Audi Q5 2.0 TDI vs VW Tiguan 2.0 TDI vs BMW X3 xDrive20d

Sie haben einen hohen Einstieg, geben Übersicht im Verkehr und gelten als bequem: SUVs. Die Fahrzeuggattung mit Geländewagen-Anleihen erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Wir lassen drei Vertreter dieser Spezies mit Einstiegs-Dieseln gegeneinander antreten: Der Audi Q5 2.0 TDI quattro S tronic muss sich gegen den VW Tiguan 2.0 TDI 125 kW und den BMW X3 xDrive20d Automatic beweisen.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Der Audi Q5 tarnt sich, wie die meisten Modelle aus Ingolstadt, mit einem perfekt integrierten Markengesicht. Die wenig markanten Unterschiede zu den jeweils anderen Baureihen stört die Kunden nicht, ganz im Gegenteil: Audi hält sich seit geraumer Zeit auf der Erfolgsspur. Auffällig sind die riesigen Außenspiegel mit ihren integrierten Blinklichtern, die zu einem SUV passen. Mit einer Länge von 4,63 Meter ist der Audi 20 Zentimeter länger als der VW Tiguan und drei Zentimeter kürzer als der BMW X3. Seine Höhe von 1,65 Meter liegt deutlich unter der des Wolfsburgers, welcher auf 1,87 Meter kommt. Der BMW kann mit 1,66 Meter noch einen Zentimeter auf den Audi drauf packen. Und in Sachen Gewicht hat sich der Q5 am meisten angefuttert: 1.880 Kilogramm bringt er auf die Waage, beim Tiguan sind es 1.695 und beim X3 1.800 Kilogramm.

Marke ist Trumpf
Der VW Tiguan ist längenmäßig, wie schon gesagt, der Kleinste im Feld. Nach dem jüngsten Facelift passt er perfekt in den Markenauftritt von VW. Auch der Wolfsburger trägt große Außenspiegel mit integrierten Blinklichtern. Mit einer Breite von 1,81 Meter ohne die Außenspiegel macht er sich am schmalsten. Q5 und X3 liegen mit jeweils 1,88 Meter gleich auf.

Groß geworden
Der BMW X3 ist richtig groß geworden, erstreckt sich auf die Maße, die einst den ersten X5 ausmachten. Sein Äußeres ist inzwischen richtig stimmig. Was allen drei Kontrahenten gemein ist: Sie ziehen jede Menge interessierter Blicke auf sich. Der Bayer ist der Einzige im Test, der noch nicht dem Trend nach in den Außenspiegeln integrierten Blinkern gefolgt ist. Der X3 stützt sich auf den gleichen Radstand wie der Q5: 2,81 Meter. Entsprechend seiner geringeren Gesamtlänge muss sich der Tiguan mit 2,60 Meter begnügen.

Qualität ganz oben
Die Kabine des Q5 können wir mit der Lupe absuchen: Die Verarbeitung ist perfekt, die Oberflächen sind durchgehend ansprechend. Das Gestühl in der ersten Reihe gibt für Rücken und Beine ordentlichen Seitenhalt und die Beinauflagefläche ist zudem großzügig und verstellbar. Die Rückbank ist, wie bei allen Vergleichstest-Teilnehmern, deutlich härter als die Plätze vorne. Sie bietet zwar nur eine kurze Auflagefläche für die Beine, aber eine gute Kniefreiheit. Die Kopffreiheit ist im Fond selbst für Sitzriesen gigantisch. Die Ladekante des Q5 liegt in einer erträglichen Höhe, eine störende Ladeschwelle fehlt vollkommen. Praktisch: An die Unterseite der Gepäckraum-Abdeckung schmiegt sich ein Netz für das Verstauen von Kleinkram. Gepäckraummäßig ist der Q5 mit 540 Liter dabei, zehn Liter weniger als beim BMW. Bei umgeklappter Fond-Rücklehne stehen 1.560 Liter zur Verfügung, hier hat der X3 mit 1.600 Liter die Nase noch deutlicher vorn.

