Neu entwickelter Selbstzünder mit parallel-sequenzieller Aufladung im Test

Der Landlord ist nicht mehr das, was er für uns mal war, seit wir wissen, dass das Wort im Englischen auch für einen ganz normalen Wohnungsvermieter stehen kann. Wieder ist die Welt um einen Zauber ärmer, denn wir dachten immer an den Eigentümer eines englischen Herrenhauses mit gekiesten Wegen und einem Range Rover vor der Tür. Wir wollten wissen, ob wenigstens dem Auto, dem guten alten ,Range" noch der traditionelle britische Charme innewohnt, und haben die neueste Version mit dem ganz frischen TDV8-Dieselmotor und der neuen Achtgang-Automatik gefahren.

Nur drei Generationen in 40 Jahren
Der Range Rover gehört zu den wenigen Autos, die quasi seit Ewigkeiten in kaum veränderter Form gebaut werden. Seit der Premiere im Jahr 1970 wurden nur drei Generationen aufgelegt, die alle eindeutig als Range Rover identifizierbar sind. Die kastige Grundform mit hohem Aufbau und vielen rechten Winkeln blieb gegen alle Aerodynamik-Erfordernisse bis heute erhalten. In der neuesten, 2002 gestarteten Generation rückte das Auto allerdings mit Einzelradaufhängung und selbsttragender Karosserie von der eindeutigen Geländeorientierung ab. In seiner modernen Form ist der Range wohl eines der luxuriösesten SUVs auf dem Markt. Am Rande sei bemerkt, dass nun auch Pedanten nicht mehr vom ,Land Rover Range Rover" sprechen müssen, da Range Rover seit Kurzem als Marke positioniert wird.

Ein V8-Diesel allein für den Range
Unter der Haube des Range Rover arbeitete bisher entweder ein V8-Kompressorbenziner mit 5,0 Liter Hubraum und Direkteinspritzung oder ein 272 PS starker V8-Diesel mit 3,6 Liter Hubraum. Ab 1. Oktober 2010 wird der alte Motor durch eine Eigenentwicklung abgelöst, die dem Range vorbehalten bleibt, also weder bei der Schwestermarke Jaguar noch in anderen Land Rover-Modellen eingesetzt werden soll.

Stark und schön leise
Der Hubraum des Diesels steigt auf 4,4 Liter, die Leistung auf 313 PS. Mit seiner parallel-sequenziellen Aufladung stemmt der Motor starke 700 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Dass sich das Auto damit fast ungebührlich wild beträgt, versteht sich: Beim unbedachten Tritt auf das Gaspedal erhält man einen Stoß in den Rücken. Der Diesel-Range beschleunigt in 7,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Dabei bleibt der Diesel in allen Lebenslagen erfreulich leise. Bei hohen Drehzahlen dröhnt er nicht, sondern wird nur ein wenig rauer.

Verbrauch gesunken
Trotz aller Kraft ist auch an die Umwelt gedacht worden: Der TDV8 hält die Euro 5-Norm ein und verbraucht nur noch 9,4 statt den bisherigen 11,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Für einen Zweieinhalbtonner ist das nicht schlecht, doch es geht noch deutlich sparsamer: Der BMW X5 braucht in der äquivalenten Version xDrive 40d nur 7,5 Liter, er wiegt aber auch ,nur" 2,2 Tonnen und ist rund zehn Zentimeter niedriger. Zum gesunkenen Verbrauch des Range trägt die neue Automatik bei: Das von ZF stammende und zum Beispiel auch im erwähnten X5 eingesetzte Getriebe hat acht Stufen statt sechs wie die alte Automatik, die auch noch bei der Supercharged-Version eingesetzt wird. Schaltwippen am Lenkrad sind Serie.

