Daihatsu Materia, Mini Clubman und Renault Modus mit 110-PS-Benzinern im Test

Gerade Kleinwagen müssen tagtäglich das Unmögliche vollbringen: Klaglos die lärmende Kinderschar aufnehmen, alle Einkäufe schlucken und trotzdem noch in engste Parklücken hineinpassen. Dieser Spagat zwischen ,außen klein" und ,innen groß" ist die Königsdisziplin des Kleinwagenbaus. Wie das Dilemma gelöst wird, darin unterscheiden sich die Angebote der Hersteller deutlich. Wir haben drei Autos ausgesucht, die verschiedene Wege aufzeigen: den boxartigen Daihatsu Materia, den kombihaften Mini Clubman und den Minivan Renault Modus. Im Folgenden vergleichen wir Benzinversionen mit rund 110 PS.

MOTOR/GETRIEBE
Den stärksten Motor unserer drei Testkandidaten bietet der Mini, denn beim Clubman gibt es keinen One, sondern die Skala beginnt erst beim 120 PS starken Cooper. Der Kleinkombi mit dem 1,6-Liter-Aggregat ist zwar der stärkste, aber mit rund 1,2 Tonnen auch der schwerste Flitzer im Test. Der Daihatsu ist gleich 200 Kilo leichter und bietet mit seinem 1,5-Liter-Motor 103 PS. Der Modus schließlich wiegt mit knapp 1,2 Tonnen fast so viel wie der Mini, ist aber mit 100 PS der Schwächste im Vergleichsfeld. Zu diesen Zahlen passt, dass der Franzose laut Datenblatt am langsamsten spurtet, gefolgt vom Daihatsu. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Mini am schnellsten; er ist etwa eine Sekunde schneller als der Materia.

Am schnellsten ist der Mini
Auch bei Maximaltempo fährt der Münchner seinen Testgegnern davon: Er schafft 201 km/h, während der Renault nur 180 km/h erreicht und der Materia bei 170 km/h aufgibt. Der Mini ist von der Papierform also überlegen. Doch wirkt der Mini Cooper Clubman keineswegs wie ein überlegener Renner. In der täglichen Fahrpraxis fühlen sich alle drei Motoren recht ähnlich an. Wenn wir einem von den dreien den Vorzug geben müssten, würden wir den Modus wählen. Sein 1,2-Liter-Motor mit Turboaufladung ist ein typisches Downsizing-Aggregat. Es produziert 145 Newtonmeter, die bereits bei 3.000 Touren anliegen. Der relativ großvolumige 1,6-Liter-Motor des Mini liegt hier mit 160 Newtonmeter zwar vorne, doch steht die Kraft erst bei 4.250 U/min zur Verfügung. Der Materia mit 132 Newtonmeter bei 4.400 Umdrehungen trägt beim Drehmoment die rote Laterne.

Schluckfreudiger Daihatsu
Während sich bezüglich Dynamik die drei Autos nicht viel nehmen, liegt der Mini in puncto Spritkonsum vorne – im positiven Sinne. Er braucht laut Hersteller nur 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Zweiter wird der Modus mit 5,9 Liter und der Materia fährt mit 7,2 Liter deutlich hinterher. Bei unseren Messungen war die Reihenfolge die gleiche, wenn die Werte auch etwas höher lagen: Der Materia brauchte 7,4 Liter, der Modus 6,8 und der Mini 6,5 Liter. All diese Werte verstehen sich mit dem Seriengetriebe. Während der Mini sechs Gänge besitzt, haben die anderen beiden je einen Gang weniger. Zum Spritsparen im Alltag trägt bei dem kleinen Münchner auch die Schaltpunktanzeige bei. Hinzu kommt ein Start-Stopp-System, das den Motor zum Beispiel an der Ampel automatisch abschaltet. Unserer Erfahrung nach stellt das System selbst in zeitkritischen Situationen kein Problem dar. Auch wenn man vor dem Linksabbiegen auf dem Sprung ist, um durch die kleinste sich bietende Lücke im Gegenverkehr zu sprinten, kommt man schnell genug weg.