Fällt ein bisschen zurück
Die Kabine des Tiguan ist ebenfalls makellos verarbeitet, an den exzellenten Auftritt des Q5-Innenraums kommt sie aber nicht heran. Die vorderen Sitze geben sich unspektakulär bequem. Im Fond passt die Kniefreiheit, wobei die Klapptische zum einen aus billigem Plastik bestehen und somit eklig wirken, sowie zum anderen die Beinfreiheit einschränken. Da die Tische auch noch von unten nach oben aufklappen, kriegt man sie kaum an den Knien vorbei. Wer sich für das 1.175 Euro teure Panorama-Schiebedach entscheidet, muss im Fond mit einer recht knappen Kopffreiheit leben. Die Ladekante des Tiguan liegt im Vergleich am höchsten, außerdem bringt er eine zirka fünf Zentimeter hohe Ladeschwelle mit. In Sachen Kofferraumvolumen muss der Tiguan zurückstecken: Mit 470 bis 1.510 Liter stellt er am wenigsten Platz zur Verfügung. Ungewöhnlich: Wird die stark gepolsterte Fond-Mittelarmlehne hochgeklappt, nimmt sie noch ein paar Liter Kofferraumvolumen weg.

Sport-Attitüde und Head-up-Display
Auch an der Innenraumverarbeitung des BMW gibt es nichts zu tippen. Allerdings sind manche der angebotenen Holzmaserungen für das Armaturenbrett Geschmackssache. Die vorderen Sitze packen uns sportlich eng – die Bayern tun alles für ein dynamisches Feeling. Dementsprechend fällt der Seitenhalt für den Rücken beinahe schon übertrieben aus, für die Beine ist er eher moderat. Im Fond gibt es reichlich Platz für Kopf und Knie, insgesamt gefällt uns die zweite Reihe im X3 am besten. Was ebenfalls unschlagbar gut ist: Für 1.190 Euro ist ein Head-up-Display zu haben, welches sogar Navi-Skizzen in die Frontscheibe projiziert. Head-up-Displays kommen auf eine sensationelle Kundenzufriedenheit von 100 Prozent – trotzdem hat der VW-Konzern diese Entwicklung über Jahre verpennt. Jetzt zieht Audi bei den Modellen A6, A7 und A8 nach, für den Q5 oder gar den VW Tiguan steht die Technik noch nicht zur Verfügung. Hinsichtlich seiner Fähigkeiten als Lastesel kann der X3 punkten: mit der niedrigsten Ladekante und dem bereits erwähnten größten Kofferraumvolumen. Genau wie der Audi hat der BMW keine Ladeschwelle und die Kofferraumöffnung ist bei allen drei Gegnern maximal groß ausgeschnitten.

FAHRWERK/LENKUNG
Das Fahrwerk unseres Q5 wurde von den Ingenieuren straff ausgelegt – für kurze Querrillen und Schlaglöcher etwas zu straff. Trotzdem wankt der Wagen in Kurven ganz ordentlich. Diese leichte Unausgewogenheit wird von der feinen Lenkung wieder wettgemacht: Kein Spiel, genau der richtige Widerstand und extreme Präzision stehen auf der Haben-Seite. Der Q5 hat die beste Lenkung im Test. Die Bremsen sorgen bei allen drei Mitstreitern für eine probate Verzögerung.

Verstellbar die Erste
Das Fahrwerk unseres Tiguan lässt sich in den Stufen ,Comfort", ,Normal" und ,Sport" verstellen. Das weichste Setup namens ,Comfort" führt tatsächlich zu einem angenehmen Wegbügeln der üblichen Unebenheiten. Dabei bleibt die Wankneigung schon in dieser Einstellung hinter der des Audi zurück. ,Normal" ist dann naturgemäß etwas straffer und ,Sport" reicht für die ambitionierte Landstraßen-Kurve. Setzt sich in Sachen Fahrwerk der Tiguan vom Q5 nach vorne ab, so kann er bei der Lenkung wiederum nicht mithalten: Weich und indirekt ist sie für das Einparkgekurbel in der Stadt gut, zur Feder-Dämpfer-Einstellung ,Sport" passt sie bei weitem nicht.

Verstellbar die Zweite
Auch der X3 kommt bei uns mit einem verstellbaren Fahrwerk daher. Die Setups nennen sich ,Normal", ,Sport" und ,Sport plus". Selbst bei ,Normal" ist der BMW der straffeste von allen, dabei kommt er aber mit kurzen Querrillen und Schlaglöchern besser zurecht als der Audi. Die Lenkung des in den USA gebauten Münchners ist ebenso präzise wie die des Q5, für unseren Geschmack aber ein wenig zu schwergängig – hier stand wohl wieder das Erzeugen eines Sportfeelings im Vordergrund.