Luftfederung und Wankausgleich serienmäßig
Auch eine Luftfederung gehört beim Range zum Standard, womit sich das Karosserieniveau in drei Stufen einstellen lässt. Ebenfalls Serie sind adaptive Stoßdämpfer und eine Wankneigungskontrolle. Dennoch bleibt der Range in Kurven nicht so ruhig wie eine Oberklasselimousine – schließlich ist das Auto 1,87 Meter hoch und hat lange Federwege. Auch wegen der Sitze, die kaum Seitenhalt bieten, sind scharfe Kurven nicht gerade eine Spezialität des Range. Der Federungskomfort auf gerader Strecke ist ordentlich. Gut gefällt uns die leichtgängige Lenkung.

Amphibischer Parcours
Der permanente Allradantrieb besitzt zwei elektronisch gesteuerte Differenziale, eines in der Mitte und ein optionales an der Hinterachse. Beide lassen sich elektronisch sperren. Damit kann man sich durchaus auch ins schwere Gelände wagen – wenn einem das teure Auto für Dreck und Dornen nicht zu schade ist. Zumindest Räder und Reifen sollte man vor dem Offroadeinsatz wechseln. Am Anfang unseres Geländeparcours tun wir das auf unkonventionelle Weise: Nachdem die Radmuttern gelöst sind, fahren wir mit jeweils einem Rad in ein tiefes Loch, wodurch das Auto das gegenüberliegende Rad zum Wechsel in die Höhe reckt. Dann geht es gleich in eine Flussfurt – so tief, dass uns das Wasser hereingeschwappt wäre, hätten wir die Tür geöffnet. Für unsere amphibische Fahrt hatten wir zuvor die Geländeuntersetzung und den Modus Felsklettern gewählt, in dem die Sperren fast vollständig geschlossen werden. Daneben gibt es noch vier weitere Modi, zum Beispiel für Sand oder Schnee. Anders als bei den meisten Geländewagen, wo man die Sperren aktiviert, wählt man beim Range nur die Art des Geländes.

Klobige Drehschalter
Im Innenraum bietet der Range besonders in der gefahrenen Topversion Autobiography Luxus pur. Neben einem riesigen Lenkrad fällt der Drehschalter auf, der den Automatikhebel ersetzt – eine Eigenheit des TDV8, die von Jaguar-Modellen übernommen wurde. Die Instrumente sind vollständig in Elektrolumineszenz-Technik gehalten. Anders gesagt, es handelt sich um ein Display, auf dem analoge Skalen, Zeiger und Zahlen dargestellt werden. Ansonsten setzt das Cockpit auf eine traditionelle Bedienerführung: Das Meiste wird nicht über ein Display, sondern mit Schaltern eingestellt. Diese sind recht klobig geraten. Alles im Range ist fein verarbeitet, aber nicht fein ziseliert.

Auch als Chauffeursfahrzeug
Im Fond haben auch Große genug Platz für die Knie und den Kopf. Sogar als Chauffeursfahrzeug ist der Range vorstellbar. So besitzt die von uns gefahrene Autobiography-Version seltene Extras wie elektrisch verstellbare Sitze hinten und eine Sitzbelüftung im Fond. Vom Chefsessel hinten rechts kann man sogar den Beifahrersitz elektrisch nach vorne fahren. Anders als etwa eine Mercedes S-Klasse muss der Range auch bei viel Gepäck nicht passen: Wenn die normalerweise gebotenen 535 Liter nicht reichen, kann man die Fondsitze nach vorne wickeln und hat dann Platz für 2.099 Liter.