Mini als knapper Sieger
Was Sparsamkeit angeht, schneidet der Mini insgesamt am besten ab. Dafür wirkt er trotz überlegener Motorleistung und bester Spurtzeit nicht flotter als die übrigen Kandidaten. Nur wegen der Verbrauchsdaten gewinnt er diese Kategorie mit knappem Vorsprung. Der etwas flinker wirkende Modus ist ihm mit seinem nur 0,4 Liter durstigeren Downsizing-Motor dicht auf den Versen. Der Materia fällt hier mit einem deutlich schluckfreudigeren Aggregat negativ auf.

FAHRWERK/LENKUNG
Viel deutlicher als bei Motor und Antrieb fällt das Vergleichs­ergebnis beim Fahrwerk aus. Hier waren wir wenig überrascht, dass der Mini weitaus am besten abschneidet. Schließlich kannten wir das hervorragende Fahrwerk des Mini aus unseren zahlreichen Tests des Schrägheck-Modells. Der fahrbare Untersatz des Münchner Originals ist schon ohne die optionale sportliche Auslegung straff abgestimmt. Auf nicht ganz ebenen Strecken kann das durchaus auch mal nerven, aber das sind Randerscheinungen. Im Großen und Ganzen ist der Mini das, was man sich als sportlicher Fahrer wünscht. Deutlich weniger wankstabil sind der Daihatsu und vor allem der arg schwankende Renault. Beide ragen zudem deutlich höher auf, was dem Fahrwerk wegen des höher liegenden Schwerpunkts von vornherein eine harte Nuss zu knacken gibt.

Unterschiedliche Lösungen
Doch der völlig unterschiedliche Fahreindruck in Kurven ergibt sich auch aus den unterschiedlichen Konstruktionsweisen. Vorne bauen alle drei Fahrzeuge auf die üblichen McPherson-Federbeine, hinten besitzen Materia und Modus die in dieser Klasse übliche Verbundlenkerachse. Der Mini Clubman dagegen weist hinten eine aufwendige Multilinkachse auf, die auch eine Kategorie höher in der Golfklasse noch keineswegs selbstverständlich ist. Ähnlich ist es bei den Bremsen: Wie bei Kleinwagen üblich – zumindest bei den weniger starken Versionen –, sind Materia und Modus hinten mit Trommelbremsen ausgestattet, der Mini dagegen mit Scheibenbremsen. Vorne haben alle drei Modelle innenbelüftete Scheibenbremsen. Da der Mini etwas schwerer ist, steht ihm die beißkräftigere Bremsanlage gut zu Gesicht. In der Praxis merkt man bei der Bremsleistung allerdings keinen Unterschied.

Dreimal 15 Zoll
Der Materia 1.5 wird mit 15-Zoll-Leichtmetallfelgen ausgeliefert, die mit 185er-Reifen bestückt sind. Die gleichen Dimensionen gelten beim 100-PS-Modus, allerdings handelt es sich hier serienmäßig um Stahlfelgen. Auf minimal schmalerem Fuße kommt der Clubman in der getesteten Motorisierung daher: Seine 15-Zöller werden mit 175er-Reifen bestückt. ESP kostet beim Daihatsu und beim Renault Aufpreis, was in der kleinen Klasse die Regel ist; beim Mini ist das Anti-Schleuder-System dagegen Serie. Die Zusammenfassung des Kapitels Fahrwerk und Lenkung darf kurz und eindeutig ausfallen: Sieg für den Mini.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Was das Karosseriedesign angeht, ist der Mini für uns das schickste Auto im Vergleich. Der Materia ist eher Geschmackssache. Uns ist das Auto zu kastenartig; wir würden es vielleicht als cool bezeichnen, aber nicht als schön. Der Modus schließlich ist für uns optisch am wenigsten gelungen. Materia und Modus werden stets fünftürig geliefert, der Clubman gewissermaßen auch: Hier gibt es neben den beiden Vordertüren und den beiden Lieferwagentüren am Heck noch eine schmale, gegenläufig öffnende Seitentür auf der Bürgersteigseite. Ein vollwertiger Ersatz ist diese so genannte Clubdoor allerdings nicht. Man erreicht zwar den rechten Fondsitz ganz gut, zwängt sich aber nur mühsam auf den linken Fondsitz durch. Bei Materia und Modus fällt das Einsteigen in den Fond deutlich leichter, zumal beim Materia, wo sich die hohen Fondtüren fast im 90-Grad-Winkel öffnen lassen.

