Aus einem alten Bekannten von Chrysler wurde ein Lancia

Groß und günstig war er schon immer: der Chrysler Voyager. Jetzt ist der Van als Lancia auf dem deutschen Markt. Wir haben den in Kanada gebauten Amerikano-Italiener mit 2,8-Liter-Dieselmotor getestet.

Namensspiele beim Traditionskasten
Der Modellname ,Voyager" für Vans hat Tradition: Seit 1984 gibt es die Wagen. Zuerst wurde das große Fahrzeug von der 2001 eingestellten Marke Plymouth vertrieben, das weitgehend baugleiche Schwestermodell nannte sich Dodge Caravan. Später wurde der Voyager dann von Chrysler angeboten – der Chrysler Voyager ist bis heute bekannt. Seit Fiat durch die Übernahme der Aktienmehrheit von Chrysler vor dem Untergang bewahrt hat, ist nun die Fiat-Tochter Lancia auserkoren, die Chrysler-Modelle auf dem europäischen Festland zu vermarkten. Und so steht die inzwischen fünfte Generation des Voyager als Lancia bei den Händlern. Während man der großen Limousine Chrysler 300 mit Lancia Thema einen eigenen Namen spendierte, setzt man beim Voyager auf die Zugkraft des eingeführten Modellnamens. In Großbritannien werden die Fahrzeuge übrigens weiter als Chrysler verkauft. In den USA heißt der Wagen inzwischen mittlerweile allerdings Town & Country. Die aktuelle Generation wird in Nordamerika auch noch als Dodge Grand Caravan und als VW Routan angeboten.

Riesiger Klotz
Mit 5,22 Meter Länge übertrifft der Voyager seine Konkurrenten um Klassen: Citroën C8 und der baugleiche Peugeot 807 bringen es auf 4,73 Meter, der Ford Galaxy kommt auf 4,82 und der Renault Grand Espace auf 4,85 Meter. Die neben Citroën C8 und Peugeot 807 ebenfalls zur Eurovan-Familie gehörenden Fiat Ulysse und Lancia Phedra werden bereits seit Mitte 2010 nicht mehr produziert – bei Fiat wurde dem Freemont, einem umgelabelten Dodge Journey, und bei Lancia eben dem Voyager Platz gemacht. Vans haben es momentan nicht leicht. Seit einem Jahrzehnt reiben sie sich an den unermüdlich Marktanteile erobernden SUVs auf. Da zählt Größe: Ein SUV vom Format eines Voyager gibt es in Europa sonst nicht. Ansonsten ist der Wagen klotzig wie eh und je, Lichtjahre vom sonst eher filigranen Lancia-Design entfernt. Dem Auto wurden Lancia-Markenlogos verpasst, fertig.

Lkw-Raum zum Ersten
Der Innenraum des Voyager ist gigantisch: Selbst hinter der serienmäßigen dritten Sitzreihe finden noch 934 Liter Gepäck Platz. Werden die hinteren beiden Reihen zu einem ebenen Ladeboden versenkt, fasst der Wagen unfassbare 3.912 Liter. Das Um- und Aufklappen der Sitze geht super easy von der Hand. Das zugrunde liegende System nennt sich ,Stow 'n Go". ,Swivel `n Go", bei dem sich die Sitze der zweiten Reihe drehen ließen, wird mangels Nachfrage nicht mehr angeboten. Wer also öfter Möbel oder ähnliches Sperrgut transportieren muss, aber auch ab und zu das Auto mit sechs Personen vollladen will, liegt beim Lancia Voyager goldrichtig. Und es gibt ihn auch nur in der Ausstattung ,Gold", die unter anderem eine elektrisch verstellbare Pedalerie und eine Lenkradheizung enthält – also Optionen, die man eher in S-Klasse-Bereichen vermuten würde. Auch eine Dreizonen-Klimaanlage ist ab Werk mit dabei.

Lkw-mäßiger Raum zum Zweiten
Der Innenraumdesigner des Voyager scheint wichtigere Aufgaben gehabt zu haben. Immerhin konnte Lancia eine Uhr für die Mittelkonsole beisteuern. Doch die steht sinnbildlich für die ganze Kabine: Es passt optisch nichts so recht zueinander. Zumindest der Gangwahlhebel hat einen gewissen Style, doch der Rest des großen Raums wird mit einfachen Materialien zugepflastert. Auch könnten sich die kanadischen Chrysler-Monteure etwas mehr Mühe beim Zusammenbau geben. Aber Platz ist auf jeden Fall da: Selbst in der dritten Reihe können Erwachsene halbwegs bequem sitzen. Die Stow-'n-Go-Funktion bedingt, dass die Passagiere überdurchschnittlich hoch thronen. Deshalb stoßen in der zweiten Reihe große Insassen fast mit ihren Köpfen an die Decke. Wiederum gut: Im Voyager gibt es eine Vielzahl von üppigen Ablagemöglichkeiten.