MOTOR/GETRIEBE
Alle unsere Vergleichstest-Kandidaten sind mit einem modernen 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel ausgerüstet. Der Q5 holt aus 1.968 Kubikzentimeter 170 PS, sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter liegt zwischen 1.750 und 2.500 U/min an. In 9,9 Sekunden geht es von null auf 100 km/h, bei 200 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Während der Fahrt herrscht im Wagen entspannte Ruhe – das Triebwerk gibt sich kultiviert. Allerdings ist von außen ein deutliches Rasseln zu hören. Den Verbrauch unseres Q5 gibt Audi mit 7,0 Liter pro 100 Kilometer an. Wir kommen laut Bordcomputer zu keinem Zeitpunkt unter 9,0 Liter – am Ende sind wir im Schnitt mit 10,3 Liter pro 100 Kilometer dabei. Der Q5 muss hier seinem Gewicht Tribut zollen, seine beiden leichteren Gegner sind sparsamer.

Der Raue
Der Tiguan wird vom gleichen Herzen befeuert wie der Q5. Hubraum, Leistung und Drehmoment sind identisch. Die 200 Kilogramm Gewichtsersparnis gegenüber dem Audi sorgen somit für Vorteile bei Spritzigkeit und Verbrauch. In 8,9 Sekunden spurtet der Wolfsburger auf Tempo 100, bei 201 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Somit ist der Tiguan eine Sekunde schneller auf Referenztempo als sein Kontrahent aus Ingolstadt. Den Normverbrauch gibt VW mit 6,0 Liter pro 100 Kilometer an, in unserem Test waren 8,4 Liter fällig. Klanglich ist der Tiguan deutlich ungezogener als der Audi, rau und brummig geht er ans Werk. Der Innenraum des Q5 scheint deutlich aufwendiger gedämmt worden zu sein.

Der Stärkste
Das Triebwerk unseres X3 ist mit 1.995 Kubikzentimeter Hubraum dabei. Aus den im Vergleich zu seinen Gegnern 27 Zusatz-Kubikzentimeter organisiert sich der BMW 14 PS. Das Aggregat leistet somit 184 PS und generiert zudem ein Drehmoment von 380 Newtonmeter, welches zwischen 1.750 und 2.750 U/min anliegt. Der BMW-Motor hat also 30 Newtonmeter mehr an der Kurbelwelle und diese stehen oben raus auch noch länger zur Verfügung. Dementsprechend fallen die Fahrdaten aus: In 8,5 Sekunden ist Tempo 100 geschafft, als Spitzengeschwindigkeit sind 210 km/h drin. Den Verbrauch geben die Münchner mit 5,6 Liter pro 100 Kilometer an, wir landen bei 9,7 Liter. Akustisch geht auch der BMW etwas lauter zu Werke als der Q5.

Unten spritzig, oben gemächlich
Die allesamt vorzeigbaren Drehmomente führen zu einer ausgesuchten Spritzigkeit bei Stadtgeschwindigkeiten. Der Anzug ist bei allen Dreien beeindruckend. Aber: So beachtenswert die Leistungen und Momente dieser Dieselaggregate auch sind, einen Autobahn-Zwischensprinter können wir hier nicht erwarten. In höheren Drehzahlregionen verläuft die Beschleunigung zunehmend zäh. Wie gesagt: Das ist keine Überraschung und geht in Ordnung – wer mehr will, muss sich bei höheren Motorisierungen umsehen.

Mit zwei Kupplungen
Die Schaltarbeit übernimmt in unserem Q5 ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Dieses ist an ein Start-Stopp-System gekoppelt und lässt sich per Knopfdruck in einen S-Modus versetzen. Die Schaltvorgänge verlaufen seidig weich und konzeptbedingt ohne Zugkraftunterbrechung. Das Start-Stopp-System sorgt für auf null reduzierten Diesel-Durst an der roten Ampel und lässt den Motor bei Bedarf wieder spontan anspringen. Die S-Stellung bringt allerdings nicht viel: Die Gänge werden vor dem Schalten um zirka 300 U/min weiter ausgedreht, was gefühlt keinen Einfluss auf die Spritzigkeit des Q5 hat.

