462 
Leergewicht in kg 1.060 
Zuladung in kg 515 
Kofferraumvolumen in Liter 300 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.163 
Anhängelast, gebremst in kg 1.000 
Tankinhalt in Liter 45 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 174 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 12,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,3 
CO2-Emission in g/km 155 
Schadstoffklasse Euro 4 

Bildergalerie: Ein Auto für I. Kamprath