Fahrwerk überrascht
Wer das große italienische Ami-Schiff um enge Kurven steuert, erwartet zwangsläufig einen wankenden Schwamm – und wird überrascht. Die Wankneigung hält sich in Grenzen, der Wagen lässt sich sicher fahren. In Sachen Untergrund-Bearbeitung geht es beim Lancia eher Richtung Komfort, was seine Familientauglichkeit unterstreicht. Nur die Lenkung könnte direkter sein und deutlich weniger Spiel in der Mittellage aufweisen.

Motor passt
Wir haben den Voyager mit 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesel ausprobiert. Die Marktchancen des ebenfalls verfügbaren 3,6-Liter-Sechszylinder-Benziners dürften sich in Deutschland in Grenzen halten. Der Diesel leistet 163 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 360 Newtonmeter. Damit geht es in 11,9 Sekunden von null auf 100 km/h – was für einen Van dieser Größe ganz passabel ist. Auch gefühlt spurtet der Voyager ordentlich los. Die Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h ist für das wuchtige Fahrzeug mehr als ausreichend. In Sachen Kultiviertheit und Geräuschdämmung hat das Aggregat aber noch Reserven – gerade was den Schallschutz angeht, haben sich die Ingenieure beim Lancia Thema deutlich mehr Mühe gegeben. Als Normgesamtverbrauch gibt der Hersteller ganz passable 7,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer an.

Sanfte Automatik
Serienmäßig ist für die Schaltarbeit im Lancia Voyager eine Sechsstufen-Automatik zuständig. Diese teilt die Momente des Diesel-Aggregats probat ein und geht dabei unauffällig vor. Sanft hält sie immer den passenden Gang parat.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Plymouth, Dodge, Chrysler und jetzt Lancia: Der Voyager hat sich tapfer über alle Hersteller-Namen gerettet. Vier Sterne für einen teilweise recht schrabbelig anmutenden Wagen? Wir sagen: ja. Der Kunde bekommt mit dem größten Lancia sehr viel Auto und vor allen Dingen rekordverdächtig viel Stauraum und eine vorbildliche Innenraum-Flexibilität fürs Geld.

    Die Ausstattung übertrifft alles, was die Van-Klasse zu bieten hat, auch wenn die Qualität der verbauten Einzelteile zu wünschen übrig lässt. Der Nutzwertcharakter des Voyager ist nach wie vor extrem hoch. Wer feine Materialien, schönes Design und eine gute Verarbeitung sucht, muss sich allerdings woanders umsehen.

  • Antrieb
    80%
    passender Diesel, passendes Getriebe
    ein bisschen unkultiviert
  • Fahrwerk
    80%
    nur geringe Wankneigung
    schwammige Lenkung mit viel Spiel
  • Karosserie
    70%
    riesig, enorm viel Platz
    billige Materialien, schlecht verarbeitet
  • Kosten
    85%
    akzeptabler Basispreis
    gigantische Serienausstattung

Preisliste


Lancia Voyager 2.8 CRD

Grundpreis: 39.990 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie (drei Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 1.850
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.150
Metalliclackierung 650
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht 890
Nebelscheinwerfer Serie
automatische Niveauregulierung hinten 450
Parksensoren hinten Serie
Pedalerie elektrisch verstellbar Serie
Schiebetüren hinten beidseitig elektrisch bedienbar Serie
Heckklappe elektrisch bedienbar Serie
Innenspiegel automatisch abblendend Serie
Frontsitze elektrisch verstellbar Serie
Taschenlampe in der Seitenverkleidung des Gepäckraums Serie
Aktive Kopfstützen vorn Serie
Alarmanlage Serie
Lenkradheizung Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.776 
Leistung in PS 163 
Leistung in kW 120 
bei U/min 1.800 
Drehmoment in Nm 360 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.663 
Spurweite hinten in mm 1.645 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung vom Typ McPherson, hydraulische Teleskopstoßdämpfer und Stabilisator 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse, hydraulische Teleskopstoßdämpfer, Schraubenfedern 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innen belüftet, 330 x 28 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 328 x 12 mm 
Wendekreis in m 12,1 
Räder, Reifen vorn 225/65 R17 auf 6,5 x 17 
Räder, Reifen hinten 225/65 R17 auf 6,5 x 17 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.218 
Breite in mm 1.998 
Höhe in mm 1.750 
Radstand in mm 3.078 
Leergewicht in kg 2.330 
Zuladung in kg 548 
Kofferraumvolumen in Liter 934 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 3.912 
Anhängelast, gebremst in kg 1.600 
Dachlast in kg 68 
Tankinhalt in Liter 76 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 185 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 10,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,3 
CO2-Emission in g/km 207 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 440 

Marke: Vollkommen egal