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Kantiger, farbiger und moderner

Skoda Fabia der neuen Generation im Test

Kantiger, farbiger, moderner

Stefan Leichsenring Stefan Leichsenring

Von: Stefan Leichsenring

16. Okt. 2014 um 12:44 Uhr

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Von einer ,deutlich emotionaleren Optik" spricht Skoda-Chef Winfried Vahland bei der Präsentation des neuen Fabia. Ich bin erstmal skeptisch. Der neue Kleinwagen sieht vor allem kantiger aus als bislang, aber das wirkt auf mich eher kühl und rational. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass das Auto neben Vahland blau ist und trotz des silbernen Dachs eher bieder wirkt. Als dann die neuen Farbkombinationen erwähnt werden, beginne ich zu verstehen: Man kann das Auto nun zum Beispiel auch in Gelb mit schwarzem Dach, schwarzen Außenspiegeln und schwarzen Felgen bestellen. Sowas ist nicht jedermanns Geschmack, aber die extrovertierteren Kunden können damit prima auf sich aufmerksam machen. So sollen nun auch vermehrt jüngere Kunden angesprochen werden, wie es die Mini-Modelle und der Fiat 500 vormachen. Aber Farben und Formen sind nicht alles. Was der Wagen so alles kann und was nicht, haben wir bei einer ersten Ausfahrt herausgefunden.

Veränderte Maße
Die angestrebte Sportlichkeit äußert sich auch in den Maßen: Die Länge des Fabia hat sich nur wenig verändert, sie liegt immer noch bei rund vier Meter. Doch die Breite nahm zu und die Höhe ab – das fördert die sportlichere Optik. Allerdings ist der Wagen immer noch recht hoch. Das freut Ältere wegen des leichteren Einsteigens, aber die Seitenansicht macht es nicht gerade schicker. Neu am Fabia ist aber auch die Technik. Neu ist sie allerdings nur für dieses Modell, denn die Elemente sind vom VW Polo bekannt: Die Motoren kommen aus dem Modularen Querbaukasten (MQB) des VW-Konzerns, die Elektronik aus dem Modularen Infotainment-Baukasten (MIB).

Vier Benziner und drei Diesel
Die Motorenpalette ist identisch mit der des Polo. Die Basis bilden die neuen Dreizylinder-Benziner mit 60 und 75 PS, alternativ gibt es den 1.2 TSI mit 90 und 110 PS. Dieselfreunde haben die Wahl zwischen einer 90- und einer 105-PS-Version des 1.4 TDI. Ein besonders sparsamer Greenline-Diesel mit 75 PS soll 2015 hinzukommen. Alle Motoren erfüllen die Euro-6-Norm und sind mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Wir wählten den 90 PS starken Benziner in Kombination mit der serienmäßigen Fünfgang-Schaltung. Gestartet wird er bei den bodenständigen Versionen per Schlüsseldreh, in der Topversion Style mit einem Startknopf, der sich in etwas ungewohnter Position an der Lenksäule befindet.

Der Fahrspaß stellt sich schnell ein
Mit 160 Newtonmeter bietet das Aggregat mehr als ausreichend Drehmoment für den Fabia. Schon ab etwa 1.400 Touren kann man damit beschleunigen. Schnell stellt sich der Fahrspaß ein, und das schon in der Stadt. Die in Lissabon allgegenwärtigen Kreisverkehre werden zum Vergnügen. Lenkung und Schaltung sind keine Spielverderber, und das Fahrwerk ist im besten Sinne unauffällig: Es stört weder durch übertriebene Härte, noch durch Wankneigung in der Kurve. Nur einmal, als ich bei 60 km/h Pylonen-Wedeln simuliere, wirkt das Fahrverhalten weniger exakt. Der Normverbrauch von 4,7 Liter je 100 Kilometer ist in Ordnung, aber mit den kleineren Dreizylindern der Konkurrenz kann der 1.2 TSI mit seinen vier Töpfen nicht mithalten. So ist der neue Opel Corsa 1.0 Direct Injection Turbo mit 90 PS oder der Ford Fiesta 1.0 EcoBoost mit 100 PS doch noch etwas sparsamer. Zumindest auf dem Papier, die Praxis ist eine andere Sache. Bei unserer Testfahrt benötigten wir laut Bordcomputer mit dem Fabia 6,5 Liter je 100 Kilometer, also wie üblich deutlich mehr.

Unausgereifte MirrorLink-Navigation
Wie die Motoren, so sind auch etliche Elektronikhelfer aus dem Polo bekannt, so zum Beispiel die MirrorLink-Navigation, bei der die Navigationssoftware auf dem Handy läuft, die Karten aber auf dem Fahrzeug-Display erscheinen. Während beim Polo daneben ein normales Einbau-Navi angeboten wird, verzichtet Skoda darauf – die Einbauraten beim alten Fabia waren minimal. Die MirrorLink-Lösung ist günstiger als ein Einbaunavi, aber wirklich billig ist sie nicht. Sie setzt nämlich das Infotainmentsystem Bolero voraus sowie eine kostenpflichtige App – summa summarum kostet das etwa 700 Euro. Und was taugt das Ganze? Um es kurz und knapp zu sagen: gar nichts. Am nervigsten daran ist, dass Abbiegehinweise viel zu spät kommen. Auch kann man während der Navigation kein Autoradio hören. Unsere Alternativ-Empfehlung: ein Mobilnavi aus dem Elektronikmarkt für rund 100 Euro.

g-Kräfte per SmartGate verfolgen
Eine coole Besonderheit des Fabia ist die SmartGate-Technik, mit der man diverse Fahrzeugdaten via WLAN auf sein Smartphone übertragen kann. So kann man zum Beispiel den Verbrauch auf den einzelnen Strecken einsehen und auf einem Skoda-Portal mit anderen vergleichen. Aber auch Daten wie die per Fahrzeugsensoren ermittelten Beschleunigungskräfte (,g-Kräfte"), die Motordrehzahl, der Gaspedaldruck und dergleichen lassen sich damit ablesen. Ansonsten gibt die Ausstattungsliste nur wenige Technik-Schmankerl her. Zu den Sicherheitshelfern gehören eine Multikollisionsbremse, ein Müdigkeitswarner und ein radarbasiertes Notbremssystem. Sehr löblich ist, dass Letzteres in der Ausstattung Ambition Serie ist. Ein auch für den Stadteinsatz sinnvoller Helfer wie ein Totwinkelassistent wird dagegen nicht angeboten – aber den gibt es selbst beim VW Polo noch nicht.

Schickes Cockpit, großer Kofferraum
Das Cockpit hat sich gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. So gefällt uns das im Testwagen verbaute Armaturenbrett in gebürsteter Metalloptik ausnehmend gut. Auch der in Schwarz und Chrom gehaltene Rest ist schick, aber nicht aufdringlich. Die Vordersitze bieten ausreichenden Seitenhalt. Auch im Fond sitzen mittelgroße Erwachsene ordentlich. Die Kopffreiheit ist selbst für Sitzriesen ausreichend. Bei Großen bohren sich die Knie allerdings in die Vordersitze, denn die Aussparung reicht nicht weit genug nach oben. Der Kofferraum ist mit 330 bis 1.150 Liter groß, aber anders als Skoda behauptet, nicht der klassenbeste: Der Honda Jazz bietet mit 399 bis 1.384 noch mehr. Außerdem ist der Kofferraum nicht sehr praktisch. Legt man die Rücksitze um, bleibt eine störende Schwelle. Einen Einlegeboden gibt es nicht – anders als beim VW Polo. Für ein Auto, an dem Skoda besonders den herausragenden Innenraum lobt, ist das kein Ruhmesblatt.

Deutlich günstiger als ein Polo
Der Fabia der dritten Generation startet Mitte November 2014. Die Preise beginnen bei 11.790 Euro. Von den drei Ausstattungen Active, Ambition und Style ist Ambition die empfehlenswerteste. Bei der Grundausstattung zahlt man noch Aufpreis für fast selbstverständliche Dinge wie elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare Außenspiegel, eine geteilt umklappbare Rücksitzlehne oder die Fernbedienung der Zentralverriegelung. Dies ist bei Ambition Standard, und dazu noch eine Klimaanlage, ein Radio mit USB-Anschluss, ein radarbasiertes Notbremssystem und ein Tempomat. Mit dem 90-PS-Benziner gibt es den stets fünftürigen Fabia als Ambition für 15.820 Euro. Zum Vergleich: Der identisch motorisierte Polo kostet mindestens 16.175 Euro, aber die Comfortline-Variante wird erst mit dem 955 Euro teuren Cool-and-Sound-Paket vergleichbar. Dann ist der Polo rund 1.300 Euro teurer, und die zwei zusätzlichen Türen des Fabia sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Wertung

Preisliste

Skoda Fabia 1.2 TSI 90 PS Ambition

Grundpreis: 15.820 Euro

Ausstattungen Preis in Euro Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar) Klimaanlage Serie Klimaautomatik im Paket Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Metalliclackierung 470 Leichtmetallfelgen ab 500 (15 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat Serie Nebelscheinwerfer 190

Multikollisionsbremse Serie Berganfahrassistent 70 Müdigkeitswarner 50 Sitzheizung vorne 230 schlüsselloses Zugangs- und Startsystem 370 asymmetrisch geteilt umklappbare Rücksitzbank Serie Radio "Swing" mit USB-Anschluss, 5,5-Zoll-Display Serie Radio "Bolero" mit USB-Anschluss, 6,5-Zoll-Display, MirrorLink-Technologie 650 SmartGate-Technologie (Fahrdaten-Abruf per Smartphone) 130 Bicolor-Lackierung ColourConcept (Dach, Außenspiegel, Felgen in Kontrastfarbe) 920 Comfort-Paket (Klimaautomatik, Parkpiepser hinten, Licht- und Regensensor etc.) 490

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Turbobenziner, DOHC  Zylinder 4  Hubraum in ccm 1.197  Leistung in PS 90  Leistung in kW 66  bei U/min 1.400 - 3.500  Drehmoment in Nm 160  Antrieb Frontantrieb  Gänge 5  Getriebe Schaltung  Fahrwerk Bremsen vorn Scheiben  Bremsen hinten Trommeln  Räder, Reifen vorn 5J×14 mit Reifen 175/70 R14  Räder, Reifen hinten wie vorne  Lenkung elektromechanische Servolenkung  Maße und Gewichte Länge in mm 3.992  Breite in mm 1.732  Höhe in mm 1.467  Radstand in mm 2.470  Leergewicht in kg 1.109  Kofferraumvolumen in Liter 330  Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.150  Tankinhalt in Liter 45  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 182  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,9  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,7  CO2-Emission in g/km 107  Schadstoffklasse Euro 6 

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