Neuer starker Diesel, cleverer Partikelfilter, neuer Spurwechselassistent

Den Mazda 6 haben wir bereits mehrfach gestestet. Zuerst anlässlich seiner Vorstellung Ende 2007 als Limousine mit den 1,8- und 2,0-Liter-Einstiegsbenzinern. Kurz danach nahmen wir den bisher kräftigsten Motor, den 2,5-Liter-Benziner mit 170 PS, in der Limousine unter die Lupe. Zuletzt kam Anfang 2008 der 140 PS starke Zweiliter-Diesel an die Reihe, den wir in der schnittigen Kombi-Variante fuhren. Und diese Dieselmaschine hat – zumindest hierzulande – nur eine kurze Einsatzdauer. Denn Mazda bringt nun einen völlig neu entwickelten 2,2-Liter-Dieselmotor, der in drei Leistungsstufen von 125, 163 und 185 PS auf den Markt kommt. Wir haben die Topvariante dieses Trios ausprobiert.

Nicht-Premium?
Der Mazda 6 ist in drei Karosserievarianten erhältlich, als viertüriges Stufenheckmodell, als fünftürige Fließhecklimousine und als Kombi. Mazda selbst stuft das Fahrzeug als ,Nicht-Premium" ein. In Design, Ausführung und Spaltmaßen kommt der Mittelklassewagen aber nahe an so genannte Premiumfahrzeuge von Audi, BMW oder Mercedes heran. Wir haben ihm in unseren bisherigen Testberichten eine bodenständige und solide Dynamik attestiert.

Schick gestylt
Das Außendesign des Mazda 6 kann mit dem Schick von Audi oder BMW mithalten. Der Innenraum zeigt sich vielleicht nicht ganz so hochwertig wie bei den deutschen Nobelmarken, aber durchaus auf hohem Niveau. Das Platzangebot ist reichlich und der Kombi kann mit einem pfiffigen Faltsystem für die Rücksitze punkten. Obwohl die Vordersitze bequem sind und ausreichend Seitenhalt bieten, könnten die Oberschenkelauflagen für große Leute ein wenig länger sein.

Komfortable Fortbewegung
Fahrdynamisch zeigt sich der Mazda 6 auf der Höhe der Zeit: Er lässt sich sportlich bewegen, wenngleich die Priorität eher auf der komfortablen Fortbewegung liegt. Dabei ist dem Wagen erfreulicherweise das Wanken in Kurven weitgehend fremd. Die Lenkung empfanden wir als angenehm direkt und sowohl die Fünf- als auch die Sechsgang-Schaltung überzeugen mit leichter Bedienung auf kurzen Wegen – das kriegen viele andere Autohersteller nicht so gut hin.

Mazda 6 verkauft sich gut
Und so erweist sich der neue Mazda 6 als Erfolgsnummer: Bisher konnten in Europa davon bereits 80.000 Einheiten verkauft werden, zwei Drittel davon als Diesel. In Deutschland wurden bis Ende Oktober 9.800 Wagen abgesetzt. Der neue Common-Rail-Diesel entspricht nach Einschätzung von Mazda der bislang noch steigenden Nachfrage in Europa nach Leistung. Das Unternehmen geht in Deutschland von einem Verkaufsanteil von 36 Prozent aus.

185 PS mit zweiflutiger Auspuffanlage
Was bringt nun der neu entwickelte Vierzylinder-Diesel? Als Entwicklungsziele wurden ihm geringer Verbrauch, geringe Emissionen und eine hohe Laufruhe ins Lastenheft geschrieben. Für die kurvige Teststrecke auf Mallorca haben wir uns den 185 PS starken Turbodiesel geschnappt. Während der (mit 700 Euro zu bezahlende) Unterschied zwischen der 125- und der 163-PS-Variante in einem anderen Chip mit einer anderen Steuerungssoftware besteht, werden die 185 PS auch durch eine geänderte Hardware wie eine zweiflutige Auspuffanlage hervorgebracht.

Vorwärtsdrang mit 400 Newtonmeter
Die ,High-Power-Ausführung" des Diesels in unserem Testwagen kann rundum überzeugen. Einzig eine gewisse Anfahrschwäche lässt den 1,6-Tonner aus den engen Kehren der mallorquinischen Serpentinenstrecken nur bedächtig rauskommen, aber dreht die Maschine erst mal über 2.000 Touren, ist der Vorwärtsdrang der 400 Newtonmeter Drehmoment schier unbändig. Man fragt sich, wozu kleine Sechszylinder-Benziner angesichts dieses Drucks eigentlich gut sein sollen.

