Dacia Sandero 1.6 MPI tritt im Test gegen gebrauchten Renault Clio 1.2 16V an

Nur 7.500 Euro kostet der Dacia Sandero: So billig war ein Schrägheckfahrzeug schon lange nicht mehr zu haben. Für uns gehört der Stadtflitzer deshalb zu den Autos des Jahres. Wir wollten ihn gegen einen der meistverkauften Kleinwagen testen, doch der Hersteller sagte kurzfristig ab: ,Ein Vergleichstest gegen den Sandero? Da kann unser Auto ja nur verlieren", so der Pressesprecher. Vorschusslorbeeren für den Sandero. Wir aber mussten uns schnellstens nach einer Alternative umsehen. Da traf es sich gut, dass eine Kollegin seit einem Jahr einen Renault Clio fährt. Der ist gleich groß und auch die Motorisierung passt in etwa: Unser Sandero kommt mit dem 87-PS-Basismotor, der Clio hat 75 PS. Und der Preis? Unser topausgestatteter Dacia kostet 10.000 Euro. Nach der CD-ROM ADAC Gebrauchtwagen 2008/2009 ist ein gebrauchter Clio 1.2 16V Dynamique als Fünftürer nach einem Jahr und 13.000 Kilometer Laufleistung 10.100 Euro wert, das kommt also gut hin. Die Kollegin fährt allerdings einen Dreitürer, aber ansonsten passen die beiden Autos zueinander wie zwei Eier aus dem gleichen Gelege. Wir haben sie gegeneinander antreten lassen.

MOTOR / GETRIEBE
Wie im Stufenheckverwandten Dacia Logan kommen im Sandero die aus dem alten Clio bekannten Zweiventil-Motoren zum Einsatz. Hier ist es ein 1,6-Liter-Aggregat mit 87 PS. Das Drehmoment liegt bei 128 Newtonmeter, die bei 3.000 U/min anliegen. Der Clio hat einen viel kleineren Motor, der dafür aber mit vier Ventilen arbeitet. Der 1,2-Liter ist jedoch schwächer und produziert nur 75 PS und 105 Newtonmeter. Dazu liegt das maximale Drehmoment beim Sandero schon bei 3.000 Touren an, beim Clio erst bei 4.250 U/min. Beide Aggregate haben den Vorteil, dass sie bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen um die 1.500 Touren Schub liefern. Das heißt, man kann bei typischem Stadttempo von 55 km/h im fünften Gang fahren und bei Bedarf schneller werden, ohne zurückzuschalten. Doch der Clio wirkt dabei etwas träger, wenn man aus dem Drehzahlkeller heraus beschleunigt. Groß ist der Unterschied nicht, aber spürbar.

Die Autobahn-Dröhnung
Alltagstauglich sind beide Motoren. Allerdings ist das Aggregat des Sandero nicht gerade laufruhig. Beim Warten an der Ampel wird dem Fahrer durch das sanfte Vibrieren des Antriebs das Hinterteil im Sitz massiert. Auch am Schalthebel lässt sich die Vibration deutlich fühlen. Beim Clio ist Ähnliches nur in sehr meditativen Momenten spürbar. Hier nervt, dass die Kupplung erst auf den zwei letzten Zentimetern kommt. So ist das eben bei einem nicht mehr ganz neuen Auto, aber hier vergleichen wir Neu mit Alt, also darf man es dem Clio auch negativ ankreiden. Ein zweites Manko ist die Lautstärke. In beiden Kleinwagen wird es bei hohem Tempo recht laut. Schon ab 120 km/h braucht man starke Nerven. Das Maximaltempo liegt bei beiden Autos fast gleich: Der Clio schafft laut Datenblatt 167 km/h, der Sandero 174 km/h. Den Clio-Tacho brachten wir mit Bleifuß auf 180 km/h, doch ist das wahrlich keine Freude mehr. In diesem Bereich dröhnt und stöhnt der Renault so stark, dass wir nicht wagten, bis zum Äußersten zu gehen. Aber der Sandero wird bei Autobahntempo ebenfalls zu laut, wenn auch nicht ganz so arg. Auch hier wird das Maximaltempo erst bei Drehzahlen jenseits von 5.000 U/min erreicht. Ein Gang mehr als die serienmäßigen fünf würde beiden Autos nicht schaden.

