Topmodell mit 530 PS, noch besseren Fahrleistungen und nahezu Vollausstattung

In einem kleinen schwäbischen Dorf ist Fahrertausch, wir dürfen ans Lenkrad. Durch das Örtchen lässt sich unser 530-PS-Sportler ganz kommod und ohne Aufsehen steuern: kein zu aufdringlicher Sound, das Gaspedal nicht zu sensibel und die Blicke der Bewohner halten sich in Grenzen. Letzteres mag vielleicht auch an der hohen Porsche-Dichte im Großraum Stuttgart liegen. Schließlich passieren wir das Ortsschild, geben Vollgas und dann – dann kommt der Moment, der dieses Auto ausmacht: ein lautes Fauchen aus den beiden Endrohren und der gleichzeitige Adrenalinkick des Fahrers, den man nur unzureichend mit ,In-die-Sitze-gepresst-werden" beschreiben kann. So also fühlt sich das neue Topmodell der 911-Baureihe an, das zusätzlich ein ,S" hinter dem Turbo in der Typenbezeichnung trägt.

Mehrleistung zum Nulltarif
Wenn doch der 911 Turbo mit 500 PS bereits als Non-Plus-Ultra unter den Sportwagen gilt, warum braucht es dann noch eine 30 PS stärkere Superversion? Weil das S-Modell nicht nur noch etwas stärker und noch etwas schneller ist. Weil es zudem
serienmäßig alle performancesteigernden Komponenten besitzt, die für den normalen Turbo aufpreispflichtig sind. Vielleicht auch, weil das ,S" am Heck zeigt, dass man sich fast 25.000 Euro mehr gegenüber dem günstigsten Turbo-Elfer leisten kann. Oder weil der Turbo S sogar ein Schnäppchen ist? Denn die umfangreiche Zusatzausstattung macht den Mehrpreis gegenüber dem kleinen Bruder quasi wieder wett. Und gratis obendrauf gibt's dafür sogar noch zusätzliche Pferdestärken, so argumentiert Porsche.

In 3,3 Sekunden auf Tempo 100
Dafür erhält der Kunde ein wahres Kraftpaket: Der Sechszylinder-Boxermotor holt aus 3,8 Liter Hubraum besagte 530 PS und stolze 700 Newtonmeter Drehmoment. Und die sorgen für exzellente Fahrwerte: Der Spurt von null auf Tempo 100 dauert nur 3,3 Sekunden, die wie im Fluge vergehen und sich auch so anfühlen. Der vergleichbare 911 Turbo benötigt übrigens drei Zehntel mehr. Bei der Höchstgeschwindigkeit werden ebenfalls noch einmal drei Stundenkilometer drauf gepackt. 315 km/h sind mit dem Turbo S machbar.

Nur geringfügige Änderungen am Motor
Dabei präsentiert sich der Benzin-Direkteinspritzer mit Biturboaufladung kaum verändert zum herkömmlichen Turbo-Modell. Lediglich die Steuerung der Einlassventile wurde verändert, dazu der Ladedruck um 0,2 auf 1,2 bar angehoben. Die 50 zusätzlichen Newtonmeter stehen nicht wie beim Turbo nur im kurzzeitigen Overboost zur Verfügung, sondern permanent zwischen 2.100 und 4.250 Umdrehungen. Garniert wird das Ganze durch einen nochmals sportlicheren Motorsound, der durch eine modifizierte Steuerung der Turbolader-Verstellschaufeln generiert wird. Die veränderte Akustik ist wahrnehmbar, wenn die Sport- oder die Sport-Plus-Taste gedrückt sind. Über diese Schalter lassen sich auch die Einstellungen für Antrieb, Fahrwerk, Lenkung und Schaltcharakteristik noch einmal dynamischer gestalten.

Immer mit Doppelkupplungsgetriebe
Während der 911 Turbo auch als Sechsgang-Handschalter zu haben ist, wird der Turbo S ausschließlich mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe PDK ausgeliefert. Dies ermöglicht auch unter Volllast sanfte und vor allem äußerst zügige Schaltvorgänge. Wer gerne selbst Herr der Gänge bleibt, kann das über Paddles am Lenkrad bewerkstelligen.

Allradantrieb und Sperrdifferenzial
Der Allradantrieb sorgt dafür, dass die Kraft über alle vier Räder auf den Asphalt übertragen wird. Das Ergebnis sind eine nahezu perfekte Traktion, hohe Fahrstabilität und ein äußerst agiles Handling. Serienmäßig verfügt die S-Variante über das so genannte Porsche Torque Vectoring (PVT). Dieses System besteht aus einer mechanischen Hinterachsquersperre und einer variablen Momentenverteilung an der Hinterachse. Gezielte Bremseingriffe am kurveninneren Hinterrad erhöhen beim Einlenken, aber auch beim konstanten Befahren einer Biegung die Fahrdynamik.

Ein echter Kurvenräuber
Das Porsche Active Suspension Management (PASM) passt automatisch und kontinuierlich die Dämpfereinstellung der jeweiligen Fahrsituation und Fahrweise an. So bietet das Fahrwerk die Möglichkeit zwischen einer eher komfortorientierten und einer betont sportlichen Dämpferkennung. Vor allem in kurvenreichen Straßen spielt der schwäbische Sportler seine Fähigkeiten aus und bewältigt sie sogar bei hohem Tempo bestens. Für eine hervorragende Verzögerung sorgt die serienmäßige Keramikbremsanlage. Sie ist an gelb lackierten Sätteln zu erkennen, verfügt über größer dimensionierte Scheiben und wiegt 19 Kilogramm weniger als die Grauguss-Anlage des 911 Turbo.