Viel Fondraum im Materia
Beim Mini ist auch die Kniefreiheit am geringsten. Mittelgroße Erwachsene haben zwar gerade noch genug Platz für ihre Knie, wenn vorne kein langer Lulatsch sitzt. Man sitzt auch deutlich besser als im normalen Mini. Doch der Modus und besonders der Materia bieten hier deutlich mehr. Beim Daihatsu lässt sich die Rückbank serienmäßig um rund 15 Zentimeter längs verschieben. Ordert man die Triptic-Rückbank für 300 Euro, ist das auch beim Modus möglich. In der hintersten Sitzposition kann man im Materia sogar bequem die Beine übereinanderschlagen, beim Modus klappt es mit etwas Gelenkigkeit ebenfalls. Um die Sitzbank so weit nach hinten zu bekommen, haben sich die Renault-Tüftler eine einzigartige Lösung einfallen lassen: Die Sitzpolster der Triptic-Bank lassen sich in Richtung Fahrzeugmitte zusammenschieben. Dann passt die Bank nämlich zwischen den hinteren Radkästen hindurch. Alle drei Autos sind normalerweise fünfsitzig; bei unserem Mini-Testfahrzeug war jedoch die ohne Aufpreis verfügbare zweisitzige Rückbank installiert – gut so, denn drei Personen hätten hier sowieso kaum Platz.

Materia: Auch beim Gepäcktransport top
Will man viel Gepäck transportieren, ist der Materia der angenehmste Helfer. Hier gibt es keine Ladeschwelle, die beim Ausladen stört. Außerdem lässt sich der Beifahrersitz serienmäßig nach hinten legen. Das Umklappen der Rücksitze ist simpel, und man erhält einen leidlich ebenen Ladeboden. Beim Modus mit der bei unserem Testwagen installierten Triptic-Bank ist der Umbau nicht so einfach. Hier lassen sich die Rücksitzlehnen asymmetrisch geteilt umklappen, die Rückbank selbst aber nicht. Man schiebt das ganze Möbel nach vorne und klappt es dann in die Senkrechte – mit ein, zwei Handgriffen wie im Materia geht das nicht. Vor dem Umbau müssen auch die Vordersitze weit nach vorn geschoben werden. Man erhält einen einigermaßen ebenen Ladeboden, doch bleiben die Schlitze der Sitzverankerung zurück, in die leicht kleinere Teile fallen. Außerdem stört eine Schwelle beim Ausladen von schweren Transportgegenständen.

Clubman: Enger Kofferraumausschnitt
Beim Clubman geht die Metamorphose zum Mini-Möbeltransporter zwar flott und einfach von der Hand. Man erhält auch einen schön ebenen Ladeboden, vorausgesetzt, man ordert ein extra Einlegebrett für 180 Euro. Dafür ist der Kofferraumausschnitt aber so eng, dass man sich beim Eintauchen in die Gepäckwelt schwer tut. Wenn im Gepäckabteil alles schön ordentlich verstaut und geordnet ist, und man möchte befreit wieder auftauchen, stößt man sich fast unweigerlich den Hinterkopf.

Schicker Mini-Innenraum
Ansonsten gefällt uns der Innenraum beim Mini gut. Er ist zwar mit den zahllosen Schaltern und Hebelchen ein wenig überladen. Doch alles wirkt edel und die Materialien sind wertvoller als sonst von Kleinwagen gewohnt. Im Materia sitzt man weit hinter der fast senkrecht stehenden Frontscheibe, so dass man sich ein wenig wie in einem Lieferwagen fühlt. Beim Modus fallen die großen Glasflächen auf. Die Sitzposition lässt sich beim Mini am besten einstellen; doch Mittelgroße fühlen sich auch im Modus und Materia noch wohl. Insgesamt sprechen die schicke Karosserie und die schönen Materialien im Inneren für den Mini. In puncto Raumangebot im Fond und beim Kofferraum empfehlen wir den Materia.

