Unglaublich, wieviel Spaß holländische Fahrwerkstechnik vermitteln kann

"Würde ich für jedes Bild, das von mir in diesem Fahrzeug gemacht wurde, einen Euro erhalten, dann wäre ich ein reicher Mann." Der das sagt, heißt Harry Stüdemann und ist Geschäftsführer von Carver Deutschland. Während er dies erzählt, sitze ich wenige Zentimeter hinter ihm und schaukle wild nach links und rechts. Auf der Nebenspur grinst aus einem Auto ein offensichtlich stark belustigter Beifahrer zu uns rüber und macht mit seiner Handy-Kamera einige Schnappschüsse. Dabei hat der Spontan-Fotograf kein Interesse an uns Insassen. Was ihn fasziniert, ist das schnittige Dreirad, das bei jedem Lenkimpuls die Fahrgastkabine und uns in lustvolle Pendelbewegungen versetzt.

Bewegt sich wie ein Motorrad
Carver One nennt sich das ungewöhnliche Gefährt, mit dem nun endlich ein Fahrzeug auf unsere Straßen rollt, das die Eigenschaften eines Motorrades mit denen eines Autos in genialer Weise kombiniert. Es gab bereits viele Ansätze, das Motorrad-Feeling auf andere Fahrzeugarten zu übertragen. Doch die Sensation, in eine Kurve hineinzufallen und im sauberen Strich mit viel Schräglage und Vollgas aus ihr hinauszubeschleunigen, war bislang allein Zweirädern vorbehalten. Ob bei Trike, Quad oder Kabinenroller – kein Konzept bietet das besondere Lustelement, nach dem die Knieschleifer-Fraktion so giert und mit dem die beim Auto so unschönen Fliehkräfte aufgehoben werden.

Clevere Holländer
Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre tüftelt ein Team holländischer Techniker an dem Wunderwerk Carver. Jetzt, im Frühjahr 2007, ist die Serien-Produktion in Deutschland angelaufen und die ersten Kundenfahrzeuge werden dieser Tage ausgeliefert. Wir waren noch mit einem Vorserien-Fahrzeug unterwegs, um das einzigartige Fahrerlebnis zu genießen.

Platz für zwei
In die Carver-Kabine steigt man über eine links angeschlagene Tür ein. Ist der Fahrersitz nach vorne geschoben, kann sich ein zweiter Passagier auf dem Fondsitz einfädeln. Ansonsten eignet sich der Raum hinter dem Fahrer als großes Gepäckabteil. Einen Kofferraum gibt es hingegen nicht. Wenn auch insgesamt nicht sonderlich geräumig, findet man selbst noch mit 1,90 Meter Körperlänge eine halbwegs entspannte Sitzposition.

Kleiner Vierzylinder
Ansonsten gibt es wie in einem Auto drei Fußpedale, einen Wählhebel für die Fünfgang-Schaltung und ein Sportlenkrad. Hinterm Fondsitz werkelt ein turbogeladener Vierzylinder-Benziner mit nur 660 Kubikzentimeter Hubraum, der 68 PS mobilisiert. Der Motor kommt übrigens von Daihatsu und war bis vor kurzem unter anderem im Copen im Einsatz. Das Motörchen sorgt im Carver für respektable Fahrleistungen: Das rund 650 Kilo schwere Dreirad sprintet in 8,2 Sekunden auf Tempo 100. Der Vortrieb endet bei 185 km/h. Den durchschnittlichen Verbrauch gibt der Hersteller mit 5,8 Litern auf 100 Kilometer an.

Gewöhnungsbedürftig
Obwohl die Demonstration von Stüdemann spielerisch wirkte, ist es recht gewöhnungsbedürftig, den Carver selbst zu lenken. Während im Stand und beim Rangieren das Lenkrad schwergängig ist, reagiert es bei mittlerem Tempo erstaunlich direkt. Dieses sensible Verhalten und das Kippen der Fahrgastzelle sorgt zunächst für ein leicht mulmiges Gefühl. Doch nach wenigen Übungskurven bekommt man mehr Sicherheit und Gefühl für das Zusammenspiel von Lenkung und dem Hydrauliksystem, welches die Kabine nach links oder rechts bewegt. Bald schon hört man einen Piepton, der vom Überschreiten der 35-Grad-Grenze kündet. Das Piepen ist kein Warnton, sondern Bestätigung dafür, dass man den Dreh raus hat. Selbst bis zum Maximal-Neigungswinkel von 45 Grad soll man sicher fahren. Ein Umkippen sei praktisch unmöglich. Allerdings kann das Vehikel in schnellen Kurven auch schon mal über das Vorderrad schieben. Wer dann aus Schreck das Steuer in die Gegenrichtung rumreißt, kann im Extremfall das Fahrzeug zum Umfallen bringen. Die Fahrgäste sitzen immerhin in einer Sicherheitszelle aus hochfesten Stahlrohren. Sollte es tatsächlich zum Äußersten kommen, ist die Verletzungsgefahr vergleichsweise gering.

Preisliste


Carver One

Grundpreis: 39.151 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
elektr. Fensterheber vorn Serie
CD-Radio ab 506
MP3 ab 506
Metalliclackierung 684
Leichtmetallfelgen Serie (15 Zoll)
Lederausstattung ab 1.345

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Benzinmotor mit Turbolader 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 659 
Leistung in PS 68 
Leistung in kW 50 
bei U/min 3.200 
Drehmoment in Nm 100 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn Einarmaufhängung mit hydraulischer Stoßdämpfung 
Radaufhängung hinten McPherson-Aufhängung mit Hinterradlenkung 
Bremsen vorn Scheibe 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 9,5 
Räder, Reifen vorn 17-Zoll-Alurad, 140/70R17 66H 
Räder, Reifen hinten 15-Zoll-Aluräder, 195/45R15 78V 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.400 
Breite in mm 1.300 
Höhe in mm 1.400 
Radstand in mm 2.700 
Leergewicht in kg 643 
Zuladung in kg 198 
Tankinhalt in Liter 34 
Kraftstoffart Benzin, 95 ROZ 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 185 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,2 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,8 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,0 
CO2-Emission in g/km 136 
Schadstoffklasse Euro 4 

Ganz schön schräg