Luxuriöse Basisausstattung
Den Range Rover TDV8 gibt es ab 88.500 Euro. Dafür erhält man die Ausstattung HSE. Wer mehr Luxus will, kann die Versionen Vogue oder Autobiography wählen. Schon die Grundausstattung erfüllt aber fast jeden Wunsch. Sieben Airbags, ESP, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber rundum, Nebelscheinwerfer und eine Klimaautomatik sind selbstverständlich. Hinzu kommen unter anderem ein Festplatten-Navi, eine Audioanlage inklusive CD-Wechsler, eine Rückfahrkamera, eine elektronische Einparkhilfe für vorn und hinten, Xenonlicht und 19-Zoll-Aluräder. Mit seinem Basispreis liegt der Diesel-Range erwartungsgemäß am oberen Ende. Zum Vergleich: Den BMW X5 xDrive 40d Automatic gibt es für 61.800 Euro, den VW Touareg V8 TDI für 70.800 Euro und den Mercedes GL 450 CDI für 88.298 Euro.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der neue Diesel im Range Rover hat in Kombination mit der Achtgang-Automatik genug Muskeln für Straße wie Gelände und bleibt akustisch stets angenehm. In Kurven fährt man aber besser etwas langsamer, damit das Auto nicht zu stark nach außen wankt. Innen- und Kofferraum bietet das Auto im Überfluss, genauso wie luxuriöse Extras. Letztlich werden Statusfragen den Kaufimpuls geben. So mancher vermögende Käufer sieht sich vor der Wahl zwischen einer Oberklasselimousine, einem Sportwagen und einem luxuriösen SUV. Wer öfter Feldwege befährt, um zu seinem Ansitz zu kommen, für den sind Sportwagen oder Limousinen keine gute Wahl. Auch wer einfach beim Autofahren gerne hoch sitzt, Platz für den großen Hund braucht oder seine Yacht ziehen möchte, entscheidet sich lieber für ein SUV. Zu den luxuriösesten Varianten der Gattung gehört der Range. Außerdem gibt es natürlich die eingefleischten Fans des Range Rover, die niemals einen Mercedes oder BMW kaufen würden.

  • Antrieb
    90%
    sehr kräftiger, akustisch angenehmer Diesel
    trotz gesunkenen Verbrauchs nicht sparsam
  • Fahrwerk
    80%
    Luftfederung, Wankneigungskontrolle Serie
    wankt in der Kurve nach außen
  • Karosserie
    90%
    großer Kofferraum
    Form aerodynamisch ungünstig
  • Kosten
    80%
    sehr gute Basisausstattung
    Preise bewegen sich im oberen Bereich

Preisliste


Range Rover TDV8 HSE

Grundpreis: 88.500 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.700
Metalliclackierung 1.190
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (vorne)
Tempomat Serie
Lederausstattung Teilleder Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer Serie
Anhängevorrichtung 1.100
Abstandstempomat 2.240
Hinterachssperrdifferenzial, elektronisch gesteuert 850
Sitzheizung hinten 500
Rückfahrkamera Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Diesel in V-Zylinderanordnung, parallel-sequenzielle Turboaufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 4.367 
Leistung in PS 313 
Leistung in kW 230 
bei U/min 1.500-3.000 
Drehmoment in Nm 700 
Antrieb permanenter Allradantrieb mit elektronisch gesteuertem Mitteldifferenzial und Hinterachssperrdifferenzial 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn Luftfederung mit McPherson-Federbeinen 
Radaufhängung hinten Luftfederung mit doppelten Dreiecksquerlenkern 
Bremsen vorn belüftete Scheiben, 380 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 365 mm 
Wendekreis in m 12,6 
Räder, Reifen vorn 8J x 19 Leichtmetall mit Reifen 255/55 R 19 111V 
Räder, Reifen hinten wie vorn 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 34 
Böschungswinkel hinten in Grad 27 
Rampenwinkel in Grad 30 
Steigfähigkeit in Prozent 100 
Bodenfreiheit in mm 283 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.972 
Breite in mm 2.216 
Höhe in mm 1.865 
Radstand in mm 2.880 
Leergewicht in kg 2.580-2.810 
Zuladung in kg 390-620 
Kofferraumvolumen in Liter 535 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 2.099 
Anhängelast, gebremst in kg 3.500 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 105 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 210 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 11,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,2 
CO2-Emission in g/km 253 
Schadstoffklasse Euro 5 
Weitere Informationen
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Bildergalerie: Stärkerer Diesel-Range