AUSSTATTUNG/PREIS
Zur wichtigsten Ausstattung eines Autos gehören unserer Ansicht nach die Sicherheitselemente. Hier präsentiert sich der Mini Clubman vorbildlich mit serienmäßigem ESP und sechs Airbags. Ärgerlich nur, dass die Abschaltung des Beifahrerairbags extra kostet. Insgesamt ist aber zu erwarten, dass der Mini-Kombi wie die Limousine die Maximalwertung von fünf Sternen im EuroNCAP-Crashtest erzielt. Die hat der Renault bereits in der Tasche. Er ist in puncto Sicherheit am zweitbesten ausgestattet. Die für unsere Motorisierung einzig verfügbare Ausstattung Dynamique besitzt sechs Airbags; das Anti-Schleuder-System kostet 500 Euro Aufpreis. Bei Daihatsu zahlt man sowohl für das ESP als auch für die Kopfairbags extra.

Komfortabler Materia
Beim Komfort ist der Materia am besten ausgestattet. Er besitzt elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und sogar eine Klimaanlage, ein MP3-fähiges CD-Radio, Nebelscheinwerfer sowie Alufelgen. Fast genauso gut ist der Modus ausgerüstet. Hier fehlen nur die MP3-Funktion sowie die Alufelgen. Der Clubman fällt in puncto Serienausstattung ab. Hier muss man gegenüber dem Materia auf die MP3-Funktion, die elektrischen Fensterheber hinten, eine Klimaanlage und die Nebelscheinwerfer verzichten.

Sehr teurer Clubman
Den niedrigsten Einstiegspreis besitzt der Modus 1.2 16V TCE: 14.950 Euro. Einen knappen Tausender mehr, nämlich 15.790 Euro, muss man für den Materia 1.5 hinlegen. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass man dafür auch schon gute Kompaktwagen bekommt. Wer hier schon zurückschreckt, macht beim Preis für den Mini Cooper Clubman besser die Augen zu. 19.900 Euro wollen die Münchner für das gute Stück haben. In der Disziplin Ausstattung und Preis bekommen der Modus und der Materia jeweils einen halben Siegerkranz. Der Modus ist das nominell günstigste Angebot. Wenn man das fehlende ESP sowie die – nicht unbedingt nötigen – Alufelgen dazubestellt, kommt man mit etwa 16.100 Euro weg. Etwas teurer ist der Materia: Mit den Extras ESP und Kopfairbags bezahlt man hier knapp 17.000 Euro. Deutlich mehr muss man beim Mini Clubman berappen. Hier ist zwar die Sicherheitsausrüstung vollständig, dafür werden für eine gleichwertige Komfortausstattung nochmal etwa 1.300 Euro fällig. So landet man bei exorbitanten 21.200 Euro. Dafür bekommt man auch einen gleich starken VW Golf 1.4 TSI.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Alle drei Autos haben uns gut gefallen, allerdings sind auch die Schwächen unübersehbar. In puncto Motor wirkt der Mini Clubman trotz mehr Leistung nicht flotter als seine Testgegner. Er ist der Sparsamste, doch der Modus ist ihm dicht auf den Versen. Beim Fahrwerk sticht der Mini deutlich positiv hervor. Im Inneren wirkt der Clubman edel, ist aber alles andere als ein Raumwunder. Viel mehr Platz im Fond bieten der Modus und vor allem der Materia. Auch beim Kofferraum schneidet der Daihatsu am besten ab. Beim Preis siegt dagegen wieder der Modus. Objektiv ergibt sich ein Unentschieden. Persönlich würden wir uns aber am ehesten für den Materia entscheiden.

  • Daihatsu Materia 1.5
    90%
    sehr gutes Innenraumangebot
    hoher Spritverbrauch
  • Mini Cooper Clubman
    90%
    sehr gutes Fahrwerk, niedriger Verbrauch
    schlechtes Innenraumangebot, sehr hoher Preis
  • Renault Modus 1.2 16V TCE
    90%
    niedriger Preis, gute Ausstattung
    unschönes Design, wankanfälliges Fahrwerk

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