Clio deutlich sparsamer
Bisher geht der Vergleich zugunsten des Sandero aus, doch beim Spritverbrauch schlägt der größere Hubraum negativ zu Buche. Der Sandero 1.6 MPI braucht laut Hersteller 7,2 Liter auf 100 Kilometer, während sich der Clio 1.2 16V mit 5,9 Liter zufrieden gibt – ein gewaltiger Unterschied von rund 20 Prozent. Auf unseren Testfahrten waren die Verhältnisse anders: Den Sandero bewegten wir mit 8,0 Liter auf 100 Kilometer, während unsere ambitioniert fahrende Kollegin mit dem Clio 8,7 Liter auf 100 Kilometer braucht. Doch diesen Zahlen sollte man nicht allzu viel Gewicht beimessen – sie können durch unterschiedliche Fahrweisen bedingt sein. Insgesamt hat der Sandero den stärkeren und weniger lauten Motor, der Clio verbraucht dafür weniger. Das bedeutet: In dieser Kategorie ergibt sich ein Unentschieden.

FAHRWERK / LENKUNG
In puncto Fahrwerk bieten beide Autos eine kleinwagentypische Ausstattung. Vorne gibt es eine McPherson-Achse, hinten eine Verbundlenkerachse. Anders als beispielsweise beim VW Polo sind in beiden Wagen nur vorne Querstabilisatoren eingebaut; dieses Manko lässt die Autos in Kurven relativ stark wanken. Im Ergebnis gefällt uns das Fahrwerk des Clio besser. Der Sandero quittiert Bodenunebenheiten oft mit dumpfen Schlägen, was beim Clio kaum der Fall ist. Zum Teil liegt das wohl auch an der besseren Geräuschdämpfung. Ein weiterer Unterschied ist die Bodenfreiheit: Der Sandero eignet sich mit knapp 16 Zentimeter besser für schlechte Straßen als der Clio mit zwölf Zentimeter. Wie bei Kleinwagen üblich, bremsen beide vorne mit Scheiben, hinten mit Trommeln.

Träge Sandero-Lenkung
Eine Servolenkung besitzen beide Testfahrzeuge, allerdings ist sie beim Clio elektrisch und geschwindigkeitsabhängig, beim Sandero gibt es eine traditionelle hydraulische. So fällt beim Dacia die bei geringem Tempo schwergängige Lenkung negativ auf. Gut, dass wir nicht die Basisversion hatten, denn die hat gar keine Servolenkung. Insgesamt ist das Urteil klar: Vorteil für den Clio.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Von außen gesehen sind unsere beiden Testkandidaten keine rechte Augenweide. Beide wirken für unseren Geschmack zu rundlich, ja pummelig. Wenn die beiden Kleinen auf dem Parkplatz nebeneinander stehen, sieht man ihre enge Verwandtschaft. Der Sandero beruht ja auch auf der gleichen Plattform. So ist es nicht verwunderlich, dass die Maße des Sandero und des 2005 eingeführten Clio sehr ähnlich sind: Die zwei unterscheiden sich hier nur um Zentimeter. Beide sind rund vier Meter lang, 1,70 Meter breit und 1,50 Meter hoch. Während der Sandero stets als Fünftürer ausgeliefert wird, gibt es den Clio auch als Dreitürer. Beide Fahrzeuge sind für fünf Insassen zugelassen, wobei der dritte Sitzgurt im Fond im Dach verankert ist, was nicht sehr praktisch ist. Der Sitzkomfort im Fond ist jedoch unterschiedlich: Im Sandero gibt es sowohl für die Knie wie für den Kopf genug Platz. Dagegen ist die Kniefreiheit im Clio begrenzt.

Keine ebene Ladefläche
Beim Kofferraum ist der Sandero Klassenkönig: 320 bis 1.200 Liter sind der Bestwert bei Kleinwagen. Beim Clio sind es mit 288 bis 1.028 Liter weniger. Die großen Werte gelten jeweils für umgeklappte Rücksitze und dachhohe Beladung. Bei beiden Fahrzeugen sind die Fondsitze asymmetrisch geteilt umklappar; dies gibt es beim Sandero allerdings nur in der Topversion. Beim Clio sind nicht nur die Sitzlehnen klappbar, sondern auch die Sitzpolster. Dennoch bleibt auch hier – wie beim Sandero – eine störende Schwelle, und der vordere Teil der Ladefläche steigt deutlich an. Ein 28-Zoll-Tourenfahrrad passt nach Demontage des Vorderrades in beide Autos. Dennoch: Gut nutzbar sind die Laderäume nicht. Die Ladekante ist beim Dacia deutlich höher, wozu wohl auch die größere Bodenfreiheit beiträgt. Dafür hat er eine passable Ladeschwelle. Beim Clio stört beim Herausholen von schweren Getränkekisten eine gleich 22 Zentimeter hohe Barriere am Kofferraumausgang.