Verbraucht nicht mehr als der Turbo
Erfreulich ist, dass der Normverbrauch des Turbo S nicht höher ausfällt als beim vergleichbaren Turbo-Modell. Laut Hersteller sind das 11,4 Liter Super Plus. Für einen PS-starken Boliden ist das ein durchaus respektabler Wert, an den man aber nur bei behutsamer Fahrt heranreichen kann. Gibt man dem Top-Elfer ordentlich die Sporen, klettert die Verbrauchsanzeige rasant nach oben. Doch ist das für die Fahrer eines 911 Turbo S relevant? Denn die Kosten scheinen Käufer eines Elfer eher selten im Blick zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass man bei der Stuttgarter Sportwagenmarke erwartet, dass sich mindestens jeder zweite Turbo-Kunde für das S-Modell entscheiden wird.

Nochmals mehr Ausstattung
Als Coupé kostet der 911 Turbo S ab 173.241 Euro, für das Cabrio werden mindestens 184.546 Euro fällig. Doch dafür gibt es auch ein bisschen mehr an Ausstattung als beim herkömmlichen Turbo. Serienmäßig sind beim S-Modell adaptive Sportsitze, bei denen sich die Seitenwangen elektrisch verstellen lassen und die den Körper hervorragend umgarnen. Das dynamische Kurvenlicht mit markantem Scheinwerferstyling ist ebenso mit an Bord wie eine zweifarbige Leder-Komplettausstattung. Ebenfalls zum Serienumfang gehören eine Klimaautomatik, ein Navigationssystem sowie ein Audiosystem mit CD-/DVD-Wechsler und 13 Lautsprechern von Bose. Der Adrenalinkick findet also immer in äußerst edlem und luxuriösen Ambiente statt.

Wertung

  • ★★★★★★★★★★
  • Tolle Leistungswerte, super Straßenlage und jede Menge Fahrspaß – der Porsche 911 Turbo S ist ein Supersportler nahezu in Perfektion. Die Veränderungen gegenüber dem normalen Elfer Turbo fallen dezent, aber wirkungsvoll aus. Neben nochmals verbesserten Fahrleistungen überzeugt das neue Topmodell vor allem durch eine nahezu Komplettausstattung. Das erspart das langwierige Studieren der Preisliste samt Überlegung, was man wirklich alles braucht. Voraussetzung ist allerdings ein Geldbeutel, den rund 25.000 Euro Mehrkosten immer noch gut gefüllt aussehen lassen.

  • Antrieb
    100%
    super Fahrleistungen, betörender Sound
    sehr gut harmonierendes Doppelkupplungsgetriebe
  • Fahrwerk
    100%
    liegt perfekt auf der Straße, hohe Kurvendynamik
    agiles Handling, kraftvoll zupackende Keramikbremsen
  • Karosserie
    95%
    sportlich-klassischer Auftritt, Top-Qualität
    wenig Gepäck- und Stauraum
  • Kosten
    85%
    Zusatzausstattung wiegt Mehrpreis gegenüber Turbo auf
    hoher Grundpreis, teure Extras

Preisliste


Porsche 911 Turbo S

Grundpreis: 173.241 Euro
Modell Preis in Euro
Porsche 911 Turbo S Cabriolet 184.546
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie (Doppelkupplungsgetriebe)
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.452
Metalliclackierung ohne Aufpreis
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (elektrisch)
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Porsche Active Suspension Management (PASM) Serie
Sport Chrono Paket Turbo Serie
CD-/DVD-Wechsler (sechsfach) Serie
Bose Surround Soundsystem mit 13 Lautsprechern Serie
adaptive Sportsitze, elektrisch verstellbar Serie
Komfortsitze, elektrisch verstellbar ohne Aufpreis
Sportschalensitze ohne Aufpreis
Sitzheizung 434
Sitzbelüftung 1.131
Lenkradheizung 268
Bluetooth-Freisprecheinrichtung 655
Audio-Schnittstelle AUX, USB und iPod 333

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Boxermotor mit Benzin-Direkteinspritzung und Bi-Turbo-Aufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.800 
Leistung in PS 530 
Leistung in kW 390 
bei U/min 2.100 bis 4.250 
Drehmoment in Nm 700 
Antrieb permanenter Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe PDK 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.490 
Spurweite hinten in mm 1.548 
Radaufhängung vorn Federbeinachse, McPherson-Bauart, mit einzeln an Querlenkern, Längslenkern und Federbeinen aufgehängten Rädern, Kegelstumpffedern mit innenliegenden Schwingungsdämpfern 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse mit einzeln an fünf Lenkern geführten Rädern; zylindrische Schraubenfedern mit koaxialen innenliegenden Schwingungsdämpfern 
Bremsen vorn gelochte und innenbelüftete Keramikbremsscheiben, 380 x 34 mm 
Bremsen hinten gelochte und innenbelüftete Keramikbremsscheiben, 350 x 28 mm 
Wendekreis in m 10,9 
Räder, Reifen vorn 235/35 ZR19, 8,5 J x 19 
Räder, Reifen hinten 305/30 ZR19, 11 J x 19 
Lenkung hydraulische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.450 
Breite in mm 1.852 
Höhe in mm 1.300 
Radstand in mm 2.350 
Leergewicht in kg 1.660 
Zuladung in kg 365 
Kofferraumvolumen in Liter 105 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 67 
Kraftstoffart Super Plus 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 315 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 16,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,1 
CO2-Emission in g/km 268 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 372 
Haftpflicht-Klasse 19 
Teilkasko-Klasse 32 
Vollkasko-Klasse 32 

Neuer Super-Elfer im Test