Per Hand
Unser 170-PS-Tiguan wird ausschließlich mit einer Sechsgang-Handschaltung ausgerüstet. Diese ist nicht an ein Start-Stopp-System gekoppelt. Das Schalten an sich ist hier etwas für tolerante Naturen: Haken und Ösen gehören beim Tiguan genauso zum Gänge-Einlegen wie ein labberiges Schaltgefühl.

Automatik mit acht Gängen
Die meisten Gänge bringt der BMW mit: acht. Seine Automatik arbeitet wiederum mit einem Start-Stopp-System zusammen, welches wie beim Audi spontan und passend funktioniert. Der zusätzliche Gang wird gegenüber dem siebengängigen Getriebe des Audi seinen Beitrag zum Spritsparen leisten. Von den Schaltvorgängen an sich bekommen wir im BMW kaum etwas mit, die Automatik arbeitet extrem komfortabel.

AUSSTATTUNG/PREIS
Der Q5 und der X3 werden jeweils mit 41.900 Euro berechnet, der Tiguan ist mit seinen 32.700 Euro um 9.200 Euro günstiger – die kürzere Länge und die Abwesenheit einer Automatik-Schaltung helfen also, jede Menge Geld zu sparen. Dabei ist die Serienausstattung der drei Wagen recht ähnlich, nur VW lässt sich die Klimaautomatik mit 350 Euro Aufpreis bezahlen. Ansonsten steigen die Preise für Optionen in der Reihenfolge VW, Audi, BMW an. Auch in Sachen Gesamtkosten ist der Tiguan laut adac-autokosten.de am günstigsten: Bei einer Haltedauer von vier Jahren und einer durchschnittlichen Kilometerleistung von 15.000 Kilometer pro Jahr fallen 56,5 Cent pro Kilometer an. Aufs Jahr gerechnet werden 8.477 Euro fällig. Mit einigem Abstand landet der BMW auf dem zweiten Kosten-Rang: 60,5 Cent müssen pro Kilometer berappt werden, was im Jahr 9.080 Euro ausmacht. Der Audi wird am teuersten unterhalten: Pro Kilometer ist er mit 65,1 Cent dabei, im Jahr kommen 9.770 Euro zusammen.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Der Audi Q5 gefällt mit seinem perfekt verarbeitetem Innenraum, der guten Belademöglichkeit und seinem Richtung Kabine geräuschgedämmten Motor. Außerdem hat er die beste Lenkung im Test. In Sachen Fahrwerk gibt sich der Ingolstädter hingegen ein wenig unausgegoren und beim Unterhalt ist er der Teuerste. Macht Rang zwei.

    Der VW Tiguan punktet mit seinem geringen Verbrauch, seinen vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten und seinem auf Allroundfähigkeiten abgestimmten Fahrwerk. Zudem liegt er bei den Unterhaltskosten am niedrigsten. Im Fond muss er seiner kürzeren Gesamtlänge Tribut zollen und die Höhe der Ladekante sowie das Vorhandensein einer Ladeschwelle machen die Gepäckhandhabung etwas unkomfortabler. Lenkung und Schaltung sind uns zu weich und zu unpräzise. Wir vergeben hier einen dritten Platz.

    Den Sieg holt sich der BMW X3. Sein Motor überzeugt am meisten, in den kritischen oberen Drehzahlregionen schlägt er sich noch am Besten. Die Achtgangautomatik hilft beim Diesel-Sparen und arbeitet gefühlt ähnlich komfortabel wie das Doppelkupplungs-Getriebe des Q5. Der Fondbereich gefällt uns beim X3 am besten und die Belademöglichkeiten sind ebenso vorbildlich wie beim Audi. Bei der Lenkung und bei den Vordersitzen übertreibt es BMW ein wenig mit den sportlichen Ambitionen.

  • Audi Q5 2.0 TDI quattro S tronic
    80%
    tolle Qualität, kultiviert, beste Lenkung
    Fahrwerk unausgewogen
  • VW Tiguan 2.0 TDI 125 kW
    80%
    günstig, gutes Fahrwerk, geringer Verbrauch
    weiche unpräzise Lenkung, labberige Schaltung
  • BMW X3 xDrive20d Automatic
    90%
    bester Motor, top Automatik, sportliches Fahrwerk
    bester Fond, gute Belademöglichkeiten

Trägheitsmomente