Beim Innendesign liegt der Clio vorn
Was das Design des Cockpits angeht, so gefällt uns der Clio deutlich besser, obwohl wir hier nur die mittlere Ausstattung Dynamique hatten, während der Sandero in der Topausstattung bei uns ankam. So besitzt der Clio in der Dynamique-Version ein hinterschäumtes Armaturenbrett, schöne Mattchrom-Applikationen sowie ein Lederlenkrad. Auch was die Ergonomie angeht, gebührt dem Clio der Vorzug. So hat die Scheibenwaschanlage des Sandero keine Automatik: Nach dem Nassspritzen der Frontscheibe muss man den Scheibenwischer manuell an- und wieder ausstellen. Ungewohnt ist die Bedienung der Hupe über den Blinkerhebel. Und der Blinker klingt beim Sandero piepsig, was die meisten Tester zumindest als ungewohnt, wenn nicht als nervig empfanden. Außerdem wackelte in unserem nagelneuen Dacia der Fahrersitz: Er bewegte sich bei jedem Bremsmanöver etwas nach vorne. Die Sitzhöheneinstellung war für uns in beiden Autos wenig hilfreich. Beim Sandero funktionierte sie gar nicht, im Clio ist sie nur für kleine Leute vorteilhaft; wir fuhren stets in der niedrigsten Sitzposition.

AUSSTATTUNG / PREIS
Der Sandero 1.6 MPI Lauréate kostet 10.000 Euro glatt. Den fünftürigen Clio 1.2 16V Dynamique gibt es neu für 14.100 Euro. Wie ausgeführt, ist ein einjähriger Gebrauchter für rund 10.000 Euro zu haben. Zum Sicherheitspaket gehören beim Sandero nur vier Airbags sowie Nebelscheinwerfer. Die Kopfairbags fehlen und ESP ist gar nicht erhältlich. Dagegen besitzt der Clio sechs Airbags, und ein Fahrstabilitätsprogramm kann wenigstens gegen Aufpreis bestellt werden. Außerdem leuchtet der Clio Dynamique serienmäßig mit Kurvenlicht.

Gleich guter Komfort
Was den Komfort angeht, sind beide Autos etwa gleich ausgestattet. Sowohl der Sandero Lauréate wie der Clio Dynamique besitzen elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, höhenverstellbares Lenkrad und Fahrersitz sowie eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Unser Clio war mit dem MP3-fähigen Klang- und Klimapaket ausgestattet, das es für 1.500 Euro gibt. Es umfasst eine Klimaanlage und ein MP3-fähiges CD-Radio – sicher keine schlechte Wahl. Hinzu kam noch die Metalliclackierung für 450 Euro. Der Speziallack kostet beim Sandero ebenso viel. Ein – nicht MP3-fähiges – CD-Radio und eine Klimaanlage sind zusammen für 1.250 Euro zu haben.

Ausstattung beim Clio etwas besser
Insgesamt haben wir unseren Vergleich so ausgelegt, dass die Preise der beiden Fahrzeuge fast gleich sind. Die Ausstattung ist indes beim Clio etwas besser, denn hier bekommt man zwei zusätzliche Airbags und Kurvenlicht. Außerdem ist hier die Liste der bestellbaren Optionen deutlich länger. Schwerer wiegt, dass ein ESP beim Sandero auch nicht gegen Aufpreis zu haben ist. Zu berücksichtigen ist noch, dass der gebrauchte Clio nur noch ein Jahr Garantie hat, während der Dacia sogar drei Jahre vorweisen kann. In der Kategorie Ausstattung und Preis geht der erste Platz dennoch an den Clio – ein fehlendes ESP ist für uns nicht akzeptabel.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Unsere beiden Testkandidaten aus dem gleichen Plattform-Holz liegen nahe beieinander. Beim Motor ergibt sich wie erwähnt ein Unentschieden: Der hubraumstarke Sandero ist kräftiger und leiser, der Clio dafür sparsamer. Fahrwerk und Lenkung sind beim Renault besser. Der Dacia glänzt dafür in der Disziplin Karosserie wegen des guten Platzangebots im Fond und im Kofferraum.

    Clio siegt nach Punkten
    Was Ausstattung und Preis angeht, siegt wieder der Clio, vor allem, weil der Sandero kein zeitgemäßes Sicherheitspaket bieten kann. Damit steht fest: Der Clio siegt nach Punkten, wenn auch nur knapp. Da der Unterschied nicht groß ist, erhalten beide die gleiche Zahl an Sternen.

  • Dacia Sandero 1.6 MPI
    80%
    viel Platz im Fond und im Kofferraum
    kein ESP, nur vier Airbags
  • Renault Clio 1.2 16V
    80%
    akzeptables Fahrwerk
    ESP verfügbar

Bildergalerie: Aus gleichem Holz