Noch keine Automatik verfügbar
Und obwohl sich das Sechsgang-Getriebe auf kurzen Wegen wie Butter schalten lässt, ärgern wir uns doch, dass es keine Automatik für den Diesel gibt und die Mazda-Ingenieure sich auch noch zwei bis drei Jahre Zeit nehmen wollen, bis sie ihr eigenes Doppelkupplungs-Schaltgetriebe fertig haben. So etwas wäre bei dieser Maschine eigentlich optimal.

Leiser und vibrationsarmer Lauf
Doch ansonsten überzeugt der Mazda 6 2.2 MRZ-CD mit seinen 185 PS auf der ganzen Linie, die vielen Detailmaßnahmen für diesen Motor haben sich gelohnt: Das neue Common-Rail-System mit Einspritzdüsen, die nun zehn statt acht Löcher aufweisen, die Steigerung des Einspritzdrucks von 1.800 auf 2.000 bar, die verbesserte variable Schaufelgeometrie des Turboladers und vor allem der hochsteife Motorblock aus Aluminium mit einer Ausgleichswelle sorgen für einen sehr leisen und vibrationsarmen Lauf. Nur bei ausgeschaltetem Radio lässt sich gelegentlich noch ein Nageln erahnen und die Motorgeräusche beim Hochbeschleunigen erinnern eher an einen Benziner.

Innovativer Dieselpartikelfilter
Auch mit dem 2,2-Liter-Diesel ist der Mazda 6 auf Komfort ausgelegt – wenn auch sportlich schnelles Fahren kein Problem darstellt – und daher passt der neue Motor exzellent zu dem Wagen. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Japaner als Weltpremiere einen komplett neuen Dieselpartikelfilter konstruiert haben. Eine neue Keramikstruktur erlaubt im Gegensatz zu bisherigen Konstruktionen das Eindringen von Sauerstoff in das Trägermaterial und beschleunigt so die Verbrennung der Rußpartikel. Das resultiert in einem geringeren Verbrauch und weniger Emissionen.

Zu hohe Sitzposition
Fahren im Mazda 6 macht Spaß. Einziges Manko: Die Sitzposition ist recht hoch und zwar sowohl bei den von Hand verstellbaren Stoffsitzen als auch bei den elektrisch bewegten Pendants aus Leder. Und das gilt für große und für kleinere Leute. Gut: Die Bedienung des Mittelklässlers ist durchdacht und gibt keine Rätsel auf. Allenfalls die Funktionen der Lenkradtasten, die in den Topausstattungen vorhanden sind, wollen erlernt werden. Und so haben wir doch etwas Übung gebraucht, um damit den durchschnittlichen Verbrauch unserer ersten Testfahrt anzuzeigen. Der lag dann über acht Liter, obwohl Mazda für den kombinierten Zyklus 5,7 Liter angibt. Immerhin kann sich der CO2-Ausstoß von 152 g/km angesichts des Leistungsvermögens sehen lassen.

Spurwechsel-Assistent
Die Höchstgeschwindigkeit des 185-PS-Mazda-6-Diesels beträgt 218 km/h, die Beschleunigung von null auf hundert dauert 8,3 Sekunden. Man kann also ziemlich schnell unterwegs sein. Da kommt es gerade recht, dass Mazda als Weltneuheit für einen japanischen Automobilhersteller in Europa einen Spurwechsel-Assistenten anbietet. Das ,Rear View Monitoring"-System besteht aus zwei Weitwinkel-Mikrowellen-Radarmodulen mit 24 GHz, die in der linken und rechten Seite des hinteren Stoßfängers montiert sind.

Gegen den "toten Winkel"
Bei Geschwindigkeiten über 60 km/h wird der Fahrer auf Fahrzeuge aufmerksam gemacht, die sich von hinten nähern, damit er nicht unbedacht die Fahrspur wechselt. Auch Fahrzeuge im ,toten Winkel" sowie Motorräder werden auf diese Weise entdeckt. Auch bei widrigen Wetterverhältnissen soll das System funktionieren. Das System deckt die linke und rechte Spur bis zu einer Reichweite von 50 Meter ab. Im Innern des Mazda 6 sind im Bereich der Außenspiegel Warnlichter angebracht. Wenn ein Fahrzeug nur noch fünf Sekunden vom Mazda 6 entfernt ist, leuchtet das Warnlicht der entsprechenden Seite auf. Setzt man den Blinker zum Spurwechsel, während sich ein anderes Fahrzeug im Gefahrenbereich befindet, blinkt das Warnlicht und zusätzlich ertönt ein akustisches Signal.

Umfangreiche Ausstattung
Die Ausstattung des Mazda 6 ist recht umfangreich. Schon die Basisvariante ,Comfort" enthält aktive Kopfstützen, eine manuelle Klimaanlage, ein CD-Radio oder 16-Zoll-Alufelgen. ,Comfort" ist aber nur mit dem 125-PS-Basisdiesel kombinierbar. Weitere drei Ausstattungslinien stehen bereit. Alle können mit den drei Karosserieformen kombiniert werden. Die Variante ,Top" etwa enthält ein Bose-Soundsystem, Bi-Xenon-Licht, Bluetooth, eine Reifendruck-Kontrolle, 18-Zoll-Alus, Leder und mehr. Zusätzlich kann ein DVD-Navigationssystem mit Touchscreen geordert werden oder ein Glasschiebedach und eine Metallic-Lackierung. Unsere Bilder zeigen die Version "Dynamic", die ähnlich wie "Top" ausgestattet ist, aber sportliche Anbauteile bietet.

Nicht billig, aber billiger als "Premium"
Richtig billig ist der Mazda 6 allerdings nicht: So kostet der Kombi mit 185 PS in der preiswertesten Ausstattung ,Exclusive" 29.800 Euro. Ein Ford Mondeo, ebenfalls mit 2,2-Liter-Diesel und 175 PS (in keiner Form identisch mit der Mazda-Maschine), ist als ,Trend" für 28.750 Euro zu haben. Ein Mercedes 220 CDI T-Modell schlägt als ,Classic" aber schon mit 36.979 Euro zu Buche. Und ein Audi A4 Avant mit 2.0 TDI ist als ,Attraction" für 34.150 Euro auch wesentlich teurer als der Mazda 6. Der preiswerteste Mazda 6 Kombi ist der ,Comfort" mit 125 PS für 25.900 Euro.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Mazda 6 2.2 MZR-CD Kombi ist ein Allroundtalent. Das Fahrzeug überzeugt mit einem guten Platzangebot und hoher Übersichtlichkeit. Die Verarbeitung ist Mazdatypisch gut und der neue Motor macht Laune. Er bietet gehörig Druck und so kann die Mittelklasse von Mazda als komfortabler Familiengleiter ebenso wie als schneller Sportlaster bewegt werden. Hervorragend sind die gute Handlichkeit mit direkter Lenkung und leichtgängiger Schaltung sowie die hohe Laufruhe des neu entwickelten Selbstzünders.

  • Antrieb
    90%
    sehr laufruhiger Turbo-Topdiesel
    günstiger Verbrauch
  • Fahrwerk
    85%
    komfortabel, erlaubt dennoch sportliches Fahren
    schluckt Unebenheiten aller Art, wankt kaum
  • Karosserie
    85%
    ansprechendes Design, gute Verarbeitung
    zu hohe Sitzposition für Fahrer und Beifahrer
  • Kosten
    90%
    umfangreiche Ausstattung, viele Sicherheitsfeatures
    günstiger als deutsche Premiumautos

Preisliste


Mazda 6 Sport Kombi 2.2 MZR-CD 136 kW Dynamic

Grundpreis: 32.300 Euro
Modell Preis in Euro
Mazda 6 Sport Kombi 2.2 MZR-CD 136 kW Exclusive 29.800
Mazda 6 Sport Kombi 2.2 MZR-CD 136 kW Top 33.700
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 2.300
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 790
Metalliclackierung 480
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.320
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Multifunktions-Lederlenkrad Serie
automatisch abblendender Innenspiegel Serie
Bordcomputer Serie
Lichtsensor Serie
Regensensor Serie
Spurwechsel-Assistent RVM Serie
Bose-Soundsystem Serie
Bluetooth-Freisprecheinrichtung Serie
Reifendruck-Kontrollsystem Serie
Sitzheizung vorne Serie
Teil-Ledersitze Serie
Professional-Paket (schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, Alarmanlage, Parksensoren vorne und hinten) 960

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbo-Diesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.184 
Leistung in PS 185 
Leistung in kW 136 
bei U/min 1.800 bis 3.000 
Drehmoment in Nm 400 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.550 
Spurweite hinten in mm 1.550 
Radaufhängung vorn Doppelquerlenker 
Radaufhängung hinten Multilenker 
Bremsen vorn Scheiben, belüftet, 299 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 280 mm 
Wendekreis in m 11,4 
Räder, Reifen vorn 225/45 R18 auf 7,5J x 18-Alufelgen 
Räder, Reifen hinten 225/45 R18 auf 7,5J x 18-Alufelgen 
Lenkung Zahnstangen-Lenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.785 
Breite in mm 1.795 
Höhe in mm 1.490 
Radstand in mm 2.725 
Leergewicht in kg 1.510 
Zuladung in kg 635 
Kofferraumvolumen in Liter 519 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.751 
Anhängelast, gebremst in kg 1.600 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 64 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 216 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,7 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,8 
CO2-Emission in g/km 152 
Schadstoffklasse Euro 4 

Mazda 6 Kombi 2